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Dachser Radeburg sichert sich Nachwuchs

Was die neuen Lehrlinge lernen und warum die meisten dem Logistikunternehmen treu bleiben.

Ausbilderin Constanze Dittmann (rechts) erklärt den neuen Azubis, was wie in der großen Lagerhalle funktioniert.
Ausbilderin Constanze Dittmann (rechts) erklärt den neuen Azubis, was wie in der großen Lagerhalle funktioniert. © Arvid Müller

Radeburg. Eine Halle, etwa zweimal so groß wie ein Fußballfeld. Darin stehen Paletten mit Gasgrills, mit Waschmaschinen, mit Ausrüstungsteilen für die Caravanproduktion und unendlich viel mehr. Zwischen den Wareninseln bewegen sich Hubwagen mit Paletten wie an der Schnur gezogen. Ohne Menschenhand. Die Wagen haben einen Haken, der in einer Kette unter dem Betonfußboden einhakt und erst dort von der Kette getrennt wird, wo die Ladung von der Palette verladen werden soll.

An dieser Stelle allerdings treten Menschen ins Spiel. Speditionsfachleute wissen genau, welcher Gasgrill, welche Waschmaschine in welchen Lkw-Auflieger verladen werden soll. Von außerhalb der Halle sieht das Ganze noch gigantischer aus. An insgesamt 120 Andockstellen - nicht alle sind immer besetzt - werden von einer Zugmaschine die Auflieger passgenau rangefahren, tagsüber beladen, möglichst randvoll und nachts über die Autobahn bewegt.

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Niederlassungsleiter Bernd Häger vor den 120 Andockstationen für die Lkw-Anhänger. Die Nummerierung reicht schon weiter bis 200 - es soll noch gebaut werden.
Niederlassungsleiter Bernd Häger vor den 120 Andockstationen für die Lkw-Anhänger. Die Nummerierung reicht schon weiter bis 200 - es soll noch gebaut werden. © Arvid Müller


Der das alles erläutert, heißt Bernd Häger und ist der Niederlassungsleiter der Logistik-Firma Dachser am Standort Radeburg. Gerade dreht er mit jungen Leuten eine Runde übers Werksgelände, um ihnen zu zeigen, wie was funktioniert. Die Neuen wollen hier Berufe lernen wie Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung, Fachlagerist und Fachinformatiker für Systemintegration. Einer von ihnen wird ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Vertiefung Spedition/Transport/Logistik absolvieren und zwischen der Hochschule und Praxisphasen bei Dachser wechseln.

23 junge Leute lernen gerade in der Radeburger Niederlassung. Eine von ihnen, sie hat vor zwei Wochen gerade begonnen, ist Lucia Petters. Sie weiß jetzt schon ziemlich genau, was sie will. "In meiner Familie sind einige in der Spedition. Ich kenne viele Vorgänge schon und wollte deshalb genau hier zur Ausbildung", sagt sie. Das große und moderne Unternehmen reize sie.

Dachser ist Europas größter Stückgut-Logistiker, beschäftigt weltweit über 30.000 Menschen. In Radeburg sind es 200 Mitarbeiter. In der Corona-Zeit hat das Unternehmen noch zugelegt, weil mehr Leute übers Internet auch Dinge aus dem Baumarkt etwa bestellt haben - Gartenhäuschen, große Grills - die eben nicht mit dem Paketdienst ans Ziel gebracht werden können.

So werden die Anhänger für den nächtlichen Transport tagsüber an der Andockstation beladen.
So werden die Anhänger für den nächtlichen Transport tagsüber an der Andockstation beladen. © Arvid Müller

Und Dachser Radeburg will noch wachsen. Gleich neben dem Betriebsgelände gehören dem Familienunternehmen aus Kempten im Allgäu weitere zehn Hektar Land. Auf der Hälfte davon soll in den nächsten zwei Jahren gebaut werden. Die Nummerierung der jetzt bestehenden Andockstationen für die Anhänger reicht schon bis zur 200, obwohl es aktuell erst 120 sind. Für 80 neue mit der Lagerhalle dran werden gleich neben der Autobahn Millionen investiert.

Wofür wiederum Mitarbeiter gebraucht werden. Zwei Jahre Bauzeit - dann sind die jetzigen Azubis und Studierenden kurz vor ihrem Abschluss. Der Niederlassungsleiter sagt, dass sich nach dem zweiten Jahr entscheide, wer wo künftig eingesetzt wird. Ob in der Lagerhalle beim Verladen als Speditionskaufmann oder in der Koordination der Zustellungen, im Vertrieb oder der Buchhaltung.

Bernd Häger selbst ist der Aufstieg vom einstigen Lkw-Fahrer zum Prokuristen und Chef einer Niederlassung gelungen. Er hat die Radeburger Station aufgebaut. Eine von fast 400 weltweit. "Es gibt bei uns immer solche Möglichkeiten. Es muss nicht jeder nach der Schule gleich studieren", wirbt er für die Entwicklung und den Aufstieg dicht an der Praxis direkt im Unternehmen. Damit die Mitarbeiter auch bleiben, gibt es Annehmlichkeiten, die binden. Kantine mit eigenem Koch, klimatisierte Arbeitsplätze, Altersvorsorge, Zuschläge und Boni. "Wir haben sehr wenig Fluktuation", sagt der Chef.

Die Azubis bekommen in der Lehrzeit ab gut 700 Euro bis reichlich 900 Euro im dritten Jahr. Danach starten die Löhne bei etwa 2.000 Euro, ohne Zulagen wie etwa für Schichten. Allerdings werden die meisten Stückgut-Anhänger tagsüber beladen, ausgenommen Lebensmittel. Nachts rollen die Dachser-Fahrer dann über freiere Autobahnen. 300 Kilometer Entfernung sind festgelegt. Etwa mit der Lieferung Richtung München. An einer vereinbarten Stelle in Mittelfranken kommt der andere Dachser-Fahrer entgegen und die Anhänger werden getauscht. Waren für Bayern, Waren für Sachsen und Brandenburg, wohin die Radeburger liefern. Bernd Häger: "So sind die Fahrer früh wieder zu Hause. Gewechselt wird wöchentlich zwischen Tages- und Nachtarbeit."

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Bei jedem Kauf weltweit ist die Logistikfirma Dachser irgendwo zwischendrin. Vom Leberkäse bis zur Farbe wissen die Logistiker schon, was wann wo verkauft werden soll. Allein in Radeburg sind es jeden Tag 2.000 Tonnen die rein- oder rausgehen. 200 Fahrer transportieren die Waren. "Wir könnten sofort weitere zehn Mitarbeiter einstellen", sagt Bernd Häger, freut sich aber erstmal über die motivierten neuen Azubis.

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