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Der letzte Astronomielehrer

Gerhard Hentschel hat das Fach in Weinböhla unterrichtet, bevor es 2007 abgeschafft wurde - am neuen Gymnasium soll es wieder auf dem Lehrplan stehen.

„Mir hat der Unterricht Spaß gemacht“ - Gerhard Hentschel, der ehemalige Astronomielehrer von Weinböhla.
„Mir hat der Unterricht Spaß gemacht“ - Gerhard Hentschel, der ehemalige Astronomielehrer von Weinböhla. © Norbert Millauer

Was gibt es zu sagen? „Ich bin sechsundachtzigeinhalb, habe im Sommer einen Schlaganfall gehabt, hatte Glück und stehe jetzt vor Ihnen.“ Gerhard Hentschel war bis 1999 Lehrer an der jetzigen Oberschule in Weinböhla. Er hatte dort 1959 als Lehrer für Geografie und Mathematik angefangen. „Und weil sie keinen hatten, bin ich auch der Musiklehrer geworden.“

Die Musik ist seine große Passion. „Weil nichts los war im Dorf, habe ich 1965 den Schulspielmannszug gegründet.“ Nach der Wende ist daraus der Familienspielmannszug geworden, und Gerhard Hentschel hofft, dass er bald wieder spielen kann.

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Zu den drei Fächern, die er unterrichtete, kam bald noch ein viertes hinzu: Astronomie. „Ich habe mir das Fach selber angeeignet“, erzählt er. Dass es jetzt in Sachsen im Fach Physik mit drei Unterrichtsstunden aufgegangen ist, findet nicht sein Verständnis. „Da kommen die Schüler gerade einmal bis zum Planetensystem, das hatte ich als zehnjähriger Junge drauf.“ Als er noch an der Schule in Weinböhla unterrichtete, fanden sich immer einige Interessierte, die mehr wissen wollten. Für sie baute Gerhard Hentschel in seinem Garten ein Fernrohr auf. Er erzählt von einem „wunderbaren Mitstreiter“, von Alex Naumann, dessen Söhne an der Schule waren und sich für Astronomie interessierten. Der Vater arbeitete im Dresdner Zoo. „Und als wir uns mit dem Sternbild Schlange befassten, hat er eine mitgebracht.“ Gerhard Hentschel wollte die Astronomie nicht nur für die Schüler der 10. Klasse, wo sie Unterrichtsfach war, erlebbar machen, sondern für alle Kinder. Deshalb „wurde im Herbst das Fernrohr auf dem Schulhof aufgestellt und wer wollte, konnte einmal durchschauen“. Den Reiz für die Schüler der 10. Klasse sieht er darin, dass es ein vollkommen neues Fach war. Er gestaltete seinen Unterricht so, dass in jeder Stunde ein Thema abgeschlossen war. Dass er damit ankam, zeigt die Tatsache, dass sich nach der Wende 80 Schüler zur mündlichen Prüfung in Astronomie meldeten. „Mir hat der Unterricht Spaß gemacht“, lautet sein Fazit. Und: „Ich bin dafür, dass das Fach in Sachsen wieder in den Lehrplan aufgenommen wird.“

Das Modell zeigt das geplante Gymnasium an der Köhlerstraße 53. Über dem Eingangsbereich ist die Kuppel für die Sternwarte zu sehen.
Das Modell zeigt das geplante Gymnasium an der Köhlerstraße 53. Über dem Eingangsbereich ist die Kuppel für die Sternwarte zu sehen. © Rahn Education

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