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App für ansteckungsfreien Überall-Eintritt

Radebeuler finanziert eine Entwicklung, mit welcher jeder Getestete für einen Tag in Gaststätten, Kino, Läden kann. Die Idee kam von einem Turnstar aus Chemnitz.

Der Chemnitzer Kunstturner Andreas Bretschneider zeigt auf seinem Handy die App, mit der ansteckungsfreier Eintritt möglich sein kann.
Der Chemnitzer Kunstturner Andreas Bretschneider zeigt auf seinem Handy die App, mit der ansteckungsfreier Eintritt möglich sein kann. © privat

Radebeul/Dresden/Chemnitz. Das wäre doch fantastisch: Ab sofort wieder frei in einem Laden einkaufen, ins Fitnessstudio, ins Kino, in ein Theater gehen. In Chemnitz gibt es dafür nicht nur eine gute Idee, sondern eine schon entwickelte App, die auf einem Web-Hintergrund basiert. Der Radebeuler Besitzer der Friedensburg, Oliver Kreider, hat die Entwicklung wesentlich mit einem sechsstelligen Betrag mitfinanziert.

Auf die Idee ist der Chemnitzer Kunstturner Andreas Bretschneider gekommen. Bretschneider ist nicht nur ein hervorragender Athlet, der sich gerade auf die Tokio-Olympiade vorbereitet. Der Sportsoldat ist auch zweiter Geschäftsführer des Chemnitzer „Feel Good Clubs“, einem Zentrum, in dem sich ein Fitnessstudio, eine Wellnessanlage, eine Gaststätte und ein Hotel befinden. Bretschneider hat also allererstes Interesse, dort wieder Besucher und Gäste zu empfangen.

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Der 31-Jährige: „Ich als Sportler möchte, dass Sportveranstaltungen besucht werden können. Das Gleiche gilt ja auch für die Kultur und das tägliche Leben über den Supermarkteinkauf hinaus. Nur, es muss sicher sein. Wir haben ein funktionierendes System entwickelt, welches einen Antigen-Test mit einer App verbindet.“ Das Wesentliche daran ist, dass nach einem Antigen-Test der Negativ-Getestete in einem Fenster von zwölf bis 24 Stunden kein Überträger von Viren ist. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Demzufolge könnten alle, die einen solchen Test gemacht haben, ohne Probleme in einem Geschäft, einem Fitnessstudio, einer Sauna, einem Theater innerhalb dieser Zeit zusammenkommen. Der sogenannten Green Zone, dem ansteckungsfreiem Raum.

Damit die ganze Sache auch wirklich sicher und nachweisbar ist, kommt die App, hinter der eine Netzwerkadresse steckt, ins Spiel. Der Negativ-Getestete registriert sich mit seinen Ausweisdaten auf der App. Dann erhält er einen QR-Code. Dieser QR-Code ist dann praktisch für die definitive Nichtansteckungszeit der Zutritt überall dort, wo man sonst derzeit nicht rein darf.

Auf dem System wiederum wären die Gaststätten, Läden usw. registriert und berechtigt, den QR-Code jedes Gastes und Kunden zu scannen - der Eintritt ohne Ansteckungsgefahr. Bretschneider: „Daran dürften viele Gewerbetreibende Interesse haben.“

QR-Code als Eintrittskarte

Bretschneider in seinem eigentlichen Metier. Der Bundeswehrsoldat gehört zur Nationalmannschaft und bereitet sich auf die Olympiade in Tokio vor.
Bretschneider in seinem eigentlichen Metier. Der Bundeswehrsoldat gehört zur Nationalmannschaft und bereitet sich auf die Olympiade in Tokio vor. © nordphoto

Das System der App wiederum ist so programmiert, dass nach Ablauf der sicheren Nichtansteckungszeit der Zutrittscode für Gaststätten, Läden, Theater endet, also nicht mehr funktioniert. Voraussetzung ist auch, dass der Schnelltest an einer zugelassenen Station durchgeführt wurde. Allein privat selbst getestet gilt nicht. Denn da könnten ja Manipulationen durchgeführt werden. Bretschneider: „Wir haben für unsere Entwicklung IT-Spezialisten, Juristen und Ärzte mit dabei.“ Leute, die die ganze Entwicklung, wie auch der Radebeuler Oliver Kreider, mitfinanziert und unterstützt haben.

Oliver Kreider: „Das Geld habe ich nicht gegeben, um daran etwas zu verdienen, sondern weil es eine gute Idee ist, die uns allen in dieser Zeit helfen und Mut machen kann.“ Auch Bretschneider betont, dass damit Corona keinesfalls besiegt sei. Selbst wenn viele Menschen geimpft sind, sei ja immer noch nicht sicher, ob sie weiter Überträger von Viren sind. Deshalb sieht er in dem entwickelten System etwas, was für längere Zeit - auch über die sogenannte Herdenimmunität hinaus - genutzt werden kann.

Zumal ja auch mit jedem Scan des QR-Codes nachvollziehbar ist, wo jemand gewesen ist. Also auch keine Zettelausfüllerei mehr mit Telefonnummer und Adresse zum Nachverfolgen. Allerdings ist es keine GPS-Nachverfolgung, sondern nur der Besuch des jeweiligen Geschäfts oder der Gaststätte, betont Bretschneider zum Datenschutz.

Brauchen die Unterstützung der Politik

Um die App mit dem QR-Code wirklich bald anwenden zu können, müssten allerdings die Entscheider in der Politik einiges dafür tun. Andreas Bretschneider: „Zuerst müsste in den Landesverordnungen diese Möglichkeit mit eingefügt werden. Etwa in dem Sinne, alles bleibt zu oder deutlich beschränkt, es sei denn mit geprüftem Test.“ Dies müssten dann auch die jeweiligen Gesundheitsämter in den Städten und Kreisen in ihren Verordnungen aufnehmen und zulassen.

Der Chemnitzer und seine Unterstützer waren seit der Entwicklung des Systems nicht untätig, damit die App auch wirklich bald angewendet werden kann. Sie haben ihr System bereits vorgestellt - bis hinauf in die Sächsische Staatskanzlei. Doch von dort kommt bislang keine Reaktion. Andreas Bretschneider: „Das alles hat aber nur einen Sinn, wenn wir wirklich breite und vor allem politische Unterstützung bekommen.“

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Der in Radebeul lebende Dresdner Gastronom Gerd Kastenmeier ist von der App ebenfalls begeistert und will die Entscheider davon überzeugen. Diese Woche noch hat er gemeinsam mit Andreas Bretschneider einen Termin beim Dresdner OB Dirk Hilbert. Investor Oliver Kreider dazu: „Es geht ja hier überhaupt nicht ums Geschäft. Es geht rein um Lösungen in dieser Corona-Situation. Und: Es hat auch nicht so viele Millionen gekostet, wie die wenig praktikable Corona-App des Bundes.“

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