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Die Not mit der Notbetreuung

Kitas und Schulen sind im Kreis Meißen ab Montag zu. Städte und Gemeinden hatten bis Freitagnachmittag nur vorläufige Infos. Wie es laufen soll.

Das evangelische Kinderhaus am Anger in Kötzschenbroda mit Carl, Johann, Irene, Betreuerin Gerda Rudroph und Leneke (von rechts). Wer ab Montag noch betreut werden kann, hängt vom Beruf der Eltern ab.
Das evangelische Kinderhaus am Anger in Kötzschenbroda mit Carl, Johann, Irene, Betreuerin Gerda Rudroph und Leneke (von rechts). Wer ab Montag noch betreut werden kann, hängt vom Beruf der Eltern ab. © Matthias Schumann

Radebeul/Meißen/Coswig/Weinböhla. Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) ist verärgert. Es ist immer noch nichts beschlossen, sagt sie am Donnerstag. Es gibt nur vorläufige Listen und die Eltern rufen bei uns an, ob sie denn am Montag ihre Kinder in der Kita abgeben können.

Eine verworrene Lage. Sachsens Regierung informiert am Dienstag die Öffentlichkeit, dass ab dem kommenden Montag Kitas und Schulen schließen sollen. Viele Eltern gehen aber noch zur Arbeit. Das Kind zu Opa und Oma bringen, davon rät jeder dringend ab. Kita-Leiter wollen die Eltern informieren, wissen aber noch nichts Genaues. Der abschließende Beschluss soll erst am Freitagnachmittag gefasst werden.

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Immerhin: Am Donnerstagnachmittag entdecken findige Kitaleiterinnen auf der Seite der Landesregierung eine Liste mit den sogenannten systemrelevanten Berufen. Die ist ähnlich der vom Frühjahrs-Lockdown abgefasst. Dazu gehören: Berufe zur Sicherstellung der öffentlichen Ordnung wie Polizei, Gericht, Feuerwehr; Berufe aus der öffentlichen Infrastruktur und Versorgung – etwa Telekommunikation, Energieversorgung, Wasserversorgung. Aber hier nur das zwingend notwendige Personal; Berufe aus Ernährung und Waren des täglichen Bedarfs wie Verkäuferinnen und Logistikunternehmen; Gesundheitsversorgung und Pflege, mit zum Beispiel Krankenschwestern, ambulanten Pflegediensten, und auch bei Bildung und Erziehung soll es nur das zwingend notwendige Personal sein. Systemrelevant müssen beide Eltern sein, mit den Ausnahmen alleinstehend oder nach intensiven Bemühungen keine andere Betreuung gefunden.

Eine alleinstehende Mutter mit mehreren Kindern, die im Logistikunternehmen Dachser in Radeburg einen großen Lkw fährt und jetzt dringend gebraucht wird, hatte sich in ihrer Not bis Donnerstag bei Bekannten umgehört, ob sie dort ihre Kinder abgeben kann. Jetzt wird sie informiert, dass sie sie zur Kita bringen kann.

Elternbrief heißt das bei den meisten Kitas, mit dem den Eltern Wichtiges mitgeteilt wird. An diesem Freitag hat beispielsweise Anne-Katrin Bretschner, die Leiterin des evangelischen Kinderhauses in Radebeul-Kötzschenbroda, an die Eltern eine Mail mit dem Link zu den systemrelevanten Berufen samt dem Formular zur Bestätigung vom Arbeitgeber geschickt.

Die Leiterin, in deren Kita normalerweise 90 Kinder zwischen drei und zehn Jahren gebracht werden: „Wenn die Eltern mir das unterschriebene Formular erst am Montagnachmittag mitbringen, dann geht das auch.“ Mit der Küche, aus der das tägliche Essen kommt, sei abgesprochen worden, dass die Bestellung der aktuellen Situation angepasst werden könne. Anne-Katrin Bretschner: „Im Frühjahr hatten wir noch 15 bis 20 Kinder zu betreuen. Danach wird sich auch richten, wie viele Betreuer wir brauchen.“

Ähnlich geschieht das bei der Kita Riesenzwerge der Kinderarche in Radebeul. Am Freitagmorgen bekamen die Eltern den Hinweis, auf der Homepage der Kita nachzuschauen. Die Leiterin hat dort ein Formular hinterlegt, wo die Eltern eintragen sollen, ob sie ihr Kind bringen werden. Neun städtische Kita-Einrichtungen hat die Stadt Radebeul, 21 werden von freien Trägern betrieben.

Eine der Großen für den gesamten Kreis Meißen ist die Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen mit 13 Kindertageseinrichtungen (Kitas und Horte): sechs in Radebeul, eine in Coswig, drei in Weinböhla, zwei in Meißen und eine in Moritzburg.

Für den angekündigten Lockdown ab Montag laufen im Regionalverband Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen bereits die Vorbereitungen für die Notbetreuung in den Kitas und Horten. Die Einrichtungen planen grob das Personal und orientieren sich an der Liste der systemrelevanten Berufe vom Frühjahr, so Vorstand Sven Krell.

Feste Erzieher-Teams werden feste Kindergruppen betreuen. Der Regionalverband möchte versuchen, jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die der Risikogruppe angehören, bei der Dienstplanung auszuklammern.

Die Verpflegung in den Einrichtungen läuft voraussichtlich bis Dienstag noch normal weiter. Wenn dann die genaue Zahl der Kinder in Notbetreuung feststeht, wird der Regionalverband entscheiden, wie es mit der Belieferung durch Fremdversorger und die vereinseigene Kita-Küche in Radebeul auf der Nizzastraße weitergeht.

In der Meißner Kita "Hand in Hand" informieren Aushänge über die bevorstehende Schließung und Notbetreuung der Kinder. Kita-Leiterin Marita Benz hat die Eltern gebeten, den Betreuungsbedarf anzuzeigen.
In der Meißner Kita "Hand in Hand" informieren Aushänge über die bevorstehende Schließung und Notbetreuung der Kinder. Kita-Leiterin Marita Benz hat die Eltern gebeten, den Betreuungsbedarf anzuzeigen. © Claudia Hübschmann

Ein Aushang informiert in der Meißner Kita "Hand in Hand" alle Eltern der 145 Kinder über die bevorstehende Notbetreuung. Darin werden die Eltern auch gebeten, den Bedarf zur Notbetreuung anzuzeigen, wie die Leiterin der von der Lebenshilfe Meißen e.V. betriebenen Kita Marita Benz informiert.

"Ich wünschte mir, dass die Politik die Fäden ein bisschen anders spannen würde", sagt Marita Benz mit dem Blick darauf, dass wohl erst am Freitagnachmittag alle Details zu Kita-Schließungen und Ausnahmeregelungen durch die Staatsregierung bekannt gemacht werden. Über den Verein hat sie sich bereits Formulare zur Bestätigung der Systemrelevanz der einzelnen Berufsgruppen besorgt. Die kann sie ihren Mitarbeiterinnen ausstellen, die am Montag ein solches Papier ja ebenfalls in den Kitas ihrer Sprösslinge vorlegen müssen. Und vielleicht auch manchen der Eltern ihrer Kita damit aushelfen. Wenn einzelne Eltern am Montag noch keine Erklärung ihrer Arbeitgeber vorlegen, dann könne dieser Zettel im Laufe des Tages noch nachgereicht werden.

Da die Kita "Hand in Hand" über eine eigene Küche verfügt, kann sie bei der Essenversorgung flexibel reagieren. Der Speisplan für den Montag wurde umgeworfen – es gibt Spaghetti mit Tomatensoße. So lässt sich am flexibelsten auf die Zahl der dann anwesenden Kinder reagieren.

"Wie im Frühjahr arg kurzfristig" nennt Alexander Rost den Zeitraum, der bleibt, um die Notbetreuung zu organisieren. Der stellvertretende Leiter des katholischen Franziskus-Kinderhauses im Meißner Triebischtal wird an diesem Wochenende E-Mails an alle Eltern der 63 Kinder schreiben und sie über die Voraussetzungen für die Notbetreuung informieren. Und er hofft, dass sich darin alle offenen Fragen klären lassen können.

Für die Notbetreuung in den Schulen, so Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos), der zugleich Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages ist, sind – wie im Frühjahr – die Grundschullehrer in den Horten zuständig.

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An der Freien Werkschule in Meißen sind bereits am Mittwoch die Eltern aller 132 Kinder angeschrieben und gebeten worden, den Bedarf für eine Notbetreuung anzuzeigen, die den Hort besuchen, informiert Geschäftsführerin Dorothee Finzel. Aus der Erfahrung des Frühjahrs-Lockdowns weiß sie, dass viele Eltern ihrer Schüler auch nach individuellen Lösungen suchen, um die Kinder außerhalb des Hortes zu betreuen. An der Freien Werkschule in Meißen werde man sich an die Empfehlung von Kultusminister Christian Piwarz halten, der für die ersten beiden Tage der kommenden Woche um "kulante Regelungen" gebeten hatte.

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