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Drei Gemeinden schließen sich zusammen

Seit 1. Januar gibt es das neue Kirchspiel Coswig-Weinböhla-Niederau. Die Pfarrer sehen das auch als Chance.

Sehen dem neuen Kirchspiel mit Zuversicht entgegen: Pfarrer Christoph Gutsche von der Coswiger Peter-Pauls-Kirche (l.) und Pfarrer Norbert Reißman von der St.-Martins-Kirchgemeinde Weinböhla.
Sehen dem neuen Kirchspiel mit Zuversicht entgegen: Pfarrer Christoph Gutsche von der Coswiger Peter-Pauls-Kirche (l.) und Pfarrer Norbert Reißman von der St.-Martins-Kirchgemeinde Weinböhla. © Norbert Millauer

Coswig/Weinböhla/Niederau. Zusammenschluss zum Kirchspiel nennen es die Strukturverantwortlichen in der evangelischen Landeskirche, was ab diesem Jahr für Coswig, Weinböhla und Niederau gilt. Doch es geht keineswegs um ein Spiel, wenn sich drei Gemeinden zu einer Organisation zusammenschließen. Warum heißt das so, was bedeutet die bisher größte Veränderung seit der Wende für die Pfarrer und die Gemeindeglieder?

Warum sich die drei Gemeinden zusammenschließen

Die neue Struktur ist notwendig, weil die Zahl der Gemeindemitglieder (die Kirche sagt Glieder) weiter schrumpft, womit die Einnahmen aus der Kirchensteuer abnehmen, wovon letztlich auch die Stellen von Pfarrern, Kantoren, Gemeindepädagogen und weiteren Mitarbeitern bezahlt werden. Die evangelische Landeskirche in Sachsen hatte 1949 sieben Millionen Gemeindeglieder. Heute sind es rund 700.000. Im Jahr 2060 wird mit nur noch 350.000 Gliedern gerechnet.

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„Wir verlieren jedes Jahr“, sagt Pfarrer Norbert Reißmann von der St.-Martins-Kirchgemeinde Weinböhla. „Es sterben mehr Menschen, als geboren werden, und es treten auch mehr aus, als eintreten.“ Seit 2014 ist die Gemeinde so von 1.700 auf 1.590 Glieder geschrumpft. Etwas sanfter verlaufe die Kurve der Schrumpfung in seiner Gemeinde, erklärt Christoph Gutsche, der Pfarrer der Coswiger Peter-Pauls-Kirche, denn Coswig ist Zuzugsgebiet.

Das habe die Landeskirche auch bewogen, anders als in anderen Regionen, mit dem neuen Kirchspiel aus den drei Gemeinden ein verhältnismäßig kleines Gebiet zusammenzufassen, so Pfarrer Norbert Reißmann. Immerhin rund 5.000 Christen sind hier organisiert. Wobei es in den zum neuen Kirchspiel gehörenden Gemeinden in Gröbern, Großdobritz und Niederau so gut wie keine Kirchenaustritte gebe.

Die evangelische Kirche in Sachsen stellt in Städten auf etwa 2.000 Mitglieder in der Gemeinde eine Pfarrstelle. Auf dem Land können es auch weniger sein. Für die insgesamt 5.000 Gemeindeglieder im neune Kirchspiel Coswig-Weinböhla-Niederau stehen vier Pfarrer für drei volle Pfarrstellen zur Verfügung.

Es gibt einen neuen Kirchenvorstand im Kirchspiel

Strukturveränderungen in der Kirche haben oft auch zu Frustration geführt, vor allem, wenn sie in kurzen Abständen geschehen sind. „Jeder identifiziert sich schließlich mit seinem Kirchturm“, so hat es die Pfarrerin der benachbarten Friedenskirchgemeinde Radebeul, Annegret Fischer, auf den Punkt gebracht. Das trifft auch auf Coswig zu. „Es gibt die große Sehnsucht, dass das kirchliche Leben so bleibt“, erklärt Pfarrer Christoph Gutsche. „Es geht nicht darum, den Gemeinden ihren Pfarrer wegzunehmen, sondern sich auszutauschen“, ergänzt Norbert Reißmann.

Er wird dem neuen Kirchspiel als Pfarramtsleiter vorstehen. Zwar hat die Coswiger Gemeinde mehr Glieder und das Pfarramt Weinböhla wird eine Außenstelle des zentralen Kirchspielpfarramtes in Coswig, aber Norbert Reißmann bringt von seiner vorangegangenen Pfarrstelle im Erzgebirge schon Fusionserfahrungen mit. Er weiß, dass „das Mitnehmen der Leute eine Aufgabe ist, die uns viele Jahre beschäftigen wird“. Er sieht darin nicht nur eine anspruchsvolle Aufgabe, sondern auch eine, die mit Gewinn gelöst werden kann: „Ich sehe es als großen Mehrwert an, dass wir über unseren Tellerrand schauen werden“.

Der erste Schritt auf diesem Weg ist am Dienstag gegangen worden. Da haben sich in einer Videokonferenz die 16 Mitglieder des neuen Vorstandes erstmals in einer Videokonferenz zusammengeschaltet. Die richtige Wahl des neuen Kirchenvorstandes wird stattfinden, sobald es ein richtiges physisches Zusammentreffen geben kann. Dann soll auch das eigentlich für den 3. Januar in der Börse Coswig geplante Fest zur Kirchspielgründung nachgeholt werden.

Worin die Vorteile des neuen Kirchspiels liegen können

Die Neugründung der Kirchspiele ist nicht die erste Reform, die die Landeskirche seit 1990 gezwungenermaßen durchgeführt hat. Nun sollen die neuen Strukturen mindestens bis 2040 Bestand haben und den Gemeindegliedern und Mitarbeitern Sicherheit geben. Zu den Vorteilen rechnet Pfarrer Norbert Reißmann die Entlastung er bisherigen Kirchenvorstände. „Sie müssen sich nicht mehr oder viel weniger um Bau-, Finanz- und Personalangelegenheiten kümmern“, gewinnen so Zeit für die eigentliche Glaubensarbeit.

Von Vorteil ist auch, dass sich die Pfarrer - neben Christoph Gutsche und Norbert Reißmann gehören Matthias Quentin von der Kirchgemeinde Brockwitz-Sörnewitz und Philipp Frank von der Gemeinde Niederau dazu - nun gegenseitig ersetzen und Gottesdienste halten können. Auch die Bündelung der Verwaltungsaufgaben im Coswiger Pfarramt soll Einsparungen an Geld und Zeit bringen. Und: „Ich denke, dass wir einen schlagkräftigeren Haushalt haben werden - eine kleine Gemeinde mit 130 Gliedern kann keinen Kirchturm sanieren“, so Pfarrer Norbert Reißmann.

Was den Namen des neuen Kirchspiels betrifft, so gibt es noch keine Festlegungen. Vielleicht bleibt es ja beim jetzigen Namen Coswig-Weinböhla-Niederau. „Unsere drei Orte gehen ineinander über, insofern verbindet uns schon jetzt viel“, erklärt Pfarrer Norbert Reißmann. Was ein gemeinsames Logo betrifft, so gebe es Überlegungen, sagt Pfarrer Christoph Gutsche. „Aber wir müssen uns erst noch besser kennenlernen.“ Die aktuelle Situation fasst Norbert Reißmann so zusammen: „Wir sind neugierig aufeinander.“

  • Übrigens, die neue Website des neuen Kirchspiels ist hier zu finden.

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