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Drin im Brandhaus

In Radeburg hat es Mitte September einen verheerenden Brand gegeben. Wie der Besitzer des Hauses mit den Schäden umgeht und es wieder herrichten will.

Von Peter Redlich
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Das Haus am Markt 11 in Radeburg: Verkohlte Balken, ausgeglühtes Fensterglas.
Das Haus am Markt 11 in Radeburg: Verkohlte Balken, ausgeglühtes Fensterglas. © Norbert Millauer

Radeburg. Viel reden, schon gar nicht über den Brand in seinem Haus, ist nicht die Sache von Mario Zeidler. Der Radeburger Tischlermeister hat genug zu tun mit seiner Firma samt 30 Mitarbeitern, um die Fensterbauaufträge, gestiegene Holzpreise und vieles andere zu bewältigen. Doch er steigt einmal mit uns die Treppen durchs Haus am Radeburger Markt 11 hinauf, um zu zeigen, was hier Mitte September passiert ist. Was Feuer und Löschwasser angerichtet haben und was inzwischen schon an Aufräumarbeit verrichtet wurde.

Es war Freitagabend, der 10. September. 22.25 Uhr schrillte bei den Feuerwehrleuten der Umgebung der Alarm. Die ersten Kameraden vor Ort waren die aus Berbisdorf. Marcus Mambk, der Radeburger Wehrleiter damals: „Die Kameraden konnten noch durchs Treppenhaus nach oben gelangen. Doch als sie in der obersten Etage die Tür zur Wohnung öffneten, schlugen ihnen schon die Flammen entgegen. Das Feuer hatte sich bereits vollends in der Wohnung im Dachgeschoss ausgebreitet.“

Zu dem Haus gehören das Erdgeschoss mit dem Schreibwaren- und Kopiergeschäft, die erste, die zweite Etage und das Dachgeschoss. Es sind drei Wohnungen mit einzelnen Bewohnern, ein Ehepaar und eine Familie mit zwei Kindern hatten dort ihr Zuhause. Bis in die Nacht haben die Feuerwehrleute vom Freitag zu Sonnabend Mitte September gelöscht. Etwa 100 Kameraden aus Radeburg und Umgebung waren im Einsatz.

Hier hat Mitte September der Dachstuhl gebrannt. Die Bewohner konnten sich gerade noch retten.
Hier hat Mitte September der Dachstuhl gebrannt. Die Bewohner konnten sich gerade noch retten. © Arvid Müller

Ein Akku ist explodiert

Mario Zeidler steigt die letzten Stufen hinauf ins Dachgeschoss. Eine Holzrutsche für Bauschutt ist hier angebracht. Er zeigt Fotos auf seinem Handy, wie es hier unmittelbar nach den Löscharbeiten aussah. Die Dachbalken in der großen Gaube zum Markt hin sind verkohlt. Das noch nicht herausgebrochene Fensterglas braun-gelb geglüht.

Die Zwischenwände, welche die Wohnung in Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche aufteilten, sind inzwischen herausgetrennt. Anschlüsse und zwei Wasseruhren deuten noch darauf hin, wo die Küche war. Der Hausbesitzer zeigt auf eine Ecke: „Hier war der Abstellraum. Von hier ist das Feuer ausgebrochen. Die Polizei hat festgestellt, dass es ein explodierter Akku für einen Staubsauger war, von dessen Hitze die Flammen ausgegangen sind.“

An dem Brandabend war der Mann des Ehepaars gerade zu Bett gegangen, die Frau noch wach. Aufgeschreckt, haben beide noch versucht, mit einem kleinen Handfeuerlöscher gegen die Flammen anzugehen. Vergeblich. Sie mussten sich schleunigst aus dem Haus retten und auch alle anderen in den Wohnungen alarmieren.

Unter der Abstellkammer und einigen anderen Stellen ist der Fußboden bis auf die tragenden Balken geöffnet. Die Balken sind heil geblieben, aber alles andere darüber musste raus. Der Betonestrich, die Fließen, der Fußbodenbelag, die Dämmung, ein Teil der Dielen. Vier Wochen lang haben zwei Mann hier alles entkernt, sagt Zeidler. Unten im Hof stehen Küchengeräte, eine Waschmaschine, deren Armaturen in der Hitze geschmolzen sind. Fußbodenlaminatbretter stapeln sich. Abfallcontainer stehen bereit.

Von der Dachgeschosswohnung, wo der Brand ausgebrochen ist, blieb nichts mehr übrig.
Von der Dachgeschosswohnung, wo der Brand ausgebrochen ist, blieb nichts mehr übrig. © Norbert Millauer
Das war mal eine Waschmaschine - aus der Brandwohnung.
Das war mal eine Waschmaschine - aus der Brandwohnung. © Norbert Millauer

Vor etwa 20 Jahren hatten die Besitzer, das seit etwa 100 Jahren bestehende Haus saniert. Die Wohnungen sind offenbar gefragt. Leerstand habe es eigentlich nicht gegeben. Wenn mal in den Single-Wohnungen jemand ausgezogen ist, habe dieser meist schon den Nachmieter wieder mitgebracht.

Jetzt sind auch die Wohnungen in den Stockwerken unter dem Dachgeschoss unbewohnbar. Das Löschwasser ist in die Zwischendecken eingedrungen. Schimmel hat sich an den Wänden gebildet. Eine Totalsanierung ist notwendig. Mario Zeidler spricht von einem mittleren bis hohen sechsstelligen Betrag, den er aufwenden muss. Die Versicherung zahlt wohl, aber die Rennerei und das Bemühen um Handwerker und Material, das belastet den Hausbesitzer zusätzlich zum Schrecken.

Für die Hausbewohner, die plötzlich in der Nacht ihre Wohnungen verlassen mussten, hat die Stadt eine Spendenaktion organisiert. Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos), die auch gleich in der Brandnacht vor Ort war, sagt, dass von den Bürgern der Stadt 7.090 Euro gespendet wurden. Das Geld ist, nach Anzahl der Bewohner und der Schwere der Betroffenheit, ausgezahlt worden.

Bürger der Stadt haben gesammelt

Eine der Bewohnerinnen sagt, dass sie gerne wieder einziehen würde. Sie ist bei freundlichen Radeburgern in deren Ferienwohnung untergekommen. Sie müsste nur wissen, wann sie denn wieder rein könnte. „Die Lage ist gut. Vieles lässt sich von hier zu Fuß erledigen. Ich habe gerne hier gewohnt“, sagt sie.

Das Brandhaus, wie inzwischen einige Radeburger sagen, wird wieder hergerichtet, wieder gut bewohnbar gemacht. Das versichert Mario Zeidler. 600 Quadratmeter Wohnfläche mit dem Laden sind es. Er hat sich auch ein Ziel gesetzt, so die Handwerksgewerke mit Zeit und Material dies schaffen: April/Mai nächstes Jahr. Die Baugenehmigung ist gerade eingereicht. Die Stadt und das Landratsamt, die ihre Unterschriften drunter setzen müssen, wollen sich um Tempo bemühen.

Die Bauarbeiten haben begonnen - vorerst das Beräumen aus den Etagen.
Die Bauarbeiten haben begonnen - vorerst das Beräumen aus den Etagen. © Norbert Millauer