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Droht jetzt das große Winterhochwasser?

Die Hydrologen in Sachsen und Tschechien haben Berechnungsmodelle. Die Talsperrenverwaltung rüstet sich.

Flutmüll vom Hochwasser vor einer Woche an der Dampferanlegestelle in Radebeul-Kötzschenbroda. Der Elbepegel stagniert derzeit bei unter drei Metern. Die Gründe für nicht mehr Abfluss liegen im Tschechischen.
Flutmüll vom Hochwasser vor einer Woche an der Dampferanlegestelle in Radebeul-Kötzschenbroda. Der Elbepegel stagniert derzeit bei unter drei Metern. Die Gründe für nicht mehr Abfluss liegen im Tschechischen. © Norbert Millauer

Radebeul/Meißen/Riesa. Gerade noch haben wir uns im tiefen Schnee gefreut. Doch binnen weniger Tage soll es Frühlingstemperaturen geben. Über Holland wechselten die Temperaturen von minus 14 Grad auf plus 14 Grad. Das Wetter zieht zu uns. Bringt uns der tauende Schnee aus den Berglagen ein Mega-Winterhochwasser? Die SZ hat mit Karin Bernhardt, Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, und Eckehard Bielitz, Leiter des Fachbereiches Wasserwirtschaft bei der Landestalsperrenverwaltung gesprochen.

Bekommen wir bis Ende der Woche Pegelstände der Elbe im Flutbereich?

„Ganz schwer vorauszusagen“, sagt Eckehard Bielitz. Als Gründe nennt er dafür den Wasserstand in den tschechischen Talsperren. Die seien in den letzten Tagen alle erheblich abgelassen worden. Eben in der Vorausschau auf viel Wasserabfluss. Bielitz: „Bekommen wir nur einstellige Temperaturen und ganz wenig Regen, dann könnte alles moderat verlaufen.“Die Hydrologen beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beobachten die Situation ebenfalls sehr genau. Für sie ist eine wichtige Größe das Wasseräquivalent, welches im vorhandenen Schnee liegt. Die letzte Zusammenfassung aus der vorherigen Woche - nach den ergiebigen Schneefällen - besagt, dass für die Elbe 21 Millimeter bereitliegen. Das entspricht 21 Litern je Quadratmeter an Niederschlag. Karin Bernhardt: „Richtig viel Schnee hatten wir beispielsweise im Jahr 2006. Damals machte das Wasseräquivalent 90 Millimeter aus.“ 2002 kamen auf einmal zwischen Dresden und Meißen 60 Liter auf den Quadratmeter herunter.

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Warum ist in den letzten Tagen der Elbepegel kaum gesunken?

In den letzten Tagen ist der Pegel der Elbe, gemessen in Dresden/Radebeul, nur um ein bis zwei Zentimeter gesunken. Nachdem der Wasserstand von über vier Metern zügig Richtung drei Meter, mit dem großen Abfluss von bis zu 1.000 Kubikmeter je Sekunde, gesunken ist, stagniert es jetzt. Die Vorausschau zeigt auch, dass dies in den nächsten Tagen so bleibt. Die Elbe also bei knapp unter drei Metern Pegel Dresden steht. Aus der Landestalsperrenverwaltung heißt es, dass dies genau mit dem Ablassen der Talsperren in den böhmischen Gebieten zusammenhängt. An Moldau und im Egergebiet, Zuflüsse für die Labe/Elbe, sei Entlastung geschaffen worden, bestätigt auch Karin Bernhardt.Die Wassermengen in der Elbe werden maßgeblich durch die Steuerung in den Talsperren beeinflusst, so Eckehard Bielitz.

Was bringen Nebenflüsse an Wasser in die Elbe, wird das eine Gefahr?

Grundsetzlich ist die Elbe in Deutschland Hochwasserabflussgebiet. Entstehungsgebiet für Hochwasser der Elbe sind die Bereiche in Tschechien, so Bielitz. Wenn aus dem Osterzgebirge etwas zufließen würde, dann mache das so gut wie gar nichts aus. Obendrein sind die Talsperren im Erzgebirge immer noch nicht wieder vollständig gefüllt. Bielitz und Bernhardt sagen: Wenn jedoch auf tschechischem Gebiet etwas reguliert wird, dann merken wir das mit wenigen Stunden Abstand sofort und es überlagert alles andere.

Nebenflüsse wie die Triebisch und die Weißeritz haben ebenfalls erhöhte Wasserstände. Allerdings sind diese - etwa bei der Weißeritz - in den letzten Tagen von knapp unter einem Meter wieder auf 64 Zentimeter gesunken. Bielitz: „Als die Elbe 2013 im Abfluss 4.700 Kubikmeter je Sekunde hatte, waren es bei der Weißeritz ungefähr 400 Kubikmeter je Sekunde. Also maximal ein Zehntel der Wassermenge.“ Außerdem gibt es im Lauf der Weißeritz das Rückhaltebecken Niederpöbel und die Talsperre Malter. Davon komme ein wenig erhöhter Abfluss, was die Elbe nur geringfügig ansteigen lasse. In der letzten Woche sei etwas Wasser abgelassen worden - schon in der Vorausschau auf das Tauwetter.

An allen Talsperren und deren Einzugsgebieten werden die Schneehöhen täglich gemessen. Davon abhängig wird die jeweilige Wassermenge berechnet, die einfließen kann, so die Landestalsperrenverwaltung.Die Fachleute betrachten bei der Elbe vor allem den Wasserabfluss, welcher sich darauf auswirkt, wie weit sich der Fluss ausbreiten muss, also Hochwasser entsteht. Derzeit liegt dieser bei etwa 500 Kubikmeter je Sekunde.

Wie stimmen sich die deutschen Hydrologen mit Tschechien ab?

Die deutschen Fachleute, so Karin Bernhardt, bekommen täglich aus dem Nachbarland Meldungen zur Situation in den Flüssen und Einzugsgebieten. „Wir arbeiten eng mit dem dortigen hydrologischen Institut in Prag zusammen. Von dort bekommen wir schnell Informationen zu Pegelständen in Usti, von der Moldau und der Eger.“

Aktuell sind die Bedingungen im Böhmischen Mittelgebirge noch nicht besorgniserregend. Die Tagestemperaturen pendeln derzeit um die null Grad. Nachts ziehen noch immer Fröste ein und verlangsamen das Abtauen.

Erst Frost, jetzt Tauwetter - schadet das den Deichen der Elbe?

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Das Tauwetter schadet den Deichen grundsätzlich nicht, sagt Eckehard Bielitz. Dafür sei ja an der Oberfläche die Grasnarbe da. Wichtig bleibe aber gerade in einer solchen Situation, dass die Leute nicht auf den Deichen gehen und rodeln. Genau das zerstöre die Oberfläche und biete Angriffsmöglichkeiten bei Hochwasser. Bei einem aufgeweichten Deich können die Schäden beim Betreten noch größer sein.

Das war ebenfalls an der Elbe-Dampferanlegestelle in Kötzschenbroda Anfang Februar. Damals bei einem Pegelstand von knapp unter fünf Metern.
Das war ebenfalls an der Elbe-Dampferanlegestelle in Kötzschenbroda Anfang Februar. Damals bei einem Pegelstand von knapp unter fünf Metern. © Norbert Millauer

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