merken
PLUS Radebeul

Elternfreude statt Elterntaxis

Die Gemeinde Moritzburg hat den Zugang zur Grundschule sicherer gemacht. Am ersten Schultag gab es den Test.

Grüne Fußtapsen sollen den Grundschülern den Weg von der Bushaltestelle, vorbei am Haus des Pferdes bis zur Grundschule in der Schulstraße weisen.
Grüne Fußtapsen sollen den Grundschülern den Weg von der Bushaltestelle, vorbei am Haus des Pferdes bis zur Grundschule in der Schulstraße weisen. © René Plaul

Moritzburg. Sie sind nicht zu übersehen: Über 100 grüne doppelte Fußtapsen haben die Mitarbeiter des Moritzburger Bauhofes auf Fußweg und Straße zwischen Roßmarkt, Haus des Pferdes und auf der Schulstraße gemalt. Das ist der Schulweg für die Mädchen und Jungen an der Grundschule.

Und noch mehr ist neu auf der Schulstraße. Mit dicken weißen Strichen versehene Inseln, in deren Mitte ein steinerner Pflanzkasten steht. Die Autofahrer in der verkehrsberuhigten Spielstraße sollen so zum wirklich langsamen Fahren gezwungen werden. Die Schüler sicherer zum Schulhaus gelangen.

Anzeige
Die besten Arbeiten aus 2021
Die besten Arbeiten aus 2021

Maler, Tischler und Raumausstatter zeigen in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks ihr ganzes Können: kreativ, innovativ und meisterhaft.

Bisher war die Situation eine andere. Zwar gab es die blauen Schilder der verkehrsberuhigten Spielstraße schon, aber an die Geschwindigkeit hätten sich vielfach Autofahrer nicht gehalten, sagen etwa Eltern. Schrittgeschwindigkeit ist vorgeschrieben. Und Schritt heißt 5 km/h. Außerdem dürfen auf so einer Straße auch Fußgänger gehen. Autos müssten im Begegnungsfall sogar stoppen.

Anders war bisher auch, dass in der Schulstraße einzelne Parkflächen näher an der Schule dran erlaubt waren. Bauamtsleiterin Susan Lehmann: „Die Folge war an manchen Tagen, vor allem zu Schulbeginn, ein wildes Durcheinander von parkenden und durchfahrenden Fahrzeugen, die sich behinderten und auch die Kinder gefährdeten.“

Spielstraße, verkehrsberuhigt - das hat bisher nicht ausgereicht.
Spielstraße, verkehrsberuhigt - das hat bisher nicht ausgereicht. © René Plaul

Und jetzt also die neue Situation. 7.50 Uhr ist Schulbeginn. Katja Fritsch ist seit 1. August die neue Schulleiterin für 177 Kinder der ersten bis vierten Klassen. Sie begrüßt die neue Regelung, „weil sie sicherer ist“. Zwischen 7.15 Uhr und 7.45 Uhr kommen die meisten Kinder. Mutti Manuela Christen bringt Johanna und Laurenz zur Schule und sagt nur: „Gut so, wie es jetzt ist.“ Jan Schimkat begleitet seinen Sohn Bruno, der in die vierte Klasse geht. „Ich stelle mein Auto sowieso schon immer am Haus des Pferdes ab und laufe mit Bruno die paar Schritte zur Schule.“ Der Vater von Johann (4. Klasse), sagt ebenfalls zum Gemeindebeschluss: „Richtig so gemacht.“

Eine Mutti mit Kitakind auf dem Arm bemängelt, dass für den Kindergarten „Kleiner Moritz“ zu wenig Parkplätze da sind. Lediglich direkt auf dem Grundstück und zweimal davor dürfen die Eltern halten. Ansonsten müssen auch sie am Haus des Pferdes Kurzzeitparken.

Nicht wenige Schüler kommen mit dem Bus. Bisher hielt der unterhalb der Schulstraße. Jetzt soll es am Roßmarkt sein, wo die grünen Fußtapsen beginnen. Dort wollten die Lehrer die Kinder zum ersten Schultag auch abholen. Der Busfahrer hatte das offenbar noch nicht auf dem Schirm. Die Kinder kamen an der alten Ausstiegsstelle an - wurden aber auch dort abgeholt. Die Schulleiterin: „Wir geben dem Busunternehmen Bescheid. Morgen wird es so funktionieren, wie gewollt.“

„Parken erlaubt“, hat jemand auf die Straße geschrieben. Stimmt nicht.
„Parken erlaubt“, hat jemand auf die Straße geschrieben. Stimmt nicht. © René Plaul

Es wird auch weiter kontrolliert

Der Auflauf an diesem Morgen ist groß. Auch die Männer vom Polizeiposten sind da und eine Politesse von der Gemeinde. Sie muss an diesem Morgen nur einmal eingreifen und eine Mutter ermahnen, nicht innerhalb der Spielstraße zu halten oder zu parken. Mit einer Ermahnung ist es diesmal abgetan. „Wir werden aber weiter hier kontrollieren.“ Und Uneinsichtige müssten dann mit einem Zehn-Euro-Knöllchen rechnen.

Offenbar nicht ganz im Bilde ist auch jemand, der auf der Schulstraße mit Kreide seine Meinung kundgetan hat. Dort steht nämlich geschrieben, dass kein Parkverbotsschild das Parken verbietet. „Muss es auch nicht“, so Bauamtsleiterin Susan Lehmann, „weil in einer verkehrsberuhigten Zone das Parken generell verboten ist. Es sei denn, es gibt Ausnahmen, wie wir sie vorher hatten.“

Weiterführende Artikel

Moritzburger Hengste haben einen neuen Star

Moritzburger Hengste haben einen neuen Star

Die edlen Vierbeiner aus dem Landgestüt hatten das zweite Jahr in Folge deutlich mehr zu tun. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Auch Corona.

Teichwirtschaft Moritzburg drosselt Karpfen-Produktion

Teichwirtschaft Moritzburg drosselt Karpfen-Produktion

80 Tonnen waren 2020 ein historisch schlechter Ertrag. In diesem Jahr plant der Betrieb mit dieser geringen Menge, obwohl die Teiche gut mit Wasser gefüllt sind.

Ein direkter Schulstraße-Anwohner sagt noch, dass er sich schönere Pflanzkübel und mehr Schwellen auf der Straße zum Ausbremsen der Autofahrer gewünscht hätte, und die grünen Fußtapsen ja eher gefährlich auf der Straße seien, weil die Eltern ihren Kindern erklären, nicht auf der Straße zu laufen. Ein Fußweg wäre besser gewesen. Allerdings entgegnet die Bauamtsleiterin, dass für einen Fußweg die Straße einfach zu schmal sei. Die Anlieger an den Kosten per Erschließungsbeitrag hätten beteiligt werden müssen und derzeit dafür auch kein Geld da gewesen wäre.

Montagmorgen, der erste Schultag an der Grundschule in Moritzburg mit dem Eindruck: Mancher muss sich noch dran gewöhnen, aber die neuen Regelungen werden angenommen.

Die Noppen auf der Fahrbahn bremsen offenbar auch nicht genug.
Die Noppen auf der Fahrbahn bremsen offenbar auch nicht genug. © René Plaul

Mehr zum Thema Radebeul