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Feuer im Weinberg

Die Winzer von Wackerbarth haben von Radebeul bis Weinböhla und Diesbar zum Rebenschutz Wachstöpfe gezündet. Die Nacht zum Dienstag bringt erneut Frost.

Wackerbarths Weinbauleiter Till Neumeister entzündet die Wachstöpfe zwischen den Rebreihen im Weinberg in Weinböhla.
Wackerbarths Weinbauleiter Till Neumeister entzündet die Wachstöpfe zwischen den Rebreihen im Weinberg in Weinböhla. © Schloss Wackerbarth

Radebeul/Weinböhla/Meißen/Riesa. Noch vor dem Wochenende habe ich mit meinen Kollegen gefrotzelt: Guter Werbetrick von Wackerbarth, Feuer im Weinberg bringt alle örtlichen Medien - selbst so unwirklich früh - auf die Beine.

Doch die Frotzelei war in der Nacht zum Montag schon sehr früh eher eingefroren. Minus drei Grad zeigte das Thermometer stoisch zwischen den Weinreben an der Köhlerstraße in Weinböhla an. Till Neumeister, der für den Weinbau Verantwortliche bei Wackerbarth, hält das Messgerät in der Hand. Zwischen 2 und 3 Uhr am frühen Morgen kriecht die eisige Kälte über die Hangwiesen.

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Zum langen Nachdenken ist Neumeister an dem frostigen Morgen nicht vorzeitig aus dem Bett gestiegen. Bereits vor dem Wochenende hat der Weinbauexperte die Töpfe mit der Paraffin-Wachsfüllung auf den Transporter geladen.

Martin Junge, Wackerbarth-Pressesprecher: „Wir haben uns rechtzeitig vorbereitet. Die Situation von Anfang Mai 2020 ist uns noch gut in Erinnerung. „Vor einem Jahr sackte die Temperatur in den Tagen um den 14. Mai bis auf minus ein Grad herunter. Damals waren die Triebe der Reben schon weit ausgetrieben. Frühe Wärme hatte dazu geführt.“ Ein Zustand, trifft darauf der Nachtfrost, der tödlich für die Triebe ist. Das Ergebnis bekamen die Weinbauern spätestens bei der Ernte im Spätsommer und Frühherbst: Ernteausfälle bei den Trauben von bis zu 25 Prozent gab es 2020 witterungsbedingt. Die Frühjahrsfröste haben daran ihren Anteil.

In diesem Jahr ist die Entwicklung der Triebe noch nicht ganz so weit fortgeschritten. Die März- und die Aprilsonne 2021 war bisher weniger kraftvoll. Doch, so Junge, die Reben knospen bereits und treiben ordentlich.

Drei bis vier Grad bringen die Töpfe

180 kleine Feuer werden gezündet. Auch in Radebeul an der Mittleeren Bergstraße und im Heinrichsberg in Diesbar-Seußlitz loderten die Feuer.
180 kleine Feuer werden gezündet. Auch in Radebeul an der Mittleeren Bergstraße und im Heinrichsberg in Diesbar-Seußlitz loderten die Feuer. © Schloss Wackerbarth

Dennoch, Till Neumeister hat die 180 Wachstöpfe zwischen die Rebreihen gesetzt und die Dochte mit einem kleinen Gasbrenner angezündet. Nach gut einer halben Stunde lodern die Lichter in der diesigen Dunkelheit. Es braucht eine Weile, bis die Feuer die Luft oberhalb der Töpfe erwärmen.

An diesem Weinberg, der nur sanft ansteigt, können die eisigen Temperaturen besonders viel Schaden anrichten, weil sie nicht, wie an steileren Hängen, abrutschen, sondern liegen bleiben. Doch das verhindern die Kerzen, die an diesem Morgen die Luft in den Rebreihen wärmen. „Um etwa drei bis vier Grad treibt das die Temperatur genau an den wesentlichen Stellen nach oben“, sagt Till Neumeister beim Kontrollgang entlang der lodernden Töpfe. Wieder hat er das Thermometer in der Hand und hält es in Höhe der Triebe an die Rebstöcke. Die Flammtöpfe erreichen ihre Wirkung schon nach einer halben Stunde.

Am Weinböhlaer Weinberg in der Köhlerstraße haben die Wackerbarth-Winzer eine besondere Lage. 3.300 Stöcke stehen hier in Reih und Glied. Erst 2018 wurden sie gepflanzt. Immense Arbeit und eine gehörige Investition. Eine Junganlage mit noch nicht so robusten Rebstöcken. In diesem Jahr sollen die jungen Pflanzen den ersten Wein bringen. Drei Jahre Arbeit vom Setzen, Verschneiden und eben auch Vor-dem-Frost-Schützen steckt dann in ihnen. Muscaris heißt die Rebsorte in diesem Berg. Eine neue Züchtung, die weiß und aromastark in die Flaschen kommt. Als Bouquet-Rebsorte ist sie außerdem gut für die Sekterzeugung.

Die Dienstagnacht soll erneut eisig werden

Bis in den normalen Montagmorgen hinein - also bis an 7 Uhr heran - brennen die Dochte. Im Gras, abseits der Feuer, tragen die Halme immer noch zu Eis gefrorene Wassertropfen in der sich durch die Kälte kämpfenden Morgensonne. Weinbauleiter Neumeister ist ziemlich sicher: „Das hat was gebracht. Der Frost konnte sich nicht auf die Triebe setzen und sie absterben lassen.“ Richtig genau weiß er das allerdings erst in einer Woche. Wenn sich die Knospen dann braun färben, sind sie vom Frost verbrannt.

Wie auf den 0,8 Hektar östlich von der Köhlerstraße in Weinböhla haben die Wackerbarth-Winzer auch in anderen gefährdeten Weinbergen in der letzten Nacht Feuertöpfe gezündet. Weingutsprecher Junge: „Auf insgesamt 25 Hektar haben wir für Frostschutz gesorgt. Etwa 20 Mitarbeiter waren diesmal so früh im Einsatz.“ Paraffin-Töpfe loderten so beispielsweise auch in Diesbar-Seußlitz auf dem Heinrichsberg von Wackerbarth und auf den Weinbau-Versuchsflächen an der Mittleren Bergstraße im Radebeuler Westen. Müller-Thurgau, Bacchus und eben die neuen Rebstöcke von Muscaris sind die früh austreibenden Sorten, die dann auch von Spätfrösten erwischt werden können.

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Als die Morgensonne im Elbtal hochkommt und den Nebel durchbricht, tragen die Grashalme neben den Weinreben noch immer gefrorene Eistropfen.
Als die Morgensonne im Elbtal hochkommt und den Nebel durchbricht, tragen die Grashalme neben den Weinreben noch immer gefrorene Eistropfen. © Peter Redlich

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