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14 Personalien zu Randale im Lößnitzbad

Die Polizei ist dank Bürgerhinweis dran. Badnutzer haben Forderungen. Der Radebeuler Bäderbetrieb will reagieren.

Grüne und erfrischende Oase im Westen von Radebeul - das Lößnitzbad. Die Wassertemperatur beträgt derzeit um die 20 Grad.
Grüne und erfrischende Oase im Westen von Radebeul - das Lößnitzbad. Die Wassertemperatur beträgt derzeit um die 20 Grad. © Arvid Müller

Radebeul. Es hat für großes Aufsehen gesorgt - die wüsten Zerstörungen im Radebeuler Lößnitzbad. Aufgefallen ist es den meisten, weil die Toiletten in der vorigen Woche ganz und in dieser Woche immer noch zum Teil geschlossen waren und sind.

Vor allem in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni haben offenbar Jugendliche in einem bisher nicht gekannten Ausmaß in den stationären Toiletten auf der Ostseite und auch im grünen Container im FKK-Bereich gewütet. „Wir mussten die Toiletten vorübergehend einige Tage schließen. Die Verwüstungen waren extrem“, sagt Titus Reime, Geschäftsführer der Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH Radebeul (sbf GmbH Radebeul). Reime spricht von eingetretenen Türen der einzelnen Toilettenabteile. Von abgetretenen Rohrleitungen und Wasserhähnen. Es wurde versucht, Feuer zu legen. So schlimm war es noch nie, sagt der Bäderchef. Fotos aus den noch immer verschlossenen Damen- und Herrentoiletten am Ostufer belegen das (siehe oben).

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Ein Geschehen, auf welches die Badnutzer in den sozialen Medien heftig reagieren. Eine Frau schreibt aus den Hitzetagen der vorigen Woche davon, dass am Vormittag alles noch gut war, auch im Wasser. Am Nachmittag aber schon zu merken gewesen sei, dass manche ins Wasser urinierten. Andere wiederum fordern den Stadtbäderbetrieb auf, das Lößnitzbad mehr zu überwachen und notfalls auch wieder Eintritt zu verlangen. „Rausschmeißen, wer mit anderen Leuten Sachen respektlos umgeht, Hausverbot und Anzeige“, fordert ein männlicher Badbesucher. „Dann darf sich niemand wundern, wenn der Eintritt irgendwann nicht mehr kostenlos ist“, schreibt ein anderer.

Die Zerstörungswut in den Toiletten des Lößnitzbades kannte keine Grenzen: Herausgetretene Türen, selbst die Türfassungen, die Zargen, sind herausgerissen.
Die Zerstörungswut in den Toiletten des Lößnitzbades kannte keine Grenzen: Herausgetretene Türen, selbst die Türfassungen, die Zargen, sind herausgerissen. © sbf GmbH Radebeul

Doch genau Letzteres gilt seit vier Jahren beim Lößnitzbad. Vor allem mit fehlendem Personal - etwa für Rettungsschwimmerstellen - hat die städtische sbf GmbH das damals begründet. Das Bad sollte aber den Radebeulern erhalten bleiben. Täglich drei bis fünf Stunden sind sbf-Mitarbeiter vormittags vor Ort, um aufzuräumen, Papierkörbe zu leeren, die Grillstellen zu säubern und die Toiletten zu reinigen.

„Doch was wir am Sonntagmorgen, dem 13. Juni feststellen mussten, haben wir noch nie erlebt“, sagt Reime. Zwischen sieben und 22 Uhr darf gebadet werden. Das Gelände insgesamt ist aber 24 Stunden geöffnet. Vor allem nachts, wenn der Alkoholspiegel beim Feiern im Bad steige, fallen bei manchen alle Hemmungen, so der Bäderchef.

In der genannten Nacht sind der Lärm und das Randalieren allerdings auch aufgefallen. Reime hatte bereits angedeutet, dass die Polizei dran sei. Jörg Kretzschmar, Kripochef im für Radebeul zuständigen Polizeirevier Meißen, bestätigt das auf Nachfrage der SZ. Es habe Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, sodass in dieser Nacht ein Streifenwagen schnell zum Lößnitzbad kommen konnte. Von den Polizisten seien 14 Personalien festgestellt worden. Kretzschmar: „Ob diese Personen, Jugendliche, beteiligt waren oder was sie gesehen haben, müssen weitere, gerade laufende Ermittlungen ergeben.“

Heißt im Klartext: Die Polizei muss den Jugendlichen nachweisen, dass sie die Zerstörungen angerichtet haben. Für die Schäden im grünen Container hat der Bäderbetrieb zum Glück schnell eine Handwerksfirma gefunden, die das wesentliche wieder so hergestellt hat, dass die Toiletten nutzbar sind. Lediglich Klinke und Schloss an der Damentoilette fehlen noch. Die Reparatur wird mit etwa 2.500 Euro veranschlagt.

"Wir bemühen uns, eine Firma zu finden"

Zertretene Toiletteneinrichtungen in allen Kabinen des Lößnitzbades.
Zertretene Toiletteneinrichtungen in allen Kabinen des Lößnitzbades. © sbf GmbH Radebeul

Die stationären Toiletten sind noch im verwüsteten Zustand. „Wir bemühen uns, eine Firma zu finden, die das repariert“, sagt Reime. Besonders teuer werden sicher die Türen, die komplett mit Zarge herausgetreten worden sind. Bis das nicht behoben ist, müssen diese Herren- und Damentoiletten geschlossen bleiben.

Was aber können die Bäderverwaltung und die Stadt tun, damit solche Zerstörungen verhindert werden? Hinweise und Aufforderungen der Badnutzer gibt es reichlich - von Wachdienst bis wieder Eintritt verlangen und abends das Bad schließen.

Derzeit ist es so, dass zwar Mitarbeiter der sbf GmbH abends nochmals durchgehen, auch vom Ordnungsamt der Stadt und von der Polizeistreife werde kontrolliert, heißt es. Aber das sind nur sporadische Kontrollen. Das Gelände ist weitläufig.

Gerade hat der sbf-Betrieb seine Jahresbilanz 2020 vorgelegt. Es gibt Verluste von 314.000 Euro, weil die Bäder und Sportstätten nur eingeschränkt oder gar nicht öffnen durften. Geld, welches letztendlich die Stadt und deren Bürger ausgleichen müssen. Bäderchef Reime sitzt deswegen nicht nur in der Zwickmühle wegen der Kosten, die für einen Wachdienst anfallen würde. Es fehlt vor allem auch an Personal.

Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) hat nach dem Randale-Problem mit Titus Reime beraten, was man - vor allem schnell - machen könnte. Wendsche: „Wir sind froh, dass wir mit den vorhandenen Kräften das Bad überhaupt erhalten können.“ Neues Personal mit Rettungsschwimmerausbildung zu bekommen, sei aussichtslos. Solche Leute würden deutschlandweit überall gesucht, sogar an der Ostsee. Ein normaler Badbetrieb mit Aufsicht in zwei Schichten schließe sich derzeit aus.

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Die erste und am schnellsten umsetzbare Überlegung sei es, so Reime und Wendsche, das Bad abends wieder abzuschließen. Dafür müsste ein Wachdienst beauftragt werden. Zwei Personen müssten durchs Lößnitzbad gehen, damit niemand eingeschlossen wird. Das koste erneut ordentlich Geld. Die Entscheidung soll noch diese Woche getroffen werden.

Zerstörte Zuleitungen und Seifenbehälter an Waschbecken.
Zerstörte Zuleitungen und Seifenbehälter an Waschbecken. © sbf GmbH Radebeul

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