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Damit Schwarzes Teich nicht stirbt

Die Freien Wähler im Stadtrat Radebeul starten eine Initiative für den Waldpark und die WSR GmbH stellt einen Antrag an die Umweltbehörde.

Schwarzes Teich in diesen Tagen: Das Gewässer droht zu kippen, weil es keinen natürlichen Zufluss mit Frischwasser mehr hat. Auch die oberhalb gelegenen Weiher sind vom Zufluss abgeschnitten. Jetzt gibt es zumindest Bemühungen, dies wieder zu ändern.
Schwarzes Teich in diesen Tagen: Das Gewässer droht zu kippen, weil es keinen natürlichen Zufluss mit Frischwasser mehr hat. Auch die oberhalb gelegenen Weiher sind vom Zufluss abgeschnitten. Jetzt gibt es zumindest Bemühungen, dies wieder zu ändern. © Arvid Müller

Radebeul. Schwarzes Teich ist bekannt in Radebeul, in Sachsen und sogar darüber hinaus. Hier treffen sich - unter normalen Bedingungen - einmal im Jahr Chöre von überall her. Wie auf einer Freilichtbühne sitzen ringsum auf den Bänken die Menschen, die den Liedern lauschen, dabei picknicken und sich einfach nur wohlfühlen.

In den letzten Jahren wurde es schwieriger, sich an Schwarzes Teich wohlzufühlen. Der Teich bekam immer weniger Wasser, verschlammte und stank. Den Weihern oberhalb von Schwarzes Teich erging es ähnlich. Dabei sind die Teiche und Verbindungen untereinander ein eigentlich logisch ausgedachtes Ent- und Bewässerungssystem unserer Vorfahren. Der Teich ist benannt nach dem Kaufmann Georg Wilhelm Schwarz (1782–1842), dem Besitzer des tiefer gelegenen Weinguts Friedstein, der später auch Mitgründer der nahegelegenen Sektkellerei Bussard wurde.

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Dieser Teich diente dazu, über die Roos’sche Wasserleitung die Brauchwasserversorgung des Weinguts sicherzustellen wie auch die Brunnenanlage des Herrenhauses in Betrieb zu halten. Auch der 1876 bis 1878 durch den Berg getriebene Gießmannsche Tunnel wurde von Schwarzes Teich durchflossen, weil er das Badhotel an der Ecke Obere Bergstraße, Burgstraße mit Wasser versorgen sollte.

Das Wasser selbst ist abgeleitetes Oberflächen- und Schichtenwasser von den Wegen und Wiesen oberhalb von Schwarzes Teich. Enten und Frösche lebten hier und vermehrten sich - für die Umwelt, das Ökosystem, den Waldpark eine Freude. Auch das ist weitgehend vorbei. In Stinkewasser oder gar einem vertrockneten Teich fühlen sich Tiere nicht wohl. Und daneben wollen Menschen auch nicht fröhliche Lieder anstimmen.

Der Überlauf an Schwarzes Teich mit dem Mönch in der Teichmitte ist undicht. Die Stadt geht davon aus, dass das neue Bauwerk vom Hersteller nachgebessert werden sollte.
Der Überlauf an Schwarzes Teich mit dem Mönch in der Teichmitte ist undicht. Die Stadt geht davon aus, dass das neue Bauwerk vom Hersteller nachgebessert werden sollte. © Arvid Müller

Alles Wasser in Rohre abgeleitet

Für kein oder kaum Wasser war zuerst ein geborstenes Tonrohr in der Wiese zwischen Obere Burgstraße und Kiesgrubenweg die Ursache, vor allem aber wurde das Vertrocknen durch die Bestimmungen der Unteren Wasserbehörde und deren Gesetzesvorschriften erreicht.

Als nämlich vor zwei Jahren die Obere Burgstraße saniert wurde, musste alles Straßen- und auch Schichtenwasser in Rohre geleitet und unter dem Kiesgrubenweg abgeleitet werden. Die wesentliche Begründung: Reifenabrieb und anderer Straßenschmutz darf nicht in den Wald eingeleitet werden. Dass auf dieser kleinen Nebenstraße tagsüber maximal ein Dutzend Autos unterwegs sind, spielt dabei keine Rolle.

Dem Einwand aus dem Radebeuler Sachgebiet Stadtgrün, dass doch wenigstens eine Ableitung die Teiche weiter speisen sollte, wurde abgelehnt. Allenfalls noch direktes Regenwasser füllt das Teichsystem im Waldpark.

Jetzt sind die Freien Wähler im Radebeuler Stadtrat auf den schlechten Zustand der Gewässer und der Parkanlage überhaupt aufmerksam geworden. Sie wollen Bürger der Stadt aufrufen, hier in gemeinschaftlicher Aktion und auch mittels Spenden, die Anlage wieder herzurichten. Dazu haben sie sogar einen Stadtratsbeschluss eingereicht, der letztlich auch angenommen wurde. Allerdings vorerst nicht mehr als ein Aufruf ist.

Verein soll gegründet werden

Immerhin ist der Aufruf der Freien Wähler bei der Stadtverwaltung auf offene Ohren gestoßen. OB Bert Wendsche (Parteilos) und Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) verkündeten nämlich, dass der städtische Betrieb für Radebeuler Abwasser, die WSR GmbH, einen Antrag an die Untere Wasserbehörde gestellt hat. Deren Inhalt: Das Wasserableitungsrohr am Kiesgrubenweg soll einen Überlauf bekommen. Bei Starkregen könnte so zumindest das frische obere Wasser in Schwarzes Teich und seine Nachbarn fließen. Die Begründung: Das entlastet die Straßenentwässerung - nimmt Druck weg - und könnte verhindern, dass die Teiche ökologisch ständig umkippen und zur Kloake werden.

Jörg Müller: „Vielleicht gewinnt ja die Einsicht in diese sinnvolle Maßnahme.“ Und Bert Wendsche: „Es ist schon erstaunlich, wie mühselig langsam deutsche Behörden ihre Ansicht beim Thema Wasser ändern. Wasser soll zuerst abgeleitet werden; Wasser zurückhalten ist viel schwieriger.“ Erst jetzt beginne zögerlich ein Umdenken, weil Sachsen langsam austrockne.

Man sei jedenfalls sehr dankbar für die Initiative der Freien Wähler. Unterstützung fand deren Ansinnen mittels Zustimmung zum Beschluss unter dem Titel „Sicherung der Abwasserführung und Wassereinspeisung in Schwarzes Teich im Waldpark Kötzschenbroda/Oberort“ bei allen Fraktionen. Wolfgang Jacobi (CDU): „Es sind auch wirksame Sofortmaßnahmen nötig. Wir unterstützen alle Bemühungen für Radebeuler Parks.“ Daniel Borowitzki (Die Linke) sagte, dass jedes solcher Projekte helfe. Als Aufruf an die Radebeuler sehen es Bürgerforum/Grüne/SPD - was allerdings keinen Beschluss brauche - so Eva Oehmichen. Johannes Albert (AfD) nannte solarbetriebene Belüftung als eine Möglichkeit, sofort etwas für den Teich tun zu können.

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Peter Redlich über den Zustand an Schwarzes Teich.

Die Freien Wähler selbst (Hans Kraske) kündigten an, einen Verein noch gründen zu wollen, der sich um den Waldpark und Schwarzes Teich kümmert. Und Johannes Domasch (FDP) brachte einen ganz praktischen Vorschlag: „Am 2. Oktober wollen wir einen Einsatz starten. Es braucht Bürgerengagement - einfach mal anfangen. Dabei sollten sich die Stadträte in die erste Reihe stellen.“

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