SZ + Radebeul
Merken

Radeburg: Karneval mit 999 Gästen

Auf dem Radeburger Markt feiert der RCC - unter freiem Himmel und mit Einlass-Stopp bei 999 Besuchern. Die Meinungen zum Karneval sind sichtlich gespalten.

 4 Min.
Teilen
Folgen
Auf dem Radeburger Marktplatz wird der Schlüssel übergeben - auf der Bühne (v.l.) Clown Rainer König, Bürgermeisterin Michaela Ritter, RCC-Präsident Olaf Häßlich.
Auf dem Radeburger Marktplatz wird der Schlüssel übergeben - auf der Bühne (v.l.) Clown Rainer König, Bürgermeisterin Michaela Ritter, RCC-Präsident Olaf Häßlich. © Arvid Müller

Von Julian Wolf

Radeburg. „Seit Freitagmittag ist die Veranstaltung ausverkauft“, berichtet Olaf Häßlich, Präsident des Radeburger Carnevals Clubs (RCC). „Alle 999 Karten sind nun vergeben“. Gegen 13.45 Uhr am Sonnabend sammeln sich schon die ersten Narren auf dem Marktplatz in Radeburg. Weder 2G, noch 3G, noch Maskenpflicht gelten - und das bei einer Corona-Inzidenz von 476,2 für die Stadt. Um für mehr Sicherheit zu sorgen, ist jedoch die Apotheke für Tests geöffnet und auch ein Testzentrum vor dem Einlass aufgebaut. Hier können sich die Partygäste am Tag der Veranstaltung freiwillig und kostenlos testen lassen.

„Wir lassen uns auf jeden Fall testen“, sagt ein junges Ehepaar aus Radeburg. „Dann haben wir die Sicherheit, das Virus nicht in uns zu tragen und keinen anzustecken.“ Gleich danach schreit ein etwa 40 Jahre alter Mann dazwischen: „Du dumme Kuh! Wir sind draußen. Da braucht man sich doch nicht in der Nase rumfummeln lassen. Zum Glück ist das hier mal was Normales!“

Dass es beim Publikum wie im Verein auch Gegner und Befürworter für das Event, die Tests und das Impfen geben würde, war klar. Doch wie sehr die Gesellschaft inzwischen beim Thema Corona gespalten ist, verdeutlicht am Sonnabendnachmittag auch die Karnevalsfeier.

„Unkontrollierbar und gespalten“, nennt RCC-Präsident Olaf Häßlich die Veranstaltung und Stimmung kurz vor der Schlüsselübergabe um 14.11 Uhr. Er, sowie die Rathauschefin sind sich darüber im Klaren, dass es keine Rechtsgrundlage gibt, die Feier abzusagen - zumal das, das Ende für den Karnevalsverein gewesen wäre.

Bürgermeisterin Michaela Ritter: "Es wurde diskutiert, geschimpft, gedroht. Wie kann man in diesen Zeiten eine solche Veranstaltung machen? Unverantwortlich, lebensbedrohlich, unwürdig. Die Veranstaltung ist nicht illegal, also auch nicht zu untersagen."

Auf Abstand und Hygiene achten, auch die kostenlosen Schnelltests wahrzunehmen - das wäre wichtig gewesen. Doch bei Vielen im Publikum kommt das nicht an. Eng wird es auf dem Markt schon, als 450 Besucher das Gelände betreten. „Nochmal das Gleiche an Leuten hier rein und wir sind weg. Das ist uns alles zu heikel“, sagen Besucher.

Auch für die Narren ist es am Sonnabend ein schmaler Grat: „Auf der einen Seite wollen wir, dass ein Stück Normalität zurückkehrt. Wir wollen, dass die Leute tanzen können, unbeschwert etwas essen und trinken können. Vielleicht wäre es mit einer G-Regelung besser gewesen, viele Besucher sind sich inzwischen unsicher“, sagt einer. Trotzdem wird alles eisern durchgezogen. Und je länger der Nachmittag und Abend werden, desto weniger war Corona im Sinn. „Aller Viertelstunde einen Schnaps: Das desinfiziert doch auch, oder?“, heißt es von einem Gast.

Das Radeburger Kinder-Prinzenpaar: Sophie I. und Matheo I.
Das Radeburger Kinder-Prinzenpaar: Sophie I. und Matheo I. © Arvid Müller
Mit einem blickdichten Zaun war das Areal auf dem Markt am Sonnabend abgetrennt worden.
Mit einem blickdichten Zaun war das Areal auf dem Markt am Sonnabend abgetrennt worden. © Arvid Müller
Viele Gäste hatten sich - dem Anlass entsprechend - in Schale geworfen.
Viele Gäste hatten sich - dem Anlass entsprechend - in Schale geworfen. © Arvid Müller

Immerhin war der Markt wunderbar gestaltet: Strandkörbe, Heizpilze, Sonnenschirme, Zelte - alle zweckmäßig angeordnet zwischen der Bühne, den Essens- und Getränkeständen. Auch das Programm auf der Bühne ist sehr gelungen. Lockere Moderationen, passende Musik und Beleuchtung und ein typisches, närrisches Programm.

Auch das Publikum hatte sich - was das Outfit anging - nicht lumpen lassen: Eine Menge verrückter Kostüme sind dabei. Von der Biene über 80er-Jahre-Look bis hin zu wilden, farbenfrohen Mustern ist alles vertreten. Die Funkengarde lächelt nicht nur überglücklich, sondern sieht auch auf und abseits der Bühne elegant aus. Mit dem Publikum kommt auch sie ins Gespräch. „Nach der langen Durststrecke für unseren Verein jetzt wieder hier stehen zu können, macht mich wirklich stolz“, sagt ein junges Mitglied des Radeburger Carnevals Clubs. „Auch von kalten und grauen acht Grad lassen wir uns nicht unterkriegen und feiern.“

Auch wenn bei vielen Menschen großes Unverständnis für diese Art der Feier herrschte, war die Feier in die 65. Karnevalssaison der Radeburger ein Erfolg.