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Für die Weihnachtsmärkte gibt es keine Alternativen

Auch der Manufakturen-Markt bei Wackerbarth fiel dieses Jahr aus. Wie geht es den Händlern, die dort ausstellen und vor allem verkaufen wollten?

Die Radebeuler Keramikerin Ines Hoferick zeigt ihre Skulpturen, die sie für den Manufakturen-Zauber gemacht hat. Nun sucht sie nach anderen Verkaufsmöglichkeiten.
Die Radebeuler Keramikerin Ines Hoferick zeigt ihre Skulpturen, die sie für den Manufakturen-Zauber gemacht hat. Nun sucht sie nach anderen Verkaufsmöglichkeiten. © Arvid Müller

Von Beate Erler

Radebeul. Gerade in diesem Jahr wäre der Manufakturen-Markt auf Schloss Wackerbarth für die Radebeuler Keramikkünstlerin Ines Hoferick sehr wichtig gewesen. Für die zwei Ausstellungstage am zweiten Adventswochenende hat sie extra mehrere Figuren entworfen, die sie auf den Markt mitnehmen wollte: „Ich habe bekannte Sprichwörter vertont“, sagt sie und lacht über das Wortspiel. Ihr Material ist der Ton und aus dem hat sie zum Beispiel den Elefanten im Porzellanladen und den frühen Vogel, der den Wurm fängt, gefertigt. Nun überlegt sie, wie sie die Figuren doch noch verkaufen kann.

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Denn auch der Manufakturen-Zauber ist ausgefallen: Zum elften Mal wollten sich zahlreiche Manufakturisten aus Sachsen mit ihren Produkten auf dem Markt präsentieren. Mit Lederhandschuhen, Holzkunst, Schmuck, Mode, Schokolade, Selbstgebranntem und Weihnachtsbäumen. „Bis in den November hinein haben wir gehofft und an der Durchführung des Manufakturzaubers gearbeitet“, sagt der Weingut-Sprecher Martin Junge. Geplant waren zusätzliche Flächen im Außenbereich für Aussteller und Gastronomie. „Wir arbeiten bereits an Ideen, wie wir dem regionalen Handwerk nächstes Jahr eine zusätzliche Möglichkeit bieten können“, so Martin Junge.

Ines Hoferick hat seit über 25 Jahren ein Keramikstudio in Radebeul und eigentlich viele Stammkunden. Beim Manufakturen-Markt wäre sie in diesem Jahr zum ersten Mal dabei gewesen: „Das wäre für mich eine Möglichkeit gewesen, die Monate des Nicht-Verdienens etwas zu kompensieren“, sagt sie. Ihr Broterwerb sind die Keramikkurse in ihrem Studio, die sie nun schon den vierten Monat in diesem Jahr nicht geben kann. In ihrem Atelier haben acht Leute Platz: „Aber es ist klein und wir arbeiten Kopf an Kopf“, sagt sie.

Aber es ist nicht nur das Geld, das ihr fehlt, sondern auch die sozialen Kontakte: „Viele ältere Kursteilnehmer sind auch traurig, weil sie nicht mehr kommen können“, sagt die Radebeulerin. Ihre sieben Figuren, die sie für den Manufakturen-Markt angefertigt hat, versucht sie nun auf andere Weise zu verkaufen. Ines Hoferick sucht Geschäfte, in die ihre kleinen Skulpturen passen könnten. Zum Beispiel könnte sie sich vorstellen, den frühen Vogel mit der Uhr in einem Uhrengeschäft auszustellen. Sie wohnt bei ihrem Freund und muss keine Miete zahlen. Deshalb ist bei ihr die Situation noch nicht bedrohlich: „Aber es zerrt an den Nerven, wenn man über Monate gar nichts verdient“, sagt sie.

Dirk Hobler und seine Frau Romy aus Grünhainichen verkaufen etwas, das eigentlich gerade zur Weihnachtszeit gut geht: erzgebirgische Holzkunst. Zu ihrem kleinen Sortiment gehören verschiedene Figuren, die meist pärchenweise auftreten: Die Engel Oskar und Frieda oder die Schneemänner Fritz und Otto zum Beispiel. Dirk Hoblers Traum war es immer, eine eigene Figurenserie zu entwerfen und von Hand in der Werkstatt herzustellen.

Auch sie wollten dieses Jahr wieder am Manufakturen-Markt teilnehmen: „In den vier Adventswochenenden versuchen wir so viele Gelegenheiten wie möglich zu nutzen, um unsere Produkte den Kunden näherzubringen“, sagt Dirk Hobler, „wir fertigen teilweise Produkte extra für den Markt bei Wackerbarth an.“ Wie hoch die Einnahmen in normalen Jahren dort sind, will Dirk Hobler nicht verraten: „In diesem Jahr liegt der finanzielle Ausfall auf jeden Fall bei 100 Prozent“, sagt er.

Auch andere Verkaufsmöglichkeiten fallen dieses Jahr aus: Zu Weihnachten stehen sie mit ihrer Holzkunst sonst noch auf Schloss Proschwitz bei Meißen, auf Schloss Osterstein bei Zwickau und in der Stadthalle in Chemnitz zum Advent im Erzgebirge. Den Großteil ihrer Produkte verkaufen sie aber weiterhin, denn die gehen an Fachgeschäfte für erzgebirgisches Kunsthandwerk. Und auch der Internetverkauf hat in diesem Jahr sehr stark zugenommen: „Für die Märkte gibt es aber keine Alternativen“, sagt Dirk Hobler, „wir sind hier in unserer Werkstatt und die Märkte fallen aus.“

Auch bei Dana Nadvornik mit ihrer Traumgießerei in Altkötzschenbroda macht sich die Corona-Krise bemerkbar. Das kleine Geschäft mit Deko für zu Hause und besonderen Geschenke gibt es seit dem Sommer 2016: „Gerade Anfang des Jahres hatte ich einen Aufwind“, sagt die Geschäftsinhaberin, „die Leute kennen mich und ich habe mit Workshops angefangen.“ Die Dresdnerin arbeitet auch noch als Friseurin, aber ihr Traum war es immer einen solchen Laden zu haben.

Die Absage des Manufakturen-Marktes ist auch für sie schmerzlich: „Aus Marketingsicht ist das wirklich schade, denn dort kann ich die Leute aus der Umgebung auf mich und mein Geschäft aufmerksam machen“, sagt sie. Für die Weihnachtszeit hat sie auch einiges im Angebot: Schaukelpferde aus Beton, mit dem sie am liebsten arbeitet, Teelichthalter, Sterne, Laternen und Weihnachtskugeln.

Doch am schlimmsten sind die wenigen Kunden: „An manchen Tagen frage ich mich, warum ich eigentlich den ganzen Tag im Geschäft stehe“, sagt Dana Nadvornik. Ihre Workshops kann sie nicht geben, Hochzeiten, für die sie die Deko macht oder Gastgeschenke designt, fallen aus, die Touristen fehlen und auch an den Samstagen ist viel weniger los. Für Werbung fehlt ihr das Budget, aber ihren Onlineshop hat sie ganz neu aufgesetzt. Auf den heutigen Tag freut sie sich trotzdem: „Eine Stammkundin hat angerufen und gesagt, dass sie heute vorbeikommt“, freut sich Dana Nadvornik. Sie will mehrere kleine Weihnachtsgeschenke bei ihr kaufen.

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