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Gartenland zu Bauland

Seit 1990 sind in Weinböhla viele ehemalige Gärtnereien mit Wohnhäusern überbaut worden – eine Bestandsaufnahme.

Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Göpfert an der Reichstraße, des ehemaligen Schulgartens und von Kleingärten sind inzwischen 27 Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus entstanden.
Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Göpfert an der Reichstraße, des ehemaligen Schulgartens und von Kleingärten sind inzwischen 27 Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus entstanden. © Arvid Müller

Wer wissen könnte, wo überall auf dem Grund und Boden ehemaliger Gärtnereien in Weinböhla Häuser gebaut worden sind, lautet die Frage an Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU). Er antwortet, ohne lange zu überlegen, dass am besten darüber wohl Lutz Heinl Bescheid wisse, sei er doch fast 30 Jahre lang, von 1990 bis 2019, Bauamtsleiter in Weinböhla gewesen.

Und Lutz Heinl ist nicht nur zum Gespräch bereit, er hat sich auch exzellent darauf vorbereitet. Er hat eine Aufstellung erarbeitet, die nicht weniger als 20 ehemalige Gärtnereien in der Gemeinde auflistet, die heute überbaut worden sind. Das reicht von kleineren Projekten wie der Bebauung der ehemaligen Gärtnerei Ehrlich an der Sörnewitzer Straße, wo sechs Einfamilienhäuser entstanden sind. Über die einstige Gärtnerei Göpfert an der Reichsstraße, wo unter der Einbeziehung des vormaligen Schulgartens und von Kleingärten insgesamt 27 Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus gebaut worden sind. Bis hin zur ehemaligen Gärtnerei an der Dresdner bzw. Köhlerstraße, wo ein Wohngebiet mit etwa 50 Einfamilienhäusern entstanden ist.

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Nimmt man alle zwischen 1990 und 2020 auf Weinböhlaer Gartenland errichteten Wohnhäuser zusammen, so kommt man nach der Aufstellung von Lutz Heinl auf mindestens 174 Einfamilienhäuser und zahlreiche Doppel- und Mehrfamilienhäuser. „Ich erhebe mit meiner Darstellung natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, erklärt er.

Allein 13 der 20 aufgelisteten Hausprojekte wurden auf Grundlage des Paragrafen 34 des Baugesetzbuches durchgesetzt. Dort heißt es: „Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse müssen gewahrt bleiben; das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden.“ Damit ist ein Rechtsanspruch begründet. Das heißt, dass die Gemeinde Weinböhla keinem der ehemaligen Gärtnereibesitzer untersagen konnte, seine Flächen mit Wohnhäusern zu bebauen, wenn sie sich im Innenbereich befunden haben.

An einigen Projekten war die Gemeinde Weinböhla bauplanungsrechtlich über einen Bebauungs- bzw. Vorhaben- und Erschließungsplan beteiligt, so beispielsweise am Ahornring auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Schnecke und anderer Eigentümer. Hier wurden im sozialen Wohnungsbau 20 Mehrfamilienhäuser mit 120 Wohnungen errichtet.

Aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen im Elbtal und an die bestehende Gartenbautradition anknüpfend, wurde Weinböhla in DDR-Zeiten zu einem Zentrum des Gemüseanbaus, wozu auch die Melioration der Nassau beigetragen hat. „Nach der Einheit Deutschlands ist der Gemüsebau in Gewächshäusern und Folienzelten wie auch im Freiland nahezu völlig verschwunden. Die meisten noch existierenden Gärtnereien haben sich ausschließlich auf den Zierpflanzenanbau und teils auf Blumenbinderei und Landschaftsgärtnerei orientiert. Derzeit existieren noch über 20 Betriebe im Erwerbsgartenbau.“ So steht es in der Ortschronik anlässlich von 650 Jahre Weinböhla. Das allerdings ist auch schon 20 Jahre her. Mit Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass weitere ehemalige Gärtnereien in Weinböhla inzwischen eine anderweitige Nutzung erfahren haben oder künftig erfahren werden.

Lutz Heinl hat in Weimar Gebietsplanung und Städtebau studiert und war von 1990 bis 2019 der Leiter des Bauamtes in Weinböhla.
Lutz Heinl hat in Weimar Gebietsplanung und Städtebau studiert und war von 1990 bis 2019 der Leiter des Bauamtes in Weinböhla. © Arvid Müller
Die historische Ansicht zeigt den Gartenbaubetrieb R. Ambrosius, der auf Azaleen, Eriken und Kamelien spezialisiert war.
Die historische Ansicht zeigt den Gartenbaubetrieb R. Ambrosius, der auf Azaleen, Eriken und Kamelien spezialisiert war. © Gemeinde Weinböhla

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