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Geld gegen Hochwasser

Die Stadt Coswig bekommt gut zehn Millionen Euro von Bund und Land für die Hebung von Häusern im Ortsteil Brockwitz.

Von Udo Lemke
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„Wenn alles gut geht, können wir in diesem Jahr das erste Haus heben“, sagt Olaf Lier, der Leiter des Coswiger Ordnungsamtes und Förderer des Projektes.
„Wenn alles gut geht, können wir in diesem Jahr das erste Haus heben“, sagt Olaf Lier, der Leiter des Coswiger Ordnungsamtes und Förderer des Projektes. © SV Coswig

Coswig. Brockwitz spielt in einer Liga mit Duisburg, Erfurt und Hamburg - jedenfalls was neue Ideen für den Städtebau betrifft. Denn der Coswiger Ortsteil ist das jüngste der sieben Modellvorhaben des Bundesbauministeriums zur Weiterentwicklung der Städtebauförderung. Kurz: In Brockwitz soll etwas ausprobiert werden, um es später in anderen Teilen des Landes anwenden zu können. Es geht um die Hebung von Häusern, um künftig Elbehochwassern nicht mehr schutzlos ausgeliefert zu sein.

Um Fördergelder für das Projekt zu erhalten, musste die Stadt Coswig bis vergangenen Oktober beim Bund den entsprechenden Antrag einreichen. Und nun teilt Stadtsprecherin Ulrike Tranberg mit: „Kurz vor Weihnachten erhielt die Stadt Coswig zwei Fördermittelbescheide über insgesamt 10,5 Millionen Euro. Diesen Förderbetrag teilen sich der Bund und der Freistaat Sachsen je zur Hälfte.“

Ordnungsamtschef Olaf Lier: "Wir heben gemauerte Häuser und sogar alte Bruchsteinhäuser, das ist schon eine sensible Fracht."
Ordnungsamtschef Olaf Lier: "Wir heben gemauerte Häuser und sogar alte Bruchsteinhäuser, das ist schon eine sensible Fracht." © Arvid Müller

Mit der Haushebung in Brockwitz wird Neuland beschritten. Zwar gab es schon in Delitzsch und im Ruhrgebiet Haushebungen und die Hebung großer Betonteile, etwa von Brücken, ist auch nicht neu. „Aber wir heben gemauerte Häuser und sogar alte Bruchsteinhäuser, die quasi nur mit Lehm zusammengeklebt sind. Das ist schon eine sensiblere Fracht, damit muss man auch sensibler umgehen.“

Dabei werden die Häuser Millimeter für Millimeter angehoben, was etwa eine Woche dauert. Dazu werden sie mit Betonankern bzw. -bodenplatten abgefangen. Anschließend wird der entstandene Hohlraum unter den Häusern mit Beton verfüllt, so dass sie stabil stehen. Dass man sich für diesen sehr aufwendigen Weg entschieden hat, liegt auch daran, dass die betroffenen Brockwitzer trotz sich ständig wiederholender Elbehochwasser - zuletzt 2002, 2006 und 2013 - ihre Häuser nicht einfach aufgeben wollen.

Untersucht wurden verschiedene Modelle der Haushebung, schließlich entschied man sich dafür, die Häuser auf einen Betonsockel zu stellen.
Untersucht wurden verschiedene Modelle der Haushebung, schließlich entschied man sich dafür, die Häuser auf einen Betonsockel zu stellen. © SV Coswig

Das Geld ist also bewilligt. Und wie geht es nun weiter? Wir brauchen jetzt die Unterstützung von Baufachleuten, wir werden uns einen Projektsteuerer nehmen, es muss ja beispielsweise genau geklärt werden, wo welcher Kipper hinfährt, wann welche Baufirma wohin kommt usw. Und wir müssen jetzt mit den Leuten sprechen und entscheiden, welches das erste Haus sein soll. Wir müssen mit den Versorgern sprechen, wann und wie Leitungen abgeklemmt und wieder angeklemmt werden, damit die Häuser weiter funktionsfähig sind“, so Olaf Lier. Bislang hatten 23 der 24 betroffenen Hauseigentümer ihr Einverständnis, an dem Projekt mitzuwirken, erklärt. Nun müsse man das Gespräch mit jedem einzelnen suchen, um zu klären, wer wirklich mitmacht.

Die Erfahrungen, die bei der Umsetzung der Haushebungen in Brockwitz gemacht werden, sollen auch anderen Kommunen in Hochwassergebieten zugutekommen. Dazu wird wie bisher mit Hochschulen zusammen gearbeitet. Bislang waren vier Institute und eine Architekturschule beteiligt. Wer sich eingehender mit dem Projekt befassen möchte, kann dies auf der Homepage der Stadt Coswig unter https://www.coswig.de/de/haushebung-brockwitz.html tun. „Wenn alles wie vorgesehen vorangeht, könnte das erste Haus noch in diesem Jahr gehoben werden.“

Ziele des Modellvorhabens

Anpassung des mehr als 1.000 Jahre alten, teilweise denkmalgeschützten Elbdorfes Brockwitz an die gestiegene Hochwassergefahr mittels Haushebungen als Alternative zu Deichbauten.

Geplante Maßnahmen

Es sollen 24 Wohnhäuser und sieben Nebengebäude gehoben werden. Zudem sollen alle kulturhistorisch und städtebaulich relevanten Gebäude mit einbezogen werden. 35 Nebengebäude sollen als Ersatzneubau, teils unter Verwendung alter Bauteile, errichtet werden. Zwei Straßen müssen angehoben und neu errichtet werden. Quelle: Bundesbauministerium