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Geschenkeeinsatz statt 100-Jahrfeier

Der Förderverein der Feuerwehr in Reichenberg hatte eine besondere Idee, damit das eigentlich denkwürdige Jahr nicht so einfach verstreicht.

Sie waren am vierten Advent im Geschenkeeinsatz bei den Kameraden an den Haustüren.
Sie waren am vierten Advent im Geschenkeeinsatz bei den Kameraden an den Haustüren. © Norbert Millauer

Moritzburg/Reichenberg. Eigentlich hätte die freiwillige Feuerwehr von Reichenberg in diesem Jahr groß feiern müssen. Seit 100 Jahren besteht die Wehr. Am 18. Januar 1920 war die Gründungsveranstaltung mit damals 22 Mitgliedern und dem Bürgermeister von Dresden, der die Ansprache hielt.

Ein Fest sollte es geben. Im Juni, sagt Matthias Lehmann, Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr Reichenberg. Viele Kameraden um Wehrleiter Maik Zscheile und seinen Stellvertreter Jens Heichen haben sich beteiligt. Festzelt, Umzug durch den Ort, der Sportverein wollte dabei sein, Sponsoren halfen - all das musste erst einmal in die Schublade gesteckt werden, so Lehmann.

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Dann wenigstens eine ordentliche Weihnachtsfeier für die 46 Kameraden, davon 29 aktive, sechs Frauen, und eine Jugendfeuerwehr mit 20 Mitgliedern. Auch das ging nicht. Ganz ohne irgendetwas Besonderes sollte das Jahr aber dann doch nicht verstreichen, hatten sich Matthias Lehmann und seine Mitstreiter gedacht. Also wurden 50 Päckchen und Tüten in den letzten Tagen mit Geschenken vollgepackt. Vieles zur Verfügung gestellt von Sponsoren und Bürgern des Ortes.

„Von den Kameraden der Wehr wusste niemand etwas. Wir hatten lediglich gesagt, dass sie am Freitag gegen 18 Uhr mal zu Hause sein sollten“, so der Fördervereinsvorsitzende. Das Auto war vollgeladen. Und dann ging es los. Lehmann: „Wir sind alle Adressen der Kameraden abgefahren, haben uns mit Maske und Abstand aufgestellt und an den Türen geklingelt.“ Erst die Überraschung und dann die Freude waren groß, berichten die fünf, die sich an der Verteilaktion beteiligt haben.

Feuerwehrparade vorm Gasthof Reichenberg - eins der Fotos, die zur 100-jährigen Chronik der freiwilligen Feuerwehr gehören.
Feuerwehrparade vorm Gasthof Reichenberg - eins der Fotos, die zur 100-jährigen Chronik der freiwilligen Feuerwehr gehören. © Feuerwehr Reichenberg

Besonders auch die älteren Kameraden im Seniorenalter seien richtig gerührt gewesen. Viele von denen können Geschichten erzählen aus den 100 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr Reichenberg. Etwa vom wohl schwersten Einsatz am 13. und 14. Februar 1945, als Dresden brannte. Von Reichenberg aus konnten sie den Flammenhimmel von Dresden sehen. Sie sollten sich zum Altmarkt durchschlagen, haben es zwischen Bomben und Flammen aber nur bis zum Neustädter Bahnhof geschafft und versucht, dort zu löschen. Alle Kameraden sind damals wieder mit zurück nach Reichenberg gekommen, heißt es in der Festschrift zum 100. Jubiläum.

Die Reichenberger sind im Kreis Meißen für ihren besonderen Zusammenhalt, eben die besondere Kameradschaft bekannt. „Nachwuchssorgen hatten wir nie. Sogar aus den Nachbarwehren kamen die Kinder und Jugendlichen gern zu uns“, sagt Matthias Lehmann, der seit 1998 selbst die Wehr angeführt hatte.

Mit Schmunzeln erinnern sich die Feuerwehrleute an die Beteiligung beim „Tatort“-Dreh 1991 mit Peter Sodann als Kommissar Ehrlicher. Stolz sind sie auf ihr Gerätehaus, das seit 1997 steht, ihr Löschfahrzeug und den Mannschaftstransporter.

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Mit dem sind sie auch am vierten Adventswochenende unterwegs gewesen, um die Geschenke zu verteilen. Matthais Lehmann: „Das mit den Corona-Einschränkungen wird ja mal vorbei sein. Dann werden wir das Versäumte vom 100-Jährigen nachholen.“ Aber vorerst freuen sich die Kameraden im Moritzburger Ortsteil Reichenberg auf eine besinnliche Weihnacht und gesunde Familienmitglieder. 37 Einsätze haben sie in diesem Jahr schon bewältigt.

Bescherung schon kurz vor Weihnachten. Am Wochenende sind Mitglieder des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Reichenberg, Matthias Lehmann (l.) und sein Stellvertreter Maik Schober (r.), ausgerückt, um die Kameraden der Wehr zu beschenken, hier Linda
Bescherung schon kurz vor Weihnachten. Am Wochenende sind Mitglieder des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Reichenberg, Matthias Lehmann (l.) und sein Stellvertreter Maik Schober (r.), ausgerückt, um die Kameraden der Wehr zu beschenken, hier Linda © Norbert Millauer

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