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Greensill-Pleite: Es soll Geld fließen

Die Gläubigerversammlung der Bank macht Hoffnung, dass Coswig seine 2,5 Millionen Euro nicht abschreiben muss.

Städte und Gemeinden, also auch Coswig, sollen Geld aus der Insolvenzmasse der Greensill-Bank erhalten.
Städte und Gemeinden, also auch Coswig, sollen Geld aus der Insolvenzmasse der Greensill-Bank erhalten. © dpa

Mit Spannung ist die erste Versammlung der Gläubiger von Greensill in Bremen erwartet worden. Sind alle Einlagen bei der insolventen Bank verloren, oder können insbesondere die vielen deutschen Kommunen, die dort in gutem Glauben Geld angelegt hatten, noch auf Ausschüttungen zu ihren Gunsten hoffen? Die SZ sprach darüber mit Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos).

Herr Schubert, Coswig hat 2,5 Millionen Euro bei der insolventen Bank Greensill angelegt. In Bremen fand jetzt die erste Gläubigerversammlung statt. Was ist dabei herausgekommen?

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Da die Sitzung nichtöffentlich gewesen ist, kann ich Ihnen nicht alles im Detail sagen. Aber Insolvenzverwalter Michael Frege hat Aussagen getroffen, die in der Öffentlichkeit verwendet werden dürfen. Was den Kern des Ganzen betrifft, hat der Insolvenzverwalter signalisiert, dass bereits Masse gesichert worden ist. Es sind Vermögenswerte gesichert worden, die jetzt noch zu Geld gemacht werden. Außerdem sollen diverse Auseinandersetzungen, etwa mit Versicherungen, geführt werden, mit der Folge, dass bestehende Forderungen zu Geld gemacht werden. Seine Prognose ist, dass es keinen Totalverlust geben wird.

Kann man sagen, worauf die Stadt Coswig nun noch rechnen kann?

Es wird eine Quote für die Ausschüttung geben, wie hoch diese sein wird, kann derzeit seriös niemand sagen, aber bis dahin wird es ein langwieriges Verfahren geben. Der Insolvenzverwalter geht von einem Zeitraum von wenigstens fünf Jahren aus, das wäre also 2026. Wenn er recht behält mit seinen Prognosen, dann werden auch die nachrangigen Gläubiger - und dazu gehören nun einmal die Städte und Gemeinden - eine Quote erhalten. Das ist die positive Botschaft der Gläubigerversammlung.

Es gibt also keine konkreten Angaben dazu, wann wie viel Geld fließen wird?

Wann Geld fließt und wann gesichert ist, dass auch ein namhafter Betrag zur Auszahlung kommt und auch die nachrangigen Gläubiger ebenfalls bedient werden - das ist noch offen. Es ist vereinbart worden, dass es aller halben Jahre dazu entsprechende Informationen geben wird, schriftlich und in Form von Videokonferenzen. Es ist davon auszugehen, dass frühestens in anderthalb, zwei Jahren eine Zahlung an die Kommunen erfolgen kann, weil zuerst die bevorrechtigten Gläubiger bedient werden müssen.

Wer sind denn die bevorrechtigten Gläubiger?

Das ist der gesetzliche Einlagensicherungsfonds, dem die Länder und Kommunen als öffentliche Anleger ja seit 2017 nicht mehr angehören. Dabei geht es um eine Summe von etwa einer Milliarde Euro.

Wie kommen Sie auf diese Summe?

Weil das der Betrag ist, den der gesetzliche Einlagensicherungsfonds bereits ausgeglichen hat. Die freiwillige Einlagensicherung der Privatbanken für die privaten Kleinschuldner umfasst dann noch einmal zwei Milliarden Euro. Aber diese sind, wie wir Kommunen, nachrangige Gläubiger. Die Gesamtsumme, um die es bei der Insolvenz von Greensill geht, beträgt rund vier Milliarden Euro.

Wie soll es nun konkret in Coswig weitergehen?

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Thomas Schubert, Coswigs Oberbürgermeister, will erreichen, dass die Stadt möglichst viel Geld zurückbekommt.
Thomas Schubert, Coswigs Oberbürgermeister, will erreichen, dass die Stadt möglichst viel Geld zurückbekommt. © Norbert Millauer

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