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Hilfe für Blinde und Sehbehinderte

Die Alfred-Prescher-Stiftung Coswig fördert seit zehn Jahren Technik, um den Alltag Geschädigter zu erleichtern.

Michaele Niehoff (l.) und Inken Kretschmar von der Stadtbibliothek Coswig mit Büchern in Großdruck und einem Abspielgerät für Hörbücher. Diese Medien sind aus Mitteln der Alfred-Prescher-Stiftung angeschafft worden.
Michaele Niehoff (l.) und Inken Kretschmar von der Stadtbibliothek Coswig mit Büchern in Großdruck und einem Abspielgerät für Hörbücher. Diese Medien sind aus Mitteln der Alfred-Prescher-Stiftung angeschafft worden. © Arvid Müller

Exakt 1.773,25 Euro Zinsen hat die Coswiger Alfred-Prescher-Stiftung im vergangenen Jahr aus der Geldanlage der Stiftungsmittel erwirtschaftet. Im zweiten Jahr ihres Bestehens hilft die Stiftung damit erstmals blinden Menschen und verteilt die Zinsen unter fünf Initiativen auf.“ So stand es am 24. Februar 2012 in der SZ Unter der Überschrift „Prescher-Stiftung vergibt erstmals Hilfsmittel für Blinde“ .

Nun, zehn Jahre später, am 10. Februar 2021, hat der Finanzausschuss des Stadtrates, der als Stiftungskuratorium fungiert, 1.767,40 Euro vergeben. Nimmt man die Förderung in diesem Zeitraum zusammen, so sind aus den Zinserträgen der Stiftung insgesamt 19.982,44 Euro ausgeschüttet worden. „Seit 2012 gingen 51 Projektanträge ein, die zum großen Teil voll, aber auch teilweise gefördert wurden“, teilt die Stadtverwaltung auf SZ-Nachfrage mit.

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Die Stiftung verfügt über ein Anfangskapital von 150.000 Euro und geht auf ein 1945 verfasstes Testament des Coswiger Bürgers Alfred Prescher, der 1892 in Bautzen geboren wurde, zurück. Nach Informationen der Stadtverwaltung wurde er in den 1920er- und 1930er-Jahren im Coswiger Adressbuch als Kaufmann geführt und in den 1930er- und 1940er-Jahren als Plantagenbesitzer erwähnt. Als er am 31. Januar 1971 in Meißen verstarb, erlangte sein Testament Gültigkeit. Aber es sollten noch weitere 40 Jahre vergehen, bevor es durch einen Beschluss des Coswiger Stadtrates wirksam wurde.

„Ich erlege der Vermächtnisnehmerin die Verpflichtung auf, aus den Mitteln meines Nachlasses eine Stiftung für Kriegsblinde zu errichten, aus der Blindenhunde anzuschaffen und bedürftigen Kriegsblinden kostenlos zu geben sind“, hatte Prescher festgelegt. „Zum genauen Grund seiner Verfügung ist nichts bekannt“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Durch den 1994 erfolgten Verkauf von Preschers Grundstück an der Genossenschaftsstraße entstand der Kapitalgrundstock der Stiftung von 150.000 Euro. Erworben hatte das Land damals die stadteigene Wohnbau- und Verwaltungsgesellschaft, die dort 22 Wohnungen baute. Inzwischen ist das Stiftungskapital durch eine Zustiftung und die teilweise Ansammlung von nicht ausgegebenen Zinserträgen auf aktuell 160.748,58 Euro angewachsen.

Die Ausschüttung in diesem Jahr ermöglicht es der Stadtbibliothek Coswig wieder, neue Hörmedien für sehbehinderte Bürger und Großdruck-Bücher anzuschaffen. Um die alltäglichen Briefe und Dokumente wieder besser lesen zu können, erhält eine Coswiger Bürgerin einen finanziellen Zuschuss zur Anschaffung einer elektronischen Leselupe. Der Landesverband Sachsen des Bundes der Kriegsblinden Deutschland e. V. bekommt eine finanzielle Unterstützung für die Umrüstung eines Multifunktionsgerätes, mit dem u. a. Sprachaufnahmen und Musik wiedergegeben und Texte abgespielt werden können.

Ein weiterer Coswiger Bürger wird finanziell bei der Neuanschaffung eines Hunde-Führgeschirrs unterstützt werden, damit kann er sich wieder sicherer im Straßenverkehr bewegen. Das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen, bisher unter dem Namen Deutsche Zentralbücherei für Blinde bekannt, erhält zum wiederholten Mal eine finanzielle Unterstützung für das Einlesen von gewerblich hergestellten Hörbüchern. Außerdem erhält eine Coswiger Familie eine Unterstützung für die Anschaffung eines Kinderpflegebettes.

Die nächste Ausschüttung der Alfred-Prescher-Stiftung ist für 2022 vorgesehen.

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