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Hochmodernes Pfarramt in Mittelaltermauern

Das älteste Gebäude im Pfarrhof der Friedenskirche ist jetzt eine barrierefreie Zentrale für die Kirchen Frieden und Luther von Radebeul sowie für Moritzburg und Reichenberg.

Anmelden zum Beispiel für eine Taufe. In diesem Büro des modernisierten Pfarramtes der Friedenskirche werden die Bürger mit ihren Anliegen empfangen.
Anmelden zum Beispiel für eine Taufe. In diesem Büro des modernisierten Pfarramtes der Friedenskirche werden die Bürger mit ihren Anliegen empfangen. © Norbert Millauer

Radebeul/Moritzburg. Wenn es das damals schon gegeben hätte, wäre in Europa schneller Frieden gewesen. Hier in dem Gebäude, in dem der Sachsenfürst mit dem Schwedengeneral 1645 als erste Landesregierung auf dem Kontinent den Dreißigjährigen Krieg beendet hat, gibt es jetzt moderne Schreibtische und Computer mit schnellem Internet.

Für fast eine halbe Million Euro hat die Friedenskirche ihr eigentliches Pfarrhaus saniert. Und das alles so verwirklicht, dass die historischen Bestandteile des Gebäudes nicht hinter Trockenbauwänden verschwinden. Im Gegenteil, so Pfarrerin Annegret Fischer: „Die ursprüngliche Kubatur wurde wieder freigelegt. Restauratorin Ute Schreiber-Würdig hat das Gebäude untersucht und auch Farbschichten freigelegt. Sie bestätigt das Alter des Gebäudes, welches ursprünglich nur aus dem Erdgeschoss bestand.

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Wer das Haus gleich hinter der Pforte vom Altkötzschenbrodaer Dorfanger her betritt, kann das jetzt auch per Rollstuhl oder mit einem Rollator ohne Hindernisse bewältigen. „Der Zugang ist barrierefrei. Das brauchten wir für unsere älteren Bürger dringend“, so die Pfarrerin.

Die Tür zum Pfarrhaus öffnet automatisch

Das sanierte Foyer mit dem Zugang zum Weinkeller im Pfarrhaus.
Das sanierte Foyer mit dem Zugang zum Weinkeller im Pfarrhaus. © Norbert Millauer

Die Tür zum Pfarrhaus öffnet automatisch. Dahinter zeigt sich ein Foyer mit Deckenbögen und abgehenden Türen, die das Historische nicht nur erahnen lassen. Zu den beiden Büroräumen links führen Türen mit Eisenbeschlägen, die als Originale aufgearbeitet wurden. Beschlagen worden sind sie einst, weil sie Flammen aushalten mussten. Der Raum dahinter war die Küche im Pfarrhaus. Jetzt sind es zwei - der eine für die Arbeit am Schreibtisch, der andere als Besprechungsrum. Letzterer mit den belassenen Fußbodenplatten, wie sie möglicherweise Fürst und General 1645 betreten haben.

Auf der gegenüberliegenden Seite werden die Besucher des Pfarramtes mit ihren Anliegen empfangen. Noch mit Plexiglasscheibe - etwa zu Absprachen für Trauungen, Taufen, Fragen zur Pacht von Kirchengrundstücken oder auch wenn jemand etwas spenden möchte. Ein zweiter Arbeitsplatz mit in der Höhe variablem Schreibtisch ist zum Benutzen für alle Pfarrer und Mitarbeiter des neuen Kirchspiels aus Moritzburg, Reichenberg, Lutherkirche und Friedenskirche gedacht. Immer am Mittwoch ist Verwaltungs- und Besprechungstag zu Haushalt und Personal in der hiesigen Kirchspiel-Zentrale.

Vom Pfarrhof aus gelangt man über eine kleine Rampe barrierefrei ins Haus.
Vom Pfarrhof aus gelangt man über eine kleine Rampe barrierefrei ins Haus. © Norbert Millauer

Das alte Kötzschenbroda war einst nur ein Fischer- und Bauerndorf. Mit dem Bau der Bahnlinie in Sachsen und dem neuen Bahnhof Kötzschenbroda Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort rasant. Das Pfarrhaus wurde aufgestockt - oben sind heute vermietete Wohnungen. Es entstand ein Anbau - heute die Mitte zwischen Pfarrhaus und Lutherhaus. Letzteres wurde, weil Raum gebraucht wurde, Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet.

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Die beiden Anbauten werden Bauabschnitt 2 und 3 für die Gemeinde sein. An Abschnitt 2 soll ab Juli gearbeitet werden. Das Geld ist beisammen, sagt die Pfarrerin, 536.000 Euro. Dort soll im hinteren Teil, einem Anbau aus DDR-Zeiten, die Küche eingerichtet und für alle Bereiche besser erreichbar werden. Für die jetzt dort beherbergte Radebeuler Tafel werde nach einem Ausweichquartier gesucht. Der Raum der jetzigen Küche soll das Archiv beherbergen, Blumhardt- und Bonhoeffer-Zimmer als Vereinstreff werden saniert, wie auch im Obergeschoss der Saal für die Junge Gemeinde. Es gibt neue Fluchtwege, die heutigen Brandschutzanforderungen entsprechen.

Wann das Geld für Bauabschnitt 3 zusammen sein wird, steht noch nicht fest.

Diese mit Eisenblech beschlagene historische Tür der ehemaligen Küche wurde aufgearbeitet.
Diese mit Eisenblech beschlagene historische Tür der ehemaligen Küche wurde aufgearbeitet. © Norbert Millauer

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