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Holpriger Impfstart bei den Hausärzten im Kreis Meißen

Alle wollen loslegen und würden sogar am Samstag ihre Praxen öffnen. Doch Dienstagfrüh war noch kein Impfstoff da.

Die ersten zwei Wochen sollen die Hausärzte den Impfstoff von Biontech-Pfizer bekommen. Allerdings nur in begrenzter Zahl. Später sollen die Dosen von Astrazeneca geliefert werden.
Die ersten zwei Wochen sollen die Hausärzte den Impfstoff von Biontech-Pfizer bekommen. Allerdings nur in begrenzter Zahl. Später sollen die Dosen von Astrazeneca geliefert werden. © Daniel Förster (Symbolbild)

Meißen/Radebeul. Es soll den Durchbruch beim Impfen gegen Covid-19 bringen. Das Impfen beim Hausarzt. Hier kennt der Mediziner seine Patienten, hier gibt es eine vertraute Atmosphäre für jeden. Im Landkreis Meißen praktizieren aktuell 182 Hausärzte, informiert die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen. Eine Auswahl der Hausarztpraxen seitens der KV Sachsen wird nicht vorgenommen. Prinzipiell kann jede Arztpraxis impfen, so André Reiche von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Kein Unterschied Stadt und Land

Aufgrund der noch sehr geringen Verfügbarkeit des Impfstoffs werden allerdings pro Praxis am Anfang nur wenige Impfdosen pro Woche zur Verfügung stehen, heißt es vom KV-Pressesprecher, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Für die Lieferung der Impfstoffe sind der Großhandel und die Apotheken zuständig. Zum Lieferzeitpunkt könne die KV Sachsen keine Auskünfte geben. Ob es Unterschiede zwischen Praxen in den Städten mit mehr Einwohnern und denen in ländlichen Regionen gibt, darauf gab es keine Antwort. Es hieß: Für den Freistaat Sachsen stehen in der ersten Woche ca. 50.000 Impfdosen für alle Hausarztpraxen zur Verfügung. Die konkrete Aufteilung auf die einzelnen Arztpraxen übernehmen der Großhandel und die Apotheken unabhängig von Stadt und Land, so Reiche.

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Wie es konkret in der Praxis ablaufen soll, darüber hat die SZ mit der Inhaberin einer Radebeuler Hausarztpraxis gesprochen, die namentlich nicht genannt sein möchte, weil sie einen übermäßigen und nicht zu bewältigenden Ansturm und mögliche Unruhe befürchtet. Sie überlegt sogar, vor Ihrer Praxis – ähnlich wie etwa vor Baumärkten – einen Sicherheitsmann zu positionieren.

Frau Doktor, klingelt bei Ihnen schon den ganzen Tag das Telefon nach Impfterminen?

Ja, wir haben schon sehr, sehr viele Anrufe bekommen und auch schon die Liste für die Impfreihenfolge angelegt.

Sind die Impfdosen denn bereits im Kühlschrank eingelagert (nachgefragt am Dienstagvormittag)?

Nein, wir haben noch keine Lieferung bekommen, sondern bisher nur die Ankündigung, selbst die zuständige Apotheke hat keine genauen Informationen. Deshalb können wir auch noch nicht die Termine vereinbaren.

Rechnen Sie mit der Lieferung am Dienstagnachmittag oder am Mittwochvormittag?

Wir wissen es nicht genau.

Auf der angelegten Liste - nach welcher Reihenfolge gehen Sie vor?

Es stehen darauf die Patienten, die bereits angefragt haben, denen es sehr wichtig ist. Aber üblicherweise geht es nach den Priorisierungsgruppen.

Also könnte jetzt theoretisch jeder bei ihnen anrufen und darum bitten, auf die Liste zu kommen?

Ja, das ist so. Wenn wir die über 80- und 70-Jährigen, die sich impfen lassen wollen, geimpft haben und in diesen Altersgruppen kein Interesse mehr besteht, können die nächsten auf unseren Listen drankommen.

Wie handhaben Sie es, wenn am frühen Abend, kurz vor Praxisschluss noch einige Impfdosen übrig sind?

Dann haben wir eine sogenannte Springerliste. Patienten, die wir sehr schnell informieren, also anrufen können und die dann sofort zum Impfen kommen würden.

Welchen Impfstoff bekommen Sie für Ihre Praxis?

Es ist uns zugesagt worden, dass wir für die ersten zwei Wochen Biontech-Pfizer bekommen. Bestellt haben wir 36 Impfdosen für diese Woche. In den Medien ist zu lesen, dass durchschnittlich jede Praxis 26 Impfdosen bekommen soll. Mal sehen, was wirklich eintrifft.

Und nächste Woche sollen es aber mehr werden bei den Lieferungen?

Da kursieren derzeit viele Informationen. Wir bekommen jeden Abend mehrere Newsletter z.B. von Sächsischer oder Bundes-KV (Kassenärztliche Vereinigung). Über Ostern gab es allerdings keine konkreten zusätzlichen Informationen.

Wie viele Impfungen könnten normal in Ihrer Praxis je Woche geleistet werden?

Das hängt vor allem davon ab, ob wir den Samstag zum Impfen mit nutzen dürfen. Ab Auftauzeitpunkt für Biontech hat man 120 Stunden zum Verbrauchen der Dosis Zeit. Wenn wir den ganzen Samstag durchimpfen könnten, wäre auch die Zahl steigerbar.

Wir werden an den ersten Impftagen sehen, wie sich der Aufwand je Patient in der Praxis gestaltet oder optimieren lässt, welchen Aufklärungsbedarf es gibt, ob Komplikationen auftreten und wie geduldig und kooperativ die Impflinge sind. Davon hängt letztlich ab, wie viele Impfungen wir täglich bewältigen können, vorausgesetzt, es gibt genügend Impfstoff.

Haben Sie eine grobe Rechnung, wie lange ein Patient sich in der Praxis zur Impfung aufhalten wird?

Wir rechnen mit 45 bis 60 Minuten. Vor allem die älteren Bürger müssen sich an- und auskleiden, manche auf Toilette gehen, einige haben Begleiter dabei. Sie schreiben nicht so schnell, hören manchmal nicht so gut. Das wird nicht wie am Fließband gehen.

Wie lange würden Sie an Samstagen öffnen?

Je nach Bedarf und was wir schaffen können. Unsere Schwestern kennen das Impfprozedere. Sie haben bereits Webinare absolviert und im Impfzentrum in Riesa sowie mobilen Impfteams gearbeitet. Ich denke, es wird dadurch eine hohe Effizienz geben, was die medizintechnischen Dinge betrifft und wir leisten zudem eine optimale Vorbereitung hinsichtlich Hygienestandards, Räumen und Personal.

Wenn diese Woche ein Bürger bei Ihnen Biontech bekommt, wann wäre dann die nächste, die zweite Impfung dran?

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Nach dem letzten Stand der Information sollen wir nach sechs Wochen die Zweitimpfung geben. Für Astrazeneca, welcher uns als nächster Impfstoff vorausgesagt wurde, haben wir zwölf Wochen als Abstand genannt bekommen.

Ministerin: Start doch erst Mittwoch

Am Dienstagnachmittag kam von Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) die Information, dass das Impfen beim Hausarzt nun doch erst am Mittwoch, dem 7. April beginnen soll. Und: im Schnitt bekomme jede Praxis 20 Dosen geliefert.

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