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Homeoffice braucht kein Benzin

Die Tankstellen in Coswig und Weinböhla sind glimpflich durch die Krise gekommen - doch nun warten neue Herausforderungen.

So wie die Aral-Tankstelle in Coswig sind auch die anderen Anbieter in der Region mit den einschneidenden Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt konfrontiert. Pächter Thomas Tyralla: „Vor dem Hintergrund, dass andere Gewerbetreibende ihre Läden
So wie die Aral-Tankstelle in Coswig sind auch die anderen Anbieter in der Region mit den einschneidenden Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt konfrontiert. Pächter Thomas Tyralla: „Vor dem Hintergrund, dass andere Gewerbetreibende ihre Läden © Arvid Müller

Seit 1. Januar sind die Kraftstoffpreise gestiegen. Wie das die Kunden aufnehmen, wie sie das vergangene Jahr einschätzen und wie sie auf das kommende blicken - das erfragte die SZ bei Tankstellen in Coswig und Weinböhla.

Höhere Kraftstoffpreise seit Januar

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Im Mai vergangenen Jahres hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Raffinerien, die Benzin und Diesel herstellen, pro Tonne Kohlendioxid, die bei deren Verbrennung entsteht, 25 Euro an den Staat zu zahlen haben. Diese Preise werden an die Kunden weitergegeben - im Falle der Tankstellen also an die Autofahrer. Damit steigt der Benzinpreis ungefähr um 7,5 Cent pro Liter, hinzu kommt, dass die Mehrwertsteuer wieder von 16 auf 19 Prozent angehoben worden ist. Alles in allem kommen rund 10 Cent mehr pro Liter durch Steuern auf die Autofahrer zu, hat der ADAC ausgerechnet. Zum Hintergrund erklärte Johannes Boos vom ADAC im Radiosender MDR Jump: „Dass Benzin und Diesel teurer werden, liegt am Gesetz für den Klimaschutz.“ Dadurch sollten fossile Kraftstoffe weniger attraktiv und der Umstieg auf klimafreundliche Alternativen angeregt werden.

Wie die Kunden auf die Preiserhöhung reagieren, lautete die Frage in einer der hiesigen Tankstellen. „Der Frust ist groß, das fangen wir alles hier ab“, so eine Mitarbeiterin. „Viele können nicht arbeiten gehen. Die Leute sind gereizt.“ Solche Erfahrungen habe er bislang nicht gemacht, erklärt Thomas Tyralla, der Pächter der Aral-Tankstelle in Coswig. „Die meisten Leute wissen ja, dass nicht der Tankstellenpartner für die Preiserhöhung verantwortlich ist, sondern der Staat.“

Umsatzeinbußen im Jahr 2020

Nachdem sich das Jahr 2020 gut anließ, hat der Lockdown ab vergangenem März die Situation grundsätzlich gedreht. Der Minderabsatz von Kraftstoffen betrug bei vielen Tankstellen 20 Prozent, teilweise aber auch bis zu 40 Prozent. Das geht aus einer Umfrage des Energie Informationsdienstes (EID) zum deutschen Tankstellenmarkt hervor. Dieses Absatzminus habe 2020 nicht mehr ausgeglichen werden können.

„Es gab schon Umsatzeinbußen“, heißt es in einer der Shell-Tankstellen. Die Leute müssen das Geld zusammenhalten.“ Auch Thomas Tyralla sieht natürlich coronabedingte Änderungen im Verhalten der Kunden. „Aufgrund des hohen Stammkundenanteils haben wir ein relativ stabiles Publikum.“ Allerdings sei es schon so, dass man etwas weniger Umsatz habe, wenn dieses Stammpublikum weniger unterwegs sei: „Wenn jemand im Homeoffice ist, dann braucht er keinen Kraftstoff. Heute kommen viele Leute, die nicht mehr zur Arbeit fahren, die nicht mehr zum Shoppen fahren, nicht mehr auf Besuch in andere Bundesländer fahren, mit einer Tankfüllung zwei Monate hin.“ Und dann verweist er darauf, dass die Lage der Tankstellen in Coswig und Weinböhla von Vorteil sei. „Dass wir seit vergangenem Jahr nicht die ganz großen Veränderungen bemerkt haben, liegt sicherlich auch daran, dass wir anders als etwa eine Autobahntankstelle oder eine an einem Zubringer, diesen hohen Stammkundenanteil haben.“

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Der Branchenführer Aral meldete Mitte 2020 insgesamt 2.289 Tankstellen in Deutschland, so der Energie Informationsdienst. Und: „Coronabedingt ist der Umbau der Tankstellen-Shops auf das Rewe To Go-Konzept ins Stocken geraten. Das Konzept bedeutet, dass es nicht nur Bockwurst und Brötchen im Shop gibt, sondern frisches Obst und Gemüse, Salate und Sushi. Im vergangenen Sommer waren 575 Aral-Stationen auf das neue Konzept umgerüstet, weitere 120 bis 150 Shops sollen jährlich folgen. Auch die Meißener Aral-Tankstelle von Thomas Tyralla bietet Rewe To Go an. „Wann in Coswig die Umgestaltung stattfinden wird, ist momentan noch offen.“

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