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Vorschlag für Gestaltungsforum Radebeul

Radebeuls OB Bert Wendsche und sein Stellvertreter und Baubürgermeister Jörg Müller antworten auf den Brief.

Bert Wendsche (rechts) und Jörg Müller bei der Verleihung des Moritz-Ziller-Preises an junge Stadtplaner.
Bert Wendsche (rechts) und Jörg Müller bei der Verleihung des Moritz-Ziller-Preises an junge Stadtplaner. © Norbert Millauer

Radebeul. Gibt es eigentlich jemanden ohne Verlangen nach Schönheit und Ästhetik, nach Baukultur? Weist jemand baukulturelle Ansprüche grundsätzlich zurück? Und schließlich: Gibt es eigentlich jemanden, der mit dem gegenwärtigen Zustand der Baukultur in Deutschland zufrieden ist?

Das Spannungsfeld des grundgesetzlich garantierten individuellen Baurechts und die Herausforderungen der in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Bau- und Grundstückspreise auf der einen und die Erwartungen einer sensiblen und ihre gebaute Umwelt schätzenden Stadtgesellschaft auf der anderen Seite sind eine stete Herausforderung für alle Beteiligten.

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Diese, unsere gebaute Umwelt bestimmt in hohem Maße unser Wohlbefinden und damit unser soziales Verhalten, unseren Berufs-, Familien- und Kulturalltag, unsere qualitative Gesellschaftsfähigkeit. Da dieser Einfluss jedoch den meisten Menschen lange Zeit nicht bewusst war, lag eine wichtige Aufgabe darin, Wissen und Sensibilität für diese Zusammenhänge zu vermitteln und die Urteilsfähigkeit der Allgemeinheit zu verbessern.

Mit ihrem offenen Brief erheben Sie und der Verein Ihre mahnende Stimme. In einem sehr emotional klingenden Appell an die gesamte Stadtgesellschaft, also explizit nicht nur an die öffentliche Verwaltung, bringen Sie, Herr Bialek, zum Ausdruck, was viele, wenn nicht sogar alle von uns, bewegt: Wie gehen wir miteinander um, wie kann jeder von uns aus seiner Verantwortung heraus mitgestalten an einem Radebeul, was wir uns wünschen?

Fernab von einfachen Schuldzuweisungen an verkaufende und bauende Radebeuler Grundstückseigentümer, an Bauträger und Investoren, an Architekten und Planer sowie die Verwaltung machen Sie konkrete Vorschläge und stellen wieder einmal den gesamten Verein als Partner einer gemeinsamen Sache vor. Aus Sicht des Rathauses begrüßen wir uneingeschränkt diese Initiative, denn nur aus einem gesamtgesellschaftlichen „Magnus Consensus“ heraus kann eine solche Aufgabe gelingen.

Auf die behördlichen Zwänge, denen eine Stadtverwaltung wegen weisungsgebundener Übertragung staatlicher Aufgaben unterliegt, wie bei ihrem Tätigwerden als Bauaufsichtsbehörde, braucht ein Verein keine Rücksicht zu nehmen.

Daher laden wir Sie und den gesamten Verein ein, ein „Gestaltungsforum Radebeul“ (Arbeitstitel) unter Ihrem Vereinsdach zu gründen und damit die bisher gute Zusammenarbeit noch weiter zu verfestigen und institutionalisiert auszubauen.

Im Unterschied zur Gestaltungssteuerung durch „von oben“ erlassene Verordnungen zur Baugestaltung, d.h. Gestaltungsfibeln oder -satzungen, die bekanntlich nur bedingt geeignet sind, ästhetische Qualität hervorzubringen, setzt das Instrumentarium Gestaltungsbeirat auf diskursive Prozesse und Kooperation.

Dauerhafte Gestaltungsbeiräte auf kommunaler Ebene gibt es bundesweit inzwischen 130, darunter 12 in den neuen Bundesländern, in Sachsen bislang nur in den Städten Dresden und Leipzig (Stand: 2017).

Nur allzu oft wird der Politik und den öffentlichen Verwaltungen ein Allzuständigkeitswahn unterstellt, die Bauherren sehen die Wirtschaftlichkeit ihres Projektes gefährdet, die (betroffenen) Architekten sprechen von Geschmacksdiktatur bzw. staatlich/kommunaler Willkür und die Verwaltung sieht sich in ihrem vermeintlichen Monopol der politischen Entscheidungsvorbereitung gefährdet. Die deshalb unsererseits vorgeschlagene institutionelle Unabhängigkeit wäre ein neuer, für Radebeuls einzigartige Kulturlandschaft passender Ansatz.

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So kann sichergestellt werden, dass die für diese Aufgabe vom Verein auf Zeit ehrenamtlich Berufenen unabhängig, überparteilich und sachbezogen Ratgeber und Vervielfältiger baukultureller Gedanken allgemein und im Konkreten sein können. Zudem wird es wichtig sein, dass gerade vor Ort nicht involvierte, fachkundige Berater gleichermaßen mit eingebunden werden. Die Zusammensetzung muss von Vertretern unterschiedlicher Positionen und Berufe geprägt sein, die sich respektieren und im Miteinander einen konstruktiven Austausch pflegen. (SZ)

www.radebeul.de

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