merken
PLUS Radebeul

Industriemodelle aus Weinböhla

Seit 70 Jahren existiert die Firma Arnold auf der Rosenstraße. Ab 1. Januar 2021 übernimmt nun die dritte Generation das Familienunternehmen.

Stellen mit ihrer Firma in Weinböhla Modelle für die Industrie her: Detlef Arnold, Michael Arnold und Claudia Lange (v. l.). Nach 33 Jahren tritt Detlef Arnold als Chef ab und übergibt seinen beiden Kindern die Firma.
Stellen mit ihrer Firma in Weinböhla Modelle für die Industrie her: Detlef Arnold, Michael Arnold und Claudia Lange (v. l.). Nach 33 Jahren tritt Detlef Arnold als Chef ab und übergibt seinen beiden Kindern die Firma. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Weinböhla. Denkt man an das Wort „Modellbau“, sieht man vielleicht eine Spielzeugeisenbahn oder ein Miniaturflugzeug vor dem geistigen Auge. Eventuell stellt man sich auch ein maßstäblich verkleinertes Haus vor, das in einem Architekturbüro steht. Doch bei der Familie Arnold aus Weinböhla handelt es sich weder um Architekten, noch um Spielzeug-Fabrikanten. Sie stellen technische Modelle, zum Beispiel für Gießereien und die Automobilindustrie, her. Ein Beruf, der familiär tief verankert ist, denn die Firma besteht seit nunmehr 70 Jahren.

Anzeige
Hier wird die Zukunft entwickelt
Hier wird die Zukunft entwickelt

Spitzenforschung und Lehre auf hohem Niveau gibt es auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentrum: nämlich an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Am 30. September 1950 gründete Werner Arnold seine Firma. Bis zur Fertigstellung des Werkstattgebäudes auf der Rosenstraße im Herbst 1953, mietete er zunächst einen leerstehenden Arbeitsraum in der Weinböhlaer Schlosserei- und Schmiedefirma Kriesch auf der Robert-Blum-Straße. Er begann, technische Modelle für Gießereien aus Holz herzustellen. Viele Maschinen standen dem Handwerker nicht zur Verfügung und so wurden die meisten Arbeiten per Hand erledigt, beispielsweise mit dem Holzhobel.

Dabei handelte es sich — so würde man es heute zumindest formulieren — um eine spezialisierte Manufakturarbeit. Jedes Guss- und Formmodell musste bis ins kleinste Detail bearbeitet werden, um die Kunden zufriedenzustellen. Ab dem Ende der 1950er Jahre war kein getrocknetes Holz mehr lieferbar, da dieses in der DDR zu einer Mangelware und von staatlicher Planstelle kontingentiert wurde. Von da an musste das Holz zur Lufttrocknung auf dem gesamten Firmengelände gelagert werden. Pro Zentimeter Holzdicke dauerte die Trocknung mindestens ein Jahr. Dieser Zustand änderte sich erst nach der Wende. Über den gesamten Zeitraum bis heute waren durchschnittlich stets zehn Mitarbeiter beschäftigt. Auch wurden zahlreiche Lehrlinge ausgebildet. So begann auch Detlef Arnold 1972 seine Ausbildung im väterlichen Betrieb. 1980 schloss er seine Meisterausbildung ab.

Vor 33 Jahren übernahm er schließlich das Geschäft seines Vaters und erinnert sich noch gut an die Zeiten des Wandels in der Modellbau-Branche. „Manuelle Fertigung konnte auf Dauer nicht mehr funktionieren. Wir brauchten neue Maschinen und unser Kundenstamm änderte sich drastisch“, berichtet der inzwischen 64-Jährige. Nach der Wende und dem Zusammenbruch des Ostblocks, schlossen viele Gießereien und Maschinenbauunternehmen. Auch der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, kurz RGW, kollabierte. Der Modellbau schien in der DDR zu enden. „Wir wechselten in die Bauschiene, um überleben zu können“, erklärt Detlef Arnold. „Wir bauten Fenster in neuen Weinböhlaer Wohngebieten ein, bauten Treppen und Deckenverkleidungen. So wirkten wir auch bei der Verkleidung der Glaskuppel im Foyer des Zentralgasthofes mit.“ Erst 1995/1996 erholte sich die Maschinenbaubranche und die Gießereiindustrie. So kehrte auch die Firma Modellbau Arnold zu ihren Wurzeln zurück und stellte wieder verstärkt Gießereimodelle her.

Auf Grund seiner Tätigkeit als Innungsobermeister knüpfte Detlef Arnold früh Kontakte zu westdeutschen Modellbaubetrieben, die bereits Mitte der 90er Jahre mit CNC-Technik arbeiteten. Diese neuartigen Werkzeugmaschinen waren durch den Einsatz von digitalen Steuerungstechniken in der Lage, schneller und genauer zu arbeiten. Detlef Arnold sah eine Chance. „Pünktlich zum 50-jährigen Firmenjubiläum wurde die erste CNC-Maschine in Betrieb genommen.“ Dies war auch für alle Mitarbeiter ein schwieriger Lernprozess, denn umfangreiche Schulungen und Seminare mussten besucht werden, um die neue Technik bedienen zu können.

Von nun an produzierte der Weinböhlaer Prototypen für die Karosserie und das Interieur von Fahrzeugen, aber auch Formen für Carbon- und Glasfasterteile. Denn auch die Materialien wandelten sich. „Ende der 1990er Jahre ging der große Bedarf an Gussteilen immer mehr zurück. Die Leichtbauweise entwickelte sich. Kunststoff, Carbon, Glasfaser, Aluminium — so hießen die neuen Materialien der Zukunft“, erklärt Detlef Arnold. So schaffte er den Weg in die Zukunft. Besonders stolz ist er nun, dass seine Kinder, Michael Arnold und Claudia Langer, ab dem 1. Januar 2021 die Firma übernehmen und weiterführen, was heute ja keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Nun liegt es an der dritten Generation. „Wir freuen uns auf die Zukunft, haben uns schon eingearbeitet und sind zuversichtlich die Corona-Krise zu meistern. Die Digitalisierung wird weiter voranschreiten. Dafür sind wir mit unserem Maschinenpark und der 3D-Messtechnik bereits gut gerüstet. Unser großes Plus ist unsere hohe Flexibilität, was Veränderungen betrifft. Wir sind offen für neue Wege und Aufgaben.“, erklärt Michael Arnold. „Zunächst wird im Januar unsere neue Webseite an den Start gehen.“

Weitere Informationen findet man online unter www.modellbau-arnold.de.


Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul