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Ist Coswig fit für den großen Regen?

Woher das Wasser kommt. Was in der Stadt passiert ist. Ein Rundgang mit dem für die Sicherheit an Gewässern Verantwortlichem in der Stadt.

Zwischen Weststraße und Auerstraße fließt der Lockwitzbach mitten durch die Stadtsiedlung. Das Bachbett wurde verbreitert, rechts ein Verteidigungsweg angelegt. Und alles sieht jetzt so aus, als wenn es natürlich gewachsen wäre.
Zwischen Weststraße und Auerstraße fließt der Lockwitzbach mitten durch die Stadtsiedlung. Das Bachbett wurde verbreitert, rechts ein Verteidigungsweg angelegt. Und alles sieht jetzt so aus, als wenn es natürlich gewachsen wäre. © Arvid Müller

Coswig/Moritzburg. Weit über 50 Liter, in manchen Gegenden - wie kürzlich an der Oberelbe - um die 100 Liter Regen an einem Tag. Wenn das nicht im nahen Tschechien passiert, bekommt die Elbe kein Hochwasser. Was aber, wenn das direkt über Coswig und der Umgebung niedergeht. Olaf Lier, Amtsleiter Ordnungswesen der Stadt Coswig, ist auch für die Gewässer in der Stadt zuständig. Ein Rundgang an den neuralgischen Stellen.

Woher das Wasser kommt, das durch die Stadt fließt

Der Überlauf aus Natursteinen im oberen Spitzgrund verhindert, dass bei Flut ein Schwall die Straße beschädigt.
Der Überlauf aus Natursteinen im oberen Spitzgrund verhindert, dass bei Flut ein Schwall die Straße beschädigt. © Peter Redlich

Wenn es vom Himmel schüttet, vor allem auch oberhalb von Coswig, dann ist das natürliche Einzugsgebiet das der Lockwitz. Bis oberhalb vom Auer, noch aus der Gemeinde Moritzburg, fließt es im Gelände abwärts. Ist der Wald nicht schon von vorherigen Regenfällen gesättigt, dann wird das Wasser aufgesogen und gespeichert und erst mit Verzögerung talwärts transportiert.

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Ein zweiter, allerdings kleinerer Wasserzufluss kommt vom Rietzschkegrund, der Rietzschke aus Richtung Radebeuls Westen. Wie auch die Lockwitz fließt dieses Gewässer abwärts Richtung Elbe. Doch während der Lockwitzbach weitgehend oberirdisch verläuft, fließt die Rietzschke zum Teil in Kanälen, etwa in der Nähe der Straßenbahnlinie mitten unter der Stadt. Das meiste Wasser im extremen Regenfall bringt allerdings die Lockwitz mit sich.

Was Zimmermannsche Teiche, neuer Überlauf und Schlängelei bewirken

Bis auf die Höhe von zwei Metern kann der eigentliche friedliche Bach anschwellen.
Bis auf die Höhe von zwei Metern kann der eigentliche friedliche Bach anschwellen. © Peter Redlich

Das erste große Auffangbecken für das Wasser aus dem Oberland sind die von den Vorfahren angelegten Zimmermannchen Teiche im oberen Teil des Spitzgrundes. Sie sind derzeit - im Gegensatz zu den trockenen Vorjahren - wieder ordentlich nass. Biotope entwickeln sich hier. Vor allem aber hat Coswig nach den letzten Hochwassern einen Plan umgesetzt, der das Flutrisiko in der Stadt wesentlich mindert.

Im Spitzgrund ist zuerst die Straße vor Überflutung zu schützen. Straßenausspülungen und Brüche werden vor allem durch Flutwellen hervorgerufen. Um dies bei einem plötzlichen und gewaltigen Überlaufen der Zimmermannchen Teiche zu verhindern, wurde aus Natursteinen ein Überlauf vor der Straße angelegt. So fließt das angestaute Wasser wesentlich kontrollierter und nicht mit einem großen Schwall ab, auch Richtung Straße, aber eben nicht als Druckwelle.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite verläuft der Lockwitzbach in Schlängellinien durch den Spitzgrund. Die Straßenkante wurde mit einer Mauer verstärkt, ist so widerstandsfähiger. Dort, wo sich der Bach schlängelt, ist ein großes Ausbreitungsgebiet für wirklich viel Wasser vorhanden. Bis zu acht Kubikmeter in der Sekunde könnten das sein - so wurde es von Ingenieuren errechnet.

Das nächste große Auffangbecken ist der Spitzgrundteich. Während bis vor gut fünf Jahren hier noch ein relativ kleines Ablassrohr mit Schieber wiederholt von schon kleineren Treibholzästen versperrt werden konnte und Staus verursachte, sind Abfluss und Überlauf jetzt viel großzügiger angelegt. Schon der normale Ablauf und das Siel lassen das Wasser kontrolliert abfließen. Selbst mittelgroße Äste, die sich hier auch im Normalfall ansammeln, bilden kein wesentliches Hindernis.

Der Überlauf selbst ist aus massiven Natursteinen neben dem üblichen Abfluss angelegt worden und verhindert auch hier den sonst gefährlichen Schwall auf die nahe Straße und die nahe Stadtsiedlung.

Schwemmholz am Überlauf des Spitzgrundteiches. Der Abfluss wurde vergrößert, einzelne Äste kein Problem mehr.
Schwemmholz am Überlauf des Spitzgrundteiches. Der Abfluss wurde vergrößert, einzelne Äste kein Problem mehr. © Arvid Müller

Was breites Bachbett und Verteidigungsweg ausmachen

Wer heute entlang der Lockwitz eigentlich mitten durch die Stadt läuft, findet keinen schmalen, straff eingebetteten Verlauf mehr vor. Das Bachbett wurde verbreitert. Daneben ein Verteidigungsweg angelegt - mit durchlässigem Schotter - so dass hier auch ein Multicar fahren kann. Im Hochwasserfall hat der Bach die Möglichkeit, sich hier weitestgehend kontrolliert auszubreiten, ohne in die nahen Grundstücke zu drücken.

Renaturierung und Flutschutz sind hier verbunden worden. Wer dort entlang läuft, erkennt kaum, dass dies bewusst so gestaltet worden ist. Entlang des Bachbetts stehen junge Bäume, die genau zu solchen Gewässern passen und von denen jene stehenbleiben sollen, die feste Wurzeln gebildet haben und das Ufer festigen. Einheimische, zum Wasser passende Gräserbüschel haben sich gebildet. Insekten, Schmetterlinge und Vögel fühlen sich entlang der Lockwitz wohl.

Brücken, wie etwa als Verbindung zwischen Weststraße und Auerstraße, sind neu und sicher angelegt worden. Nur an der Eisenbahnlinie gibt es noch eine Engstelle, die durchlässiger gestaltet werden soll, sagt Olaf Lier.

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Bereits 2010 haben die Coswiger das Hochwasserrisiko für den Lockwitzbach von Experten ermitteln lassen und anschließend dessen kleine Auen so angelegt, dass Wasser, Wald und Stadtleben in Einklang mit weniger Gefahr bestehen können. Einige der Anlieger mussten dafür ein paar Meter ihrer direkten Lockwitzbachgrundstücke zur Verfügung stellen.

Olaf Lier: „Was passiert, wenn hier wirklich, wie an der Ahr, über 100 Liter auf einmal niederkommen, wissen wir nicht. Aber wir sind wesentlich besser vorbereitet als bei den letzten Hochwassern.“

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