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Jägerschnitzel und Buchteln im Radebeuler Spitzhaus

Für DDR-Gerichte der bekannten Gaststätte stehen die Leute derzeit Schlange. Der Wirt sagt, wie er auf die Idee gekommen ist, und wie das fortgesetzt wird.

Hat das Jägerschnitzel und die Buchteln in Vanillesoße schon mal zum Test ausprobiert - Spitzhaus-Wirt Marco Stelter trifft momentan mit seinen DDR-Gerichten genau den Geschmack der Fensterkauf-Gäste.
Hat das Jägerschnitzel und die Buchteln in Vanillesoße schon mal zum Test ausprobiert - Spitzhaus-Wirt Marco Stelter trifft momentan mit seinen DDR-Gerichten genau den Geschmack der Fensterkauf-Gäste. © Norbert Millauer

Radebeul. Eine Schlange, bis um die Kurve an der Straße vor dem Spitzhaus, hat sich gebildet. Alle wollen Krautnudeln zum Mitnehmen kaufen. Zum Nachtisch gibt es Quarkkäulchen mit Apfelmus. In dreistelliger Zahl gehen an diesem Tag die Essensportionen aus dem Fensterverkauf am Spitzhaus raus. Geschäftsführer Marco Stelter, seine Mutter Elke, Freundin Elli und Lehrling Duc kochen, würzen und löffeln in das Palmblatt-Geschirr, was das Zeug hält. 7,50 Euro kostet das Hauptgericht, 5 Euro der Nachtisch.

Ideen beim Kalten Hund

Das war der Auftakt, sagt Stelter und beschließt weiterzumachen mit der typischen DDR-Küche und deren legendären Gerichten. Die Idee sei ihm bei seiner Mutter gekommen. Die hatte mal wieder Kalten Hund gezaubert. Und flugs ging die Spinnerei mit Zettel, Stift und Aufschreiben los, was man sonst noch als DDR-Gericht oberhalb der Radebeuler Weinberge anbieten könnte.

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Zum zweiten Aktionstag gab es Tote Oma - die Grützwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln. „Fein abgeschmeckt mit Majoran, Salz und Pfeffer. Lecker“, sagt Stelter und schmunzelt. Er schmunzelt vor allem deshalb, weil das über die sozialen Netzwerke bei Facebook und Instagram verbreitete Essenangebot vom Spitzhaus nicht nur die Freunde und Verwandten anlockte, sondern viele Leute selbst aus den Nachbarorten des Radebeuler Ortsteils Wahnsdorf herbeiströmten, um sich ihr Mittagessen zu holen. Und nicht nur das: Einige sind sogar als Polizist, mit Kittelschürze und Lockenwicklern gekommen. Andere haben Küchengeräte wie den Mixer Komet mitgebracht, der in der Küche immer noch seinen Dienst verrichtet.

Der Wirt selbst hat sich für den speziellen Auftritt einen noch gut erhaltenen braunen ASV-Trainingsanzug der DDR-Armeesportvereinigung besorgt. Ein Bekannter habe ihm zur Jacke auch eine Trainingshose besorgt - allerdings in der Größe 48. „Bissel eng bei dem guten Essen“, sagt Stelter und grient, während er bereits die nächste Aktion vorbereitet.

Das Spitzhaus oberhalb der Radebeuler Weinberge ist eins der Wahrzeichen der Stadt.
Das Spitzhaus oberhalb der Radebeuler Weinberge ist eins der Wahrzeichen der Stadt. © Marco Stelter

„Wir schauen immer, wann das Wetter passt. Wanderer, Spaziergänger kommen ja jeden Tag am Spitzhaus vorbei.“ Das nächste Mal ist diese Woche Donnerstag das Verkaufsfenster für die DDR-Gerichte von 12 bis 16.55 Uhr geöffnet. Dann steht Jägerschnitzel mit Kartoffelbrei und Gemüse sowie als Nachtisch Buchteln mit Vanillesoße auf der Speisekarte. Vom Großvater hat Stelter übrigens erfahren, dass es zu DDR-Zeiten Radeberger in speziellen Gaststätten nur als Herrengedeck mit einer kleinen Sektflasche gab. „Das Herrengedeck - kleines Pils und die Piccolo-Flasche - bieten wir freilich auch an, zu 7,50 Euro.

In der Küche hat Marco Stelter schon mal zum Test beides zubereitet. Die süßen Brötchen in der gelben Soße und das Jägerschnitzel - zwei kräftige Scheiben Jagdwurst, keinesfalls mit fertiger Panade, sondern in frischem Eigelb und Semmelbröseln geschwenkt. Und auch der Kartoffelbrei ist stilecht aus Kartoffeln, die jeder aus der DDR noch kennt. Die aromatischen Sorten Laura und Adretta. Sein Vater sei nämlich Kartoffelbauer und biete die Knollen sonst üblicherweise auf dem Markt an.

Flecke und Ostsoljanka folgen noch

Stelter und mit ihm seine Gäste sind auf den Geschmack gekommen, und das solle auch fortgeführt werden. Immer angekündigt im Internet, auf der Spitzhausseite sowieso und eben in den sozialen Netzwerken. „Vielleicht, aber wer weiß“, sagt der Wirt, „können wir ja bald die Terrasse öffnen.“ Dann würde er gerne eine Grillparty veranstalten, auch mit nur der Hälfte der Plätze, wenn das Corona verlange.

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Doch so lange das nicht geht, wird die DDR-Speisekarte mit dem Fensterverkauf weitergeschrieben. Flecke sollen noch dran sein und auch eine typische Ostsoljanka. Aber am liebsten würde Stelter seine zwölf Kollegen aus der Kurzarbeit wieder ins Restaurant holen und voll beschäftigen und viele Gäste im Haus bewirten. Den Tag der DDR-Gerichte wolle er aber auf jeden Fall beibehalten.

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