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Jeder kehrt vor seiner eigenen Tür

Coswig und Weinböhla haben klar geregelt, wer was im Winter zu tun hat - erstmals seit 2010 könnten die Regeln nun wieder Anwendung finden.

Der Winter kann kommen - der Leiter des Weinböhlaer Bauhofs, Bernd Reichelt, steht vor einem der vier für den Winterdienst hergerichteten Multicars.
Der Winter kann kommen - der Leiter des Weinböhlaer Bauhofs, Bernd Reichelt, steht vor einem der vier für den Winterdienst hergerichteten Multicars. © Gemeinde Weinböhla

Seit Januar 2018 gilt in Coswig die Straßenreinigungs- und Winterdienstsatzung, in der eine wesentliche Änderung gegenüber früheren Jahren festgelegt worden ist: Es gibt keine jährlich wechselnde Zuständigkeit mehr. Sondern es gilt der Grundsatz; Jeder kehrt vor seiner eigenen Tür. Jeder Grundstückseigentümer muss den Gehweg vor seinem Grundstück werktags - also von Montag bis Sonnabend - ab 7 Uhr und an Sonn- und Feiertagen bis 9 Uhr geräumt und gestreut haben. Bei erneutem Schneefall ist dies zu wiederholen, und zwar bis 20 Uhr. „Auch während ihres Urlaubs - falls das diesen Winter noch möglich ist - müssen sich Hausbesitzer um den Winterdienst vor ihrem Grundstück kümmern!“ Wo kein Gehweg vorhanden ist, solle ein anderthalb Meter breiter Randstreifen für Fußgänger frei gehalten werden. So ist es im aktuellen Amtsblatt der Stadt nachzulesen.

Das ist im Wesentlichen, was die Bürger zu tun haben. Und die Stadt? Sie ist unter anderem für rund 90 Kilometer Straßen zuständig. Oberste Priorität haben dabei die Staats- und Kreisstraßen, sie machen etwa 70 Kilometer aus. Der „Rest“ sind Gemeindestraßen, die unter die Dringlichkeitsstufe B fallen. Bleiben noch alle nicht in der Winterdienstordnung erfassten Straßen, Wege und Plätze, die in aller Regel durch die Anlieger beräumt werden müssen. Die Stadt Coswig ist in sieben Winterdiensttouren aufgeteilt, wovon die Stadt fünf, private Firmen drei und die Bürger eine - nämlich die Gehwege - zu erledigen haben.

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Bis zu 70.000 Euro hat die Stadt für eine Wintersaison eingeplant. In den vergangenen Jahren wurde gerade einmal die Hälfte gebraucht. „Gespart wurde die letzten Jahren, da der letzte strenge Winter im Jahr 2010 war“, so Roland Leibiger, der Leiter des zuständigen städtischen Baubetriebshofes.

Auch in Weinböhla ist der Winterdienst klar in einer Satzung geregelt. Auch hier gilt, jeder kehrt vor seiner eigenen Tür. „Die Gehwege müssen werktags bis 6 Uhr, an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen bis 8 Uhr geräumt und bestreut sein.“ Wenn es weiter schneit, muss bis 21 Uhr weiter geräumt und gestreut werden.

Während es in Weinböhla grundsätzlich verboten ist, Salz zu streuen, ist das in Coswig nur in Ausnahmefällen erlaubt – nämlich an gefährlichen Stellen wie Treppen und Rampen. „Salz belastet die Umwelt nachhaltig und kann zum Absterben von Pflanzen führen, auf längere Sicht selbst von stattlichen Bäumen. Ganz unmittelbar leiden Haustiere darunter, denn das Salz kann die Pfoten von Hunden und Katzen schmerzhaft verätzen“, schreibt die Stadtverwaltung Coswig zur Begründung. Als Ersatz für das herkömmliche Streusalz wird Liapor eingesetzt, das sind Tonkügelchen, die keine ätzende Wirkung haben.

Die Gemeinde Weinböhla hat insgesamt 49 Kilometer Gemeindeverbindungs- und Ortsstraßen zu betreuen, wofür ihr vier Multicar-Fahrzeuge zur Verfügung stehen, teilte der zuständige Bauamtsleiter Christoph Krzikalla mit. Und: „Der Bauhof übernimmt den Großteil der Winterdienstaufgaben im Ort. Für einzelne Objekte, z. B. Anlagen, die im Zusammenhang mit der Deutschen Bahn stehen, werden jedoch auch Dienstleistungsfirmen beauftragt.“ Rund 20.000 Euro hat die Gemeinde für den Winterdienst eingeplant, „im Jahr 2020 wurden nur 5.000 Euro ausgegeben“.

Dass es nach 2010 den zweiten strengen Winter gibt, ist nicht ausgemacht. Dass es weißer als in den Vorjahren ist und wahrscheinlich noch wird, ist anzunehmen. Die Stadtverwaltung Coswig hat dafür noch einen Ratschlag: „Die umweltfreundlichsten Mittel für den Winterdienst sind Schneeschippe, Besen und Schaufel.“

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