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Um acht kam der Einsatzbefehl

Die Feuerwehrleute aus dem Kreis Meißen pumpen und räumen im schlimmsten Flutgebiet in Sinzig an der Ahr auf. Erst wurden Keller ausgeräumt, dann eine Schule leer gepumpt. Von Anwohnern gibt es viel Dank an die Ostdeutschen.

Noch viel Wasser und Schlamm in und an der Realschule von Sinzig. Hier wurden die Hochleistungspumpen der Feuerwehren aus dem Kreis Meißen gebraucht.
Noch viel Wasser und Schlamm in und an der Realschule von Sinzig. Hier wurden die Hochleistungspumpen der Feuerwehren aus dem Kreis Meißen gebraucht. © Feuerwehr Radebeul

Meißen/Rheinland-Pfalz. Sie sind gut angekommen, berichten die fast 50 Kameraden aus dem Kreis Meißen. Die freiwilligen Feuerwehrleute aus Radebeul, Coswig, Meißen, Riesa und Großenhain sind am Dienstagnachmittag Richtung Bereitstellungsraum Nürburgring in die Flutregion aufgebrochen. „0.40 Uhr waren wir da“, sagt einer der Männer.

Angefordert worden waren die Kameraden vom sächsischen Innenministerium, das die Bitte vom Katastrophenstab aus Rheinland-Pfalz bekommen hatte. Gebraucht werden die erfahrenen Leute und deren Technik, weil die Feuerwehren im Kreis Meißen fünf Anhänger mit jeweils vier Hochleistungspumpen haben. Mit Zugfahrzeugen und den Anhängern sind sie inzwischen im Flutgebiet stationiert.

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Die Nacht war allerdings kurz. Nachdem die Fahrzeuge gegen 2.30 Uhr positioniert waren, gab es morgens um acht den Einsatzbefehl. Aufbruch Richtung Bad Neuenahr. Dort, wo die Flut besonders gewütet hat. Direkt am Fluss Ahr, der ansonsten kaum Wasser führt und zur Flut die Stadt in eine Seenlandschaft verwüstete. Straßen, Schienen und Brücken sind hier vielfach unpassierbar. Überall Unmengen von Schlamm. Zwölf Bewohner eines Pflegeheimes sind dort in der Flut ertrunken.

Auf der Fahrt im Coswiger Einsatzfahrzeug heißt es: „Wir fahren gerade nach Sinzig, dem Nachbarort von Bad Neuenahr. Dort werden unsere Pumpen gebraucht. Wir sollen auch beim Beräumen helfen.“ Gut 30 Kilometer sind das vom Bereitstellungslager weg, so Sebastian Wels, der Einsatzleiter für die Radebeuler Kameraden.

Schlauch verlegen und Pumpe anschließen - bei den Feuerwehrleuten aus dem Kreis Meißen sitzen die Handgriffe.
Schlauch verlegen und Pumpe anschließen - bei den Feuerwehrleuten aus dem Kreis Meißen sitzen die Handgriffe. © Feuerwehr Radebeul

Der erste Einsatz am Mittwochvormittag lautet: Keller leer räumen, den Anwohnern helfen. Die Männer in den dunkelblauen T-Shirts und den Latzhosen der Feuerwehren aus dem Kreis Meißen packen ordentlich mit an. In dem Sinziger Wohngebiet stapeln sich Dinge - vom Wäschetrockner bis zur Waschmaschine - völlig verdreckt auf der Straße. Andreas Schorbogen, Coswigs Wehrleiter: „Von neun Häusern konnten wir die Keller leer räumen.“

Immer wieder gibt es Dank von den Rheinland-Pfälzern. Mancher, der die Aufschrift auf der Feuerwehrkleidung nicht sieht oder Riesa, Radebeul, Coswig, Großenhain oder Meißen eben noch nicht kennt, fragt nach, woher die Kameraden kommen. Reichlich 700 Kilometer sind sie gefahren, um zu helfen.

Kurz vor dem Mittag gibt es schon den nächsten Einsatzbefehl. Diesmal werden die starken Pumpen gebraucht. Die Realschule von Sinzig - nur 200 Meter vom eigentlichen Flussbett der Ahr entfernt - steht noch immer voller Dreckwasser. Also wieder auf die Fahrzeuge, Pumpenhänger in Stellung bringen, dicke Abpumpschläuche verlegen und die Motoren anwerfen.

Aufräumen in den Häusern von Sinzig - die Männer packen ordentlich an.
Aufräumen in den Häusern von Sinzig - die Männer packen ordentlich an. © Feuerwehr Coswig

„Mindestens bis 18 Uhr sind die Pumpen gelaufen. Der Schlamm macht Probleme, wir müssen immer wieder spülen“, sagt Richard Muschter. Er ist Sachgebietsleiter Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen im Landratsamt und leitet den Einsatz der Kameraden aus dem Kreis. Auch er schildert Begegnungen mit dankbaren Bürgern in Sinzig. Manche seien mit Wasserflaschen und Kaffeekannen auf dem Handwagen gekommen, um den Feuerwehrleuten Getränke anzubieten. Die Versorgung mit Mittagessen ist gut. Toilettenhäuschen wurden aufgestellt, so der Einsatzleiter.

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Am Abend fuhren die Feuerwehrleute wieder auf ihren Stellplatz am Nürburgring. Untergebracht im Bereitstellungsraum sind die Kameraden aus dem Kreis Meißen auf einem der Parkplätze, die bei den Rennen für die Besucher gedacht sind. Zelte und Feldbetten haben sie dabei. Etwa 500 Meter entfernt ist das Sozialgebäude für die Autorennen. Dort gab es Frühstück und dort sind auch die Sanitäreinrichtungen. Am Donnerstagmorgen werden die nächsten Einsatzbefehle erwartet, so Richard Muschter.

Die Kameraden aus dem Kreis Meißen nachts im Bereitstellungslager am Nürburgring.
Die Kameraden aus dem Kreis Meißen nachts im Bereitstellungslager am Nürburgring. © Feuerwehr Coswig

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