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Kameradschaftlichkeit leidet

Die Freiwillige Feuerwehr in Weinböhla hat keine Sorgen um den Nachwuchs - aber durch die Corona-Verbote gibt es keine Ausbildung mehr.

Im kommenden Jahr macht Eckhard Häßler sein 30. Jahr als Wehrleiter in Weinböhla voll. Dann will er die Verantwortung in jüngere Hände legen.
Im kommenden Jahr macht Eckhard Häßler sein 30. Jahr als Wehrleiter in Weinböhla voll. Dann will er die Verantwortung in jüngere Hände legen. © Arvid Müller

Während andere Wehren Probleme mit dem Nachwuchs haben, ganz abgesehen davon, dass es mancherorts mittlerweile an Männern und Frauen mangelt, die bei der Feuerwehr mitarbeiten wollen, ist Weinböhla in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Die Wehr wird seit Jahrzehnten von der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat, der ja die Bürger vertritt, sehr gut unterstützt. Das Feuerwehrgerätehaus ist in der Vergangenheit modernisiert worden, es mangelt weder an Fahrzeugen noch an Technik - wobei Eckard Häßler einschränkt, dass es natürlich immer Wünsche gebe.

Eine andere Besonderheit der 1902 gegründeten Wehr ist ihre Größe. Während in Gemeinden mit vielen Ortsteilen mehrere Ortswehren bestehen, ist in Weinböhla alles an der Friedensstraße konzentriert. Es gibt zwei Hallen für die Einsatzfahrzeuge, das Gerätehaus und das Hauptgebäude mit Schulungsräumen, der ortsfesten Befehlsleitstelle und Sanitärräumen - alles 2004 und 2005 um-, aus- und neu gebaut.

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„Wir haben so um die hundert Einsätze pro Jahr“, erklärt Eckhard Häßler, der die Weinböhlaer Wehr seit 1992 leitet. Im vergangenen Jahr sind es genau 93 gewesen, also etwa zwei pro Woche. Am 7. Juni etwa, gab es gleich zehn Einsätze auf einmal. Denn da hatte hatte sich eine Bremse eines Waggons heiß gelaufen und den Bahndamm der Leipziger Strecke zwischen Niederau und Coswig an mehreren Stellen entzündet. Es brauchte vier Stunden, bis die 19 Kameraden der Weinböhlaer Wehr, unterstützt von weiteren 19 aus Coswig und Niederau sowie vier aus Bärnsdorf die Brände gelöscht hatten. Im vergangenen Jahr habe es auch zwei Einsätze an der Straßenbahn mit Personenschäden gegeben, sagt Eckhard Häßler. Bei einem musste schwere Spezialtechnik aus Dresden zum Anheben der Straßenbahnwagen geholt werden. In diesem Jahr soll die Weinböhlaer Wehr einen Hebekissensatz bekommen, „er dient dem Anheben schwerer Lasten, etwa wenn eine Person eingeklemmt ist“.

Es ist Eckhard Häßler anzusehen, dass er mit der derzeitigen Situation nicht zufrieden ist. Bis zum März vergangenen Jahres habe man gemeinsam üben können, dann noch einmal ein paar Wochen im Sommer, seitdem sei Schluss. Die Kameraden und Kameradinnen - in der Weinböhlaer Wehr sind sieben Frauen aktiv - sehen sich nur noch zu den Einsätzen. Die Ausbildung in der Wehr ist auf Eis gelegt, ebenso sind es die Lehrgänge beim Landkreis, die vor allem der Grundausbildung jüngerer Kameraden dienen, und auch die Ausbildung an der Landesfeuerwehrschule für die Führungskräfte ist eingestellt.

„Es gibt einen regelrechten Ausbildungsstau, Handlungsabläufe können nicht trainiert und damit gefestigt werden“, so Eckhard Häßler. Auch die wichtige Auswertung nach den Einsätzen findet nicht mehr statt. Ebenso das sprichwörtliche Feuerwehrleben. „Die Kameradschaftlichkeit und die Geselligkeit leiden“, erklärt der 63-jährige Wehrleiter.

Schaut man auf die Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Weinböhla, so sind dort für 2021 bereits 13 Einsätze dokumentiert - das 120. Jahr in ihrer Geschichte hat begonnen.

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