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Keine Wege übers Land

Die Stadt Coswig gibt zwei Flurstücke ab - damit verschwinden zwei weitere alte Feldwege endgültig.

Noch ist dieser Feldweg in der Gemarkung Clieben ein öffentlich gewidmeter Weg. Auf seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch hat der Stadtrat seine Einziehung beschlossen.
Noch ist dieser Feldweg in der Gemarkung Clieben ein öffentlich gewidmeter Weg. Auf seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch hat der Stadtrat seine Einziehung beschlossen. © Norbert Millauer

Es ist ganz einfach: Man ruft die Seite www.geoportal.sachsen.de auf und klickt auf die Themenkarte „Flurstücke und Gemarkungen“. Dann trägt man ins Suchfeld „Gemarkung Clieben 84“ ein und schon wird der auf dem Foto zu sehende Feldweg als rot umrandeter Streifen in der Feldflur angezeigt. Über die Zukunft dieses knapp 240 Meter langen Weges und über die Flurstücke 327 und 354 der Gemarkung Brockwitz, die einen weiteren 460 Meter langen Feldweg bilden, hat der Stadtrat auf seiner letzten Sitzung am vergangenen Mittwoch in der Börse abgestimmt.

„Die Große Kreisstadt Coswig beabsichtigt die Einziehung öffentlicher als Feld- und Waldweg gewidmeter Wege“ war der entsprechende Tagesordnungspunkt überschrieben. Zur Begründung heißt es: „Die Wege sind in der Natur nicht mehr vorhanden, da sie mittlerweile landwirtschaftlich genutzt werden. Sie haben keinerlei Verkehrsbedeutung mehr. Die Erschließung anliegender Feldflurstücke ist trotzdem gewährleistet. Somit sind diese Wege für eine öffentliche Nutzung entbehrlich und können eingezogen werden.“ Allerdings zeigt das nebenstehende Foto, dass der Weg auf Brockwitzer Flur noch existiert.

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Was heißt Einziehung? Es heißt, dass die Stadt Coswig insgesamt drei Flurstücke an diejenigen Landwirtschaftsbetriebe abgibt, die die Wege heute als Anbauflächen nutzen bzw. noch als Feldweg. Auf die Frage, ob die Stadtverwaltung von den Landwirtschaftsbetrieben informiert worden ist, dass die Wege - also städtische Grundstücke - teils überackert worden sind, erklärte Bauamtschef Wolfgang Weimann: „Diese Wege sind schon zu DDR-Zeiten überackert worden. Zu dieser Zeit gab es Volkseigentum und vorwiegend zusammenhängende, von der LPG bewirtschaftete Ackerflächen.“

Und auf die Frage, woraus die Einschätzung resultiert, dass die Wege keinerlei Verkehrsbedeutung mehr haben, antwortete er, dass diese „Wege“ vor dem Überackern von landwirtschaftlichen Fahrzeugen, Radfahrern oder Fußgängern genutzt worden seien, sei anzunehmen, aber schon sehr lange nicht mehr möglich. Diese und einige andere solcher „Wege“ seien als städtische Flurstücke jedoch nur noch theoretisch auf der Flurkarte, aber in der Natur nicht mehr vorhanden. „Schon deshalb ist eine aktuelle Verkehrsbedeutung nicht mehr angezeigt.“

Ob es nicht möglich wäre, diese Wege wieder herstellen zu lassen, lautete eine weitere Frage. „Diese Wege dafür jetzt ohne triftigen Grund wieder herstellen zu lassen, wäre Willkür. Coswig verfügt über ein sehr großzügiges, nutzbares Wegenetz, sodass die Einziehung dieser Wege keinen gravierenden Eingriff darstellt. Es gibt in der näheren Umgebung alternative Wegebeziehungen“, erklärte der Bauamtschef dazu weiter. Von den 24 anwesenden Stadträten stimmen am vergangenen Mittwoch 23 für die Einziehung der beiden Feldwege. Einzig Jürgen Straube, der Vorsitzende der Fraktion Christliche Demokraten Coswig, enthielt sich der Stimme im Stadtrat.

Auf SZ-Nachfrage erklärte er, dass er sich die Bepflanzung der Flächen der beiden Feldwege mit Sträuchern und Bäumen hätte vorstellen können, was dem biologischen Schutz der Umgebung entgegenkommen würde. „Oder man müsste die Wege belassen, weil wir hier in Sörnewitz eine zunehmende Frequentierung unserer Gegend haben. Wenn Sie sehen, was hier an den Wochenenden abläuft, wie sehr die Bosel coronabedingt besucht wird, ist mir jeder Weg und jede pflanzliche Stelle zwischen den Feldern erholungstechnisch wichtig.“

Außerdem handele es sich bei den Wegen ja um städtische Flächen, „die haben wir jetzt kurzerhand einfach mal so rübergereicht, das ist das, was mich stört“.

Dem widerspricht Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos). „Die Stadt Coswig gibt grundsätzlich keine Grundstücke kostenlos ab. Es wird nichts verschenkt. Wir tauschen Flächen mit Landeigentümern.“ Dabei würden gleich große Flächen getauscht. Wo das nicht möglich sei, werde ein Wertausgleich in Form von Geld vorgenommen.

Und wie geht es nun weiter? Laut Sächsischem Straßengesetz muss die Absicht der Einziehung der Wege drei Monate vorher bekannt gegeben werden, um Gelegenheit zu Einwendungen zu geben. „Diese Einziehung wird im nächsten Coswiger Amtsblatt angekündigt und wird nach drei Monaten auch wieder im Amtsblatt verfügt, wenn es keine Einwände gibt.“

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