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Knallig bunte Naturmotive

Der 84-jährige Dresdner Bernd Siegel stellt noch bis Mai im Heimatmuseum Weinböhla seine Bilder aus.

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Museumsleiter Reinhard Krönert (links) und Künstler Bernd Siegel präsentieren die Acryl-Kreationen des ehemaligen Architekten.
Museumsleiter Reinhard Krönert (links) und Künstler Bernd Siegel präsentieren die Acryl-Kreationen des ehemaligen Architekten. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Die Heimat und ihre Künstler einmal kennenlernen. Im Heimatmuseum Weinböhla ist das jetzt auch außerhalb der eigentlichen Öffnungssaison möglich. Zwei Gäste aus Leipzig empfing Museumsleiter Reinhard Krönert bereits Anfang Februar. Die Architektin Dorit Hamann war in Begleitung ihres Sohnes zu Gast. Großes Interesse an der Ausstellung von Bernd Siegel aus Dresden herrscht im Ort.

Sie wird mindestens bis Mai dieses Jahres erhalten bleiben. In der Weinabteilung des Heimatmuseums im ersten Obergeschoss hängen zwölf großformatige Bilder. Gemalt hat Bernd Siegel mit Acrylfarben. Egal, ob „Siedlungsgefüge von Hohnstein“ (Sächsische Schweiz), „Winter in Ceska Kamenice“ (Tschechien), „Waldstück“, „Polenztal“, „Alt-Hirschstein oberhalb der Elbe“, „Siedlungsstruktur von Kleinsteinberg“ oder „Streuobstwiese bei Nieder-Lommatzsch“ - in knalligen Rot-, Grün- und Blautönen wird alles mal abstrakter, mal realer künstlerisch interpretiert.

Dass die Arbeiten in Weinböhla gezeigt werden, ist reiner Zufall. „Während der Corona-Zeit schlug meine Frau vor, mal nach Weinböhla zu fahren“, beginnt der Künstler, der am Dresdner Altmarkt beheimatet ist. „Mit der Straßenbahnlinie 4 sind wir durchgefahren und haben uns den Ort angesehen. Meine Frau wollte unbedingt in das Museum am Kirchplatz, es hatte aber geschlossen.“ Widerwillig habe er mit ihr gewartet, bis es öffnete. „Dann aber gefiel es mir sehr gut und ich bat darum, eine Auswahl meiner Bilder hier ausstellen zu dürfen.“ Museumsleiter Reinhard Krönert sagte sofort zu.

„Bei den Museumsgästen finden die Werke und auch das künstlerische Talent von Bernd Siegel große Anerkennung und Bewunderung“, sagt Reinhard Krönert.

Zu der Kunst kam Bernd Siegel eher durch seine berufliche Ausbildung. An der Technischen Hochschule bzw. später Universität Dresden studierte er von 1956 bis 1962 Architektur, bevor er anschließend in Projektierungsbüros und wissenschaftlichen Einrichtungen in Dresden, dem damaligen Karl-Marx-Stadt und Ost-Berlin arbeitete. Im Rahmen seiner Ausbildung blieb die Notwendigkeit des künstlerischen Gestaltens im Vordergrund. „Ich war eine Art Meisterschüler bei dem bekannten Grafiker, Maler und meinem Professor Georg Nerlich“, erinnert sich Bernd Siegel. Viel habe er sich bei seinem Professor abgeschaut, will aber auch seinen eigenen Stempel setzen. Charakteristisch für seine Bilder ist eine betonte Anwendung der Farben und die Hervorhebung der Flächigkeit sowie das Einbringen notwendiger Linien beziehungsweise Konturen, die zur Trennung der Formen im Bild dienen. „Der Inhalt der Bilder ist eine bewusste Abstraktion der Natur, während das Dargestellte nicht abstrakt ist“, so Bernd Siegel. Gerade im Werk „Waldstück“, einem Highlight der Ausstellung, ist seine Intension gut zuerkennen.

Was er früher im hauseigenen Atelier gemacht hat, will Bernd Siegel nun in seinem Apartment direkt am Altmarkt in Dresden weiterführen: Das Naturmotiv knallig und bunt auf die Leinwand setzen. Mit bald 85 Jahren aber nicht mehr im Stehen, sondern entspannt, ruhig und ganz bewusst genüsslich im Sitzen.

Das Heimatmuseum auf dem Kirchplatz 19 in Weinböhla öffnet nach telefonischer Anmeldung unter der Nummer 035243 37216. Zum Frühlingsfest am 27. März ist die Ausstellung ab 13 Uhr zugänglich. Auch die Sonderausstellung „120 Jahre freiwillige Feuerwehr“ bleibt bestehen.