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Die Kunst hilft beim Sehen

Die Ausstellung „Überblick – Bilder aus fünf Jahrzehnten“ von Peter Pit Müller vereint frühe und neue Werke, die nach seiner Augenerkrankung entstanden sind.

Der Künstler Peter Pit Müller steht
in der Stadtgalerie in Radebeul in seiner Ausstellung, bei der er einen Einblick in 50 Jahre seines Schaffens gibt.
Der Künstler Peter Pit Müller steht in der Stadtgalerie in Radebeul in seiner Ausstellung, bei der er einen Einblick in 50 Jahre seines Schaffens gibt. © Norbert Millauer

Von Lilli Vostry

Radebeul. Blicke auf ein vielseitiges Malerleben. Peter Pit Müller sieht seine Bilder anders heute. Sie sind ihm immer noch nahe, aber er erkennt nur noch verschwommen die Umrisse. Sein Sehen hat sich sehr verändert seit einer Augenerkrankung, Makula-Regeneration genannt, die er 2016 bekam.

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„Für einen Maler geradezu eine Katastrophe“, sagt Müller. Durch Spritzen wurde das Fortschreiten der Erkrankung zwar aufgehalten. Doch er habe nur noch 20 Prozent seines Sehvermögens. Er kann nicht mehr Auto fahren, zwar schreiben, aber nur mit speziellem Lesegerät lesen. Drei dunkel abstrakte Zeichnungen von 2017 zeigen diesen Zustand. Ein kleineres Bild mit Kellergewölbe, in das durch einen Spalt Licht einfällt, steht symbolisch für seine damalige Situation, die Beklemmung, Angst vor Erblindung und die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer wird. „Ich habe neu sehen gelernt“, so Müller.

Malerei ging zwei Jahre nicht

So ist im doppelten Sinne auch der Titel der derzeitigen Ausstellung „Überblick - Bilder aus fünf Jahrzehnten“ von Peter Pit Müller in der Stadtgalerie Radebeul in Altkötzschenbroda 21 zu verstehen, die anlässlich seines 65. Geburtstages stattfindet. Und weil er noch mal neu startet als Bildender Künstler.

Malerei ging zwei Jahre nicht. So beschäftigte er sich intensiv mit Zeichnungen, um die Sehnerven zu verbessern und wieder zu erkennen, „was ich mache“, so Müller. Er musste sich eine völlig neue Motorik aneignen. Dadurch bekomme er auch eine neue Sichtweise. „Die Kunst gibt mir Halt.“ Schrittweise erobert sich Müller in Eigentherapie sein Sehen malend zurück. „Innere und äußere Zustände miteinander in Einklang bringen“, darauf kommt es ihm an. Er malt so, wie er sich empfindet, kann sich die Welt nicht schön malen.

Frühe und neue Arbeiten

Ein Bild, eine Elbelandschaft mit Dampferanlegestelle hat Müller mit der Lupe gemalt, die groben Flächen mit pastosem Farbauftrag und die fein kräuselnden weißen Wellen. Zu sehen ist auch eine Landschaft am Achterwasser in Usedom mit Schilf in lichten Pastelltönen, gemalt mit Spachtel und zarten Pinselstrichen die Halme. Das Bild entstand im Frühjahr vorigen Jahres. Noch frisch nach Farbe duften die farbexplodierend zinnoberroten Blütenkelche auf der Leinwand. „Ich bin auch wieder lebensoptimistischer“, sagt Peter Pit Müller. Dank der vielen Hilfe, die ihm zuteilwerde in Künstlergruppen, der Familie und durch gute Freunde.

Die Ausstellung versammelt frühe und neue Arbeiten Müllers. Ölbilder, Grafiken nach einem selbst entwickelten Gipsdruckverfahren, Plakate zu den Karl-May-Festspielen und Skizzen, darunter Porträts, Akte, Tanzende, Fabrik- und Großstadtszenen und Landschaften, in denen sich Figürliches und Abstraktes oft expressiv farbig mischen, die frisch und zeitlos wirken.

Führung am 15. August

Auf weißer Seide gezeichnete Gesichter hängen luftig im Raum, das Stoffbild stammt von einer Ausstellung 2001 in Havanna. Es sind auch Stücke in Watteau-Malerei mit barocken Szenen und ein Heft mit Arbeitsproben noch aus seiner Zeit als Porzellanmaler in Freital zu sehen. Er hat von 1977 bis 1982 Malerei und Grafik an der Dresdner Kunsthochschule studiert und von 1994 bis 1996 Kunsttherapie. Seit 1982 lebt und arbeitet Peter Pit Müller freischaffend als Maler und Grafiker in Radebeul. Eine Führung mit dem Stadtgaleristen Alexander Lange gibt es zum Abschluss der Ausstellung am 15. August, 16 Uhr.

Geöffnet: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

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