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Durchbruch bei Verhandlung um Indianerskalp

Die Karl-May-Stiftung Radebeul will menschliche Überreste in die USA zurückführen. Botschaft und Auswärtiges Amt sind eingeschaltet.

Abbildungen von Skalpen im Karl-May-Jahrbuch. Bei seinen Reisen als Artist in den USA hat Patty Frank diese Trophäen von Indianern erworben und mit nach Radebeul ins von ihm gegründete Museum gebracht.
Abbildungen von Skalpen im Karl-May-Jahrbuch. Bei seinen Reisen als Artist in den USA hat Patty Frank diese Trophäen von Indianern erworben und mit nach Radebeul ins von ihm gegründete Museum gebracht. © Karl-May-Museum

Radebeul. Seit über sechs Jahren wird gestritten um menschliche Überreste von Indianern, die im Radebeuler Karl-May-Museum ausgestellt waren. Es geht um einen Skalp. Ein Stück Kopfhaut mit Haaren. Die typische Beute, welche die Indianer in Nordamerika bei kriegerischen Auseinandersetzungen dem Gegner vom Kopf schnitten und als Trophäe ausstellten.

Der Skalp ist vor über 100 Jahren vom Gründer des Karl-May-Museums, Patty Frank, auf seinen Reisen als Zirkusartist in den USA erworben worden. Im Besitz soll ihn ein Dakota-Häuptling gehabt haben. Es soll die Kopfhaut eines anderen Häuptlings gewesen sein. Als Ehre gegenüber dem getöteten Häuptling hat der Sieger den Skalp aufgespannt und mit Federn und Perlen versehen. So hat ihn Patty Frank damals erworben und so wurde er im Radebeuler Museum viele Jahre gezeigt.

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Doch die Ansichten zu solchen menschlichen Überresten haben sich geändert. Heute herrscht einhellig die Meinung, dass diese dorthin, wo sie herstammen, zurückgeführt werden sollen.

Seit sechs Jahren wurde zum Häuptlingsskalp geforscht. Der heutige Museumsdirektor und bisherige Kurator Robin Leipold hat zusammen mit dem Sault Ste. Marie Tripe (Stamm) der Chippewa Indianer nach der Geschichte des Skalpes gesucht. Bereits 2014 haben das Karl-May-Museum und die Indianer dazu eine Erklärung abgegeben. Allerdings: Die genaue Herkunft, von welchem Indianerstamm er wirklich erbeutet wurde, das fand bisher niemand heraus.

Sogar das US-State Department, das Innenministerium, arbeitete an dem Thema, um eine Lösung zu finden. Zuletzt schalteten sich sogar die Botschaft der USA in Deutschland und das Auswärtige Amt der Bundesrepublik ein. Karl-May-Stiftungsvorstandsvorsitzender Volkmar Kunze betätigt: „Das Auswärtige Amt wartet auf unsere Nachricht, wie wir verfahren mit dem Skalp.“

Entscheidung ist gerade gefallen

Die Entscheidung dazu ist an diesem Wochenende gefallen. Der Vorstand der Karl-May-Stiftung und das Kuratorium haben mit großer Mehrheit dafür gestimmt, den Skalp zu übergeben. Kunze: „Das kann aber niemand von uns tun. Menschliche Überreste kann nur ein Diplomat ganz offiziell in die USA transportieren. Wir werden uns jetzt mit den zuständigen Stellen in Verbindung setzen.“

Vor allem die Stämme der Ojibwa-Indianer in den USA hatten Rechte an dem Skalp angemeldet. Nachgewiesen werden konnte die Abstammung von diesem Volk jedoch nicht. Zuletzt war die Rede davon, dass die Ojibwa stellvertretend für auch andere Stämme das menschliche Relikt übernehmen könnten.

Wenn es in den nächsten Wochen oder Monaten so kommt, dass der Radebeuler Skalp im US-Konsulat in Leipzig oder in der Botschaft in Berlin feierlich übergeben wird, dann auch wirklich nur die Kopfhaut, sagt Karl-May-Museums-Direktor Robin Leipold. Rehumanisierung wird dieser Vorgang genannt. Der menschliche Überrest wird symbolisch wieder Mensch und kann in den USA bestattet werden und die Seele des Getöteten ihre Ruhe finden.

Illustration zu Patty Franks Skalp-Geschichte. Er war der Gründer des Karl-May-Museums.
Illustration zu Patty Franks Skalp-Geschichte. Er war der Gründer des Karl-May-Museums. © Karl-May-Museum Radebeul

Mit dem Schmuckwerk zum Skalp, so Museumsdirektor Leipold, wolle man die Geschichte der einstigen Trophäe und deren Weg vom Dakota-Häuptling zu Patty Frank nach Radebeul und wieder zurück in die amerikanische Heimat darstellen.

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Léontine Meijer-van Mensch, die Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen und Mitglied im Vorstand der Karl-May-Stiftung, sieht in der Entscheidung zur Rückführung noch viel mehr: „Ein Museum ist heutzutage nicht nur eine Sammlung von Objekten, sondern ebenso von Netzwerken. Die Beziehung, die bei der Forschung am Skalp zu den Indianern aufgebaut wurde und jetzt ein gutes Ergebnis hat, kann weitergeführt werden.“ In Deutschland sei es seit langem ein Recht, menschliche Überreste an deren Geburtsstätte zurückzuführen, so Léontine Meijer-van Mensch. Für ein privates, von einer Stiftung getragenes Museum, sei das ein großer und mutiger Schritt.

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