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Kunstwerke aus Abfallholz

Elvi Schmidt aus dem Coswiger Ortsteil Sörnewitz macht aus sogenannten Waldbärten faszinierende Felsenstädte.

Elvi Schmidt zeigt
einen sogenannten
Waldbart, wie er
beim Fällen von
Bäumen entsteht,
aus dem sie eine
ihrer Felsenstädte
geschaffen hat.
Elvi Schmidt zeigt einen sogenannten Waldbart, wie er beim Fällen von Bäumen entsteht, aus dem sie eine ihrer Felsenstädte geschaffen hat. © Norbert Millauer

Wissen Sie, was ein Waldbart ist? „Als Waldbart wird in der Forstwirtschaft der am Stamm eines gefällten Baumes verbliebene, ausgefranste Rand der Bruchleiste bezeichnet. Er ist meist ein Hinweis auf eine gute und sichere Fälltechnik.“ So ist es bei Wikipedia zu lesen. Man sieht Waldbärte an den Stubben von gefällten Bäumen als nach oben spießende Reihe von Holzfasern. Ein guter Waldarbeiter schneidet den Stubben mit seiner Motorsäge am Ende gerade, der Waldbart bleibt liegen. Solche Fundstücke sind ein Fest für Elvi Schmidt. Die Künstlerin aus dem Coswiger Ortsteil Sörnewitz sammelt diese Abfallstücke, um Kunstwerke daraus zu machen. So entstehen ganze Felsenstädte, die entfernt an die fantastischen Ansammlungen von Lehmhochhäusern im Jemen oder in Marokko erinnern.

„Ich habe schon als Kind mit dem Vater Sachen im Wald gesammelt und etwas daraus gemacht“, erzählt die Künstlerin, die am 3. November 74 wird. Und auch heute, so erzählt sie, geht sie nie in den Wald, ohne etwas mitzubringen. Ihr Mann, Peter A. Schmidt ist dabei der ideale Begleiter, hat er doch lange Jahre als Professor für Forstwissenschaften an der TU Dresden gelehrt und ist Baumkundler mit Herz und Seele. Erst im Frühjahr hat er den städtischen Baumpfad an der Bosel mit eingeweiht.

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Das Holz wird nicht nur geschliffen und bemalt, sondern etwa auch mit Perlen oder Glaskugeln drapiert.
Das Holz wird nicht nur geschliffen und bemalt, sondern etwa auch mit Perlen oder Glaskugeln drapiert. © Norbert Millauer

Was die Waldbärte betrifft, so schleift Elvi Schmidt kleinere Partien ab, um gerade Flächen zum Bemalen zu erhalten. „Ich habe meist eine Idee“ sagt sie und zeigt auf einen mächtigen rot bemalten Waldbart: „Felsenstadt nenne ich das. Die aufstrebenden Strukturen sind einer Stadt sehr ähnlich.“ Die unzähligen feinen „Haare“ eines Waldbarts zu bemalen, ist „eine sagenhafte Arbeit“. Doch dabei bleibt es ja nicht. Elvi Schmidt schmückt ihre Felsenstädte mit Perlen, Glaskugeln und anderen Accessoires. Und wenn ihr ihr Formempfinden sagt, dass der zu bearbeitende Waldbart ins Gleichgewicht gebracht werden muss, dann setzt sie auch Hölzer ein. Manchmal blendet sie „Häuserzeilen“ vor oder beklebt Flächen mit Papieren.

Elvi Schmidt hat in Greifswald studiert und war von 1970 bis 1988 Lehrerin für Kunsterziehung und Geschichte in Neubrandenburg. Von 1989 bis 2005 unterrichtete sie am Pestalozzi-Gymnasium in Dresden. Seit 2005 ist sie im Ruhestand, ihr Atelier hat sie weit oben, auf der Bosel. Dort ist zu sehen, dass Elvi Schmidt eigentlich Malerin ist. Weniger die menschliche Figur als Landschaften und Stillleben sind ihr Metier. Natürlich ist sie auch Zeichnerin und die Plastik erschöpft sich nicht in den Waldbärten. Sie baut Figuren aus Holz und ihr Haus wird von einem ganzen Wald von Eulen bevölkert. Sehr gern arbeitet die Künstlerin auch mit Schwemmholz, das sie teilweise mit Seidenpapier kaschiert und dann bemalt.

Mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken versuche sie, die Formenvielfalt des Holzes und die unendlich große Bandbreite der Holzstrukturen sichtbar zu machen, erklärt Elvi Schmidt. „Es ist für mich immer wieder spannend, auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Holzstücke mit interessanten Formen zu suchen und in Fantasiefiguren oder Felsenstädte zu verwandeln.“

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