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Ministerin besucht Radebeuls "Kulturfabrik"

Barbara Klepsch lässt sich vom Intendanten durch die Landesbühnen in Radebeul führen. Im Gespräch geht es nicht nur um Kunst.

Staatsministerin Barbara Klepsch (r.) besucht auf ihrer Regionalreise durch den Landkreis Meißen die Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Intendant und Geschäftsführer Manuel Schöbel (M.) führte durch das Haus.
Staatsministerin Barbara Klepsch (r.) besucht auf ihrer Regionalreise durch den Landkreis Meißen die Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Intendant und Geschäftsführer Manuel Schöbel (M.) führte durch das Haus. © Norbert Millauer

Von Maria Knorr

Radebeul. Reges Gebrabbel herrscht im Foyer der Landesbühnen Sachsen. Ein paar Menschen stehen beieinander und warten gespannt. Unter ihnen ist Matthias Rößler (CDU), Präsident des Sächsischen Landtages, und der Bürgermeister der Stadt Radebeul, Bert Wendsche (parteilos). Da geht die Tür auf: „Hier ist nur die Vorhut“, scherzt Manuel Schöbel, Intendant der Landesbühnen Sachsen, und bereitet den Weg für Barbara Klepsch (CDU), Staatsministerin für Kultur und Tourismus. Beide verneigen sich zur Begrüßung voreinander.

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Das ist ihr dritter Termin heute, es ist warm und der Tag noch lange nicht zu Ende. Wie es dem Theater jetzt in der Corona-Situation geht, und vor allem: wohin es demnächst geht, würde die Ministerin interessieren. Auch dem Intendanten, Manuel Schöbel, brennen offensichtlich Themen unter den Nägeln, die er gerne besprechen würde. „Das Theater modernisiert sich, auch eine neue Generation sitzt im Publikum mit anderen Erwartungen“, sagt er und fügt knapp hinzu: „Es ist nicht mehr so idyllisch.“ Aber bevor sie sich zum Expertenaustausch zurückziehen, möchte der Intendant der Ministerin und den anderen Gästen erst einmal bei einem Rundgang durch das Gelände einen Eindruck von „seinem“ Theater und den Werkstätten vermitteln.

So modern und transparent, wie das Gebäude heute wirkt, mit seinem großzügigen Foyer und der breiten Fensterfront, erinnert es kaum noch an das ortstypische Weinberghäuschen „Goldene Weintraube“ das es einmal war. Auch das Theater der Jungen Generation und die Operette in Leuben haben in solchen Ausflugsgaststätten residiert. „Die anderen hat es in die Mitte gezogen. Wir sind eine Landesbühne für ganz Sachsen geblieben und gleichzeitig Stadttheater für Radebeul“, beschreibt Schöbel die Ausrichtung seines Hauses. Was die Ministerin mit einem wohlwollenden „Schön“ kommentiert.

Anspielung auf Theater unter Corona-Bedingungen

Der Rundgang durch die Räumlichkeiten beginnt mit dem Vorstellungssaal. Auch hier ist alles auf dem neuesten technischen Stand. „Wir haben eine tolle Beleuchtungstechnik und auch die Tontechnik ist moderner geworden. Die macht ordentlichen Sound“, schwärmt Schöbel. Auf der Bühne stehen fünf Stühle: das bescheidene Bühnenbild für das Operetten-Pasticcio „Dinner for five“, das derzeit gespielt wird. Eine kleine Anspielung auf Theater unter Corona-Bedingungen. „Mehr als fünf Menschen, die mitwirken im Gesangstheater, passen nicht hin, wenn drei Meter Abstand in alle Richtungen gehalten werden muss“, erklärt Schöbel den Anwesenden.

Auf der Probebühne begutachtet die Ministerin eine Pferde-Attrappe.
Auf der Probebühne begutachtet die Ministerin eine Pferde-Attrappe. © Norbert Millauer

Weiter geht es durch Technikräume. Eine Werkshalle folgt auf die Nächste. Überall herrscht geschäftige Betriebsamkeit, sind Kostümbildner, Dekorateure, Malerinnen und Theaterplastiker am Arbeiten. Im Raum der Probebühne erklärt der Intendant, wie die Räumlichkeiten umgebaut und den Bedürfnissen angepasst wurden. Klepsch nickt, lächelt und beschaut eine kleine Pferde-Attrappe. „Die beißen nicht“, sagt Schöbel. Fotos werden geschossen. Und nun möchte es die Ministerin doch schon wissen: „Wie klappt es denn in der Praxis mit den Corona-Hilfen und speziell der Abrechnung im technischen Verfahren?“, fragt die Kulturministerin und ehemalige Finanzexpertin. Was die Verwaltungsmitarbeiterin der Landesbühnen antwortet, klingt kompliziert und nach bürokratischem Aufwand. „Nicht alles hat ideal funktioniert, aber die Mitarbeiter haben das mitgetragen und waren zufrieden mit dem, was das Land bereitstellen kann in so einer Scheiß-Situation, die es ja wirklich war“, wirft Schöbel ein. „Wir sind in keiner Weise unter Druck gesetzt worden“. Dankbar ist er vor allem, dass der Theaterbetrieb auch mit weniger Publikum weiterlaufen durfte und nicht, wie andernorts, aussetzen musste, weil Stadträte der Meinung waren, es lohne sich nicht mit so wenig Zuschauern.

Der Tross ist nun der Montagehalle angelangt. Stolz präsentiert Schöbel die „Geld- und Zeit-Sparmaschine“ wie die Theaterleute sie nennen. Mit Lastenzügen – die Ebenen gleich an den Transportraum angeschlossen – können hier komplette Bühnenbilder mit über sieben Meter Raumhöhe aufgebaut, und so die Bühnenwirkung eines entstehenden Werkes geprüft werden.

In der Schneiderei, wo die Kostümvorbereitung stattfindet, ist das Interesse von Barbara Klepsch geweckt. Kleine bemusterte Stoffproben pflastern den Schreibtisch. Sie befühlt ein Stück Stoff. „Zu jedem Muster suchen wir das passende Material, damit es die gewünschte Wirkung optimal zur Geltung bringt. Das Muster haben wir jetzt ausgewählt“, erklärt Sebastian Ritschel, der Operndirektor, was er gerade tut. „Ach, hier muss ich mir also keine Gedanken mehr machen“, lächelt die Ministerin und legt die Stoffprobe zurück auf den Tisch.

Mehr als nur ein Theater

Mittlerweile befinden sich alle auf dem Hof des Geländes. Wo genau, kann kaum einer der Gäste sagen. Spätestens hier wird klar, dass die Landesbühnen Sachsen mehr als ein modernes Theater sind. Es ist eine gigantische Kulturfabrik, in der Opern, Musicals, Märchentheater und vieles mehr entstehen. Kulissen, Kostüme, Bilder – was hier in Handarbeit künstlerisch entsteht und lagert, wird an den Spielstätten in ganz Sachsen eingesetzt. Alles wird so gebaut, dass es auch an anderen Bühnen verwendet werden kann.

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Das ist es, was die Landesbühnen aus Sicht des Ministeriums für Kultur und Tourismus so wertvoll macht. „Weil sie an vielen Standorten tätig sind, nicht nur in Radebeul, strahlen sie aus und bringen Kultur auf hohem Niveau ins Land. Sie sind ein wichtiger kultureller Ort“, so der Pressesprecher der Ministerin, Jörg Förster. Das Land, das ist der Kulturraum für deren Finanzierung die Ministerin für Kultur und Tourismus zuständig ist. Die Finanzierung der Landesbühnen ist direkt dem Finanzministerium zugeordnet. Das ist nicht unwesentlich, denn hier stellt sich die Frage nach gemeinsamen Schnittstellen und Stellschrauben.

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