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Kein Fest wie jedes andere

Über das 28. Winzerstraßenfest in Weinböhla freuten sich vor allem die Standbetreiber. Auch wenn der erwartete Besucheransturm ausblieb.

Winzerstrassenfest in Weinböhla unter erschwerten Bedingungen: Am Stand des Weingutes Schuh aus Sörnewitz wird Goldriesling ausgeschenkt.
Winzerstrassenfest in Weinböhla unter erschwerten Bedingungen: Am Stand des Weingutes Schuh aus Sörnewitz wird Goldriesling ausgeschenkt. © Norbert Millauer

Von Beate Erler

Weinböhla. Der Mann der Stunde lädt auf dem Festgelände am Zentralgasthof direkt zum Gläschen Wein ein. Schließlich ist ja auch Winzerstraßenfest. Einen Kerner vom Meißner Weingut Vinzenz Richter gibt es. „Auf das Leben“, sagt Andreas Weidmann und hebt das Glas. Dass es in diesem Jahr nicht einfach nur ein Straßenfest ist, sehen die Besucher sofort. Mit zahlreichen Corona-Auflagen durfte es schließlich doch stattfinden und dafür wird dem Organisator und Vorsitzenden des Fest- und Heimatvereins Weinböhla viel Lob entgegengebracht. Immer wieder kommen Leute und klopfen ihm anerkennend auf die Schulter.

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Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Eine Absage des jährlich größten Festes der Gemeinde wäre für alle ein Rückschlag gewesen und besonders für die Standbetreiber, die ihr Geld ausschließlich auf Veranstaltungen wie diese einnehmen. „Das Leben muss weitergehen“, sagt Andreas Weidmann. Deshalb wollten er und die übrigen Vereinsmitglieder sich mit der Absage des Gesundheitsamtes Meißen nicht abfinden.

Eigentlich hatten sie mit 5.000 Besuchern pro Tag geplant, aber das wären für die eventuelle Nachverfolgung zu viele gewesen. Genehmigt wurde schließlich, dass sich an den drei Festorten, Zentralgasthof, Kirchplatz und Peterkeller, zeitgleich insgesamt nur 1.350 Gäste aufhalten dürfen. Sonst bevölkert das Winzerstraßenfest den gesamten Dorfkern und die Höfe rund um den Kirchplatz. Am Samstagabend ist die Hauptstraße fast leer. Auch die Geschäfte, die sonst immer offen stehen, sind geschlossen. Start für das Winzerstraßenfest war Freitag und Samstag erst 17 Uhr. Für die Gewerbetreibenden scheint sich das nicht zu lohnen.

Feste mit zweierlei Maß gemessen

Trotzdem haben sich einige auf den Weg zum Weinfest der besonderen Art gemacht. Besonders auf dem Gelände des Zentralgasthofs tummeln sich schon einige Besucher. Andreas Weidmann hätte sich etwas mehr Trubel gewünscht: „Am Freitagabend waren es vielleicht 1.000 Gäste“, sagt er. Der Eintritt kostest drei Euro und davon muss alles bezahlt werden: Die Security-Männer, die Johanniter, der Bauzaun und die Musiker.

Manche Leute haben keine Lust oder kein Verständnis für die Corona-Auflagen und würden gleich wieder gehen, sagt der junge Mann am Einlass. Dort muss jeder Besucher zuerst Namen, Adresse und Kontaktmöglichkeit hinterlassen und den Personalausweis vorzeigen. Das Gelände ist von einem Bauzaun umgeben und bei all den Pfeilen und Schildern, die das Einbahnstraßensystem kennzeichnen, muss man aufpassen sich nicht zu verirren. „Das ist peinlich“, sagt ein älteres Paar, schüttelt mit den Köpfen und geht wieder.

Ein Händler wundert sich, dass am gleichen Tag in Dresden der Christopher-Street-Day stattfinden darf: „Dort waren wirklich viele Leute und die lagen sich teilweise in den Armen“, sagt er, „und hier werden solche Auflagen gemacht.“ Die Gemeinde Weinböhla verweist auf ihrer Internetseite eher vorsichtig auf die Mund- und Nasenbedeckung: „In den Bereichen des Einbahnstraßensystems, der Einlässe sowie der Plätze ist das Tragen einer Mund- Nasenbedeckung für alle notwendig“, steht da.

Rätselraten um Radebeuler Weinfest

Zumindest auf dem Festgelände trägt aber keiner der Gäste eine Maske. Es ist genügend Platz und wie soll man mit einer Maske sein Glas Wein trinken und Baumstriezel essen? Das süße Hefeteiggebäck gehört zu jedem Straßenfest dazu. Nur gab es davon in den letzten Monaten kaum welche. Steffi Frenzel steht mit ihrem Baumstriezel-Stand heute zum ersten Mal in diesem Jahr wieder auf einem Fest: „Wie soll es einem gehen, wenn man seit Ende 2019 keine Einnahmen hat“, antwortet sie. In normalen Jahren ist die Dresdnerin auf 63 Veranstaltungen in ganz Sachsen unterwegs.

So wie ihr geht es fast allen Standbetreibern. Auf dem Winzerfest stehen sonst 140 Stände, in diesem Jahr sind es nur 30. Andreas Weidmann kennt bereits fünf Händler, die schon Ende Juli ihr Geschäft aufgeben mussten. Steffi Frenzel ist seit Jahren auf dem Winzerstraßenfest dabei: „Ich freue mich riesig, dass Weinböhla den Anfang gemacht hat“, sagt sie und hofft, dass viele nachziehen. Auf die sichere Zusage vom Radebeuler Weinfest hofft und wartet sie noch. Die Hütten sind geputzt und sauber und warten darauf, dass es wieder losgeht.

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