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Zwischen Wellen, Welten und Aufbrüchen

In der Stadtgalerie zeigen Künstler aus Radebeul und Umgebung aktuelle Werke. Die Schau ist live und virtuell zu erleben.

Blick in die Stadtgalerie: Rechts ist der „Wellenmacher“ von Reinhard Zabka zu sehen. Auf zwei Etagen präsentieren 56 Künstler ihre Arbeiten.
Blick in die Stadtgalerie: Rechts ist der „Wellenmacher“ von Reinhard Zabka zu sehen. Auf zwei Etagen präsentieren 56 Künstler ihre Arbeiten. © Arvid Müller

Radebeul. Vogelgezwitscher kommt von einem Tonband und ist in der Radebeuler Stadtgalerie zu hören. In einer Ecke schwingt ein Sägeblatt auf einer Säule hoch und runter. An der Spitze dreht sich eine Zitronenpresse im Kreis. Das Konstrukt erinnert an ein Astronomiemodell. Die Plastikpresse könnte der Mond sein, der sich um die Erde dreht. Oder ist es doch unser Planet, der die Sonne umläuft?

Saures beherrscht im übertragenen Sinne seit über einem Jahr unseren Alltag. Bis auf ein Intermezzo im vorigen Sommer fällt all das, was das Leben versüßt, wie Theater, Konzerte, Kino oder ein Restaurantbesuch mit Freunden, flach. Das kulturelle Leben steht still. Zaghaft lassen die sinkenden Coronazahlen und vorsichtigen Lockerungen sowie ersten Öffnungsschritten auf die Rückkehr dessen, was einst als normal galt, hoffen. Dazu gehört auch der Besuch einer Galerie. Die der Lößnitzstadt hat in Altkötzschenbroda nach wiederholten Zwangspausen wieder geöffnet.

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Feste Tradition

"Ende der Saison" lautet der Titel des Ölbildes von Karen Graf.
"Ende der Saison" lautet der Titel des Ölbildes von Karen Graf. © Arvid Müller

„Wellenmacher“ hat der Künstler Reinhard Zabka sein kinetisches Objekt mit dem schwingenden Sägeblatt genannt. Und mehrere Wellen der Coronapandemie haben wir bereits durchlaufen. Die jetzt abebbende war hoffentlich die Letzte.

Es ist eine feste Tradition, dass die Stadtgalerie neben Werkschauen und Personalausstellungen einmal im Jahr Arbeiten aus verschiedenen Genres wie Zeichnung, Malerei, Grafik, Fotografie, Video, Plastik und Installation von mehreren Künstlern aus Radebeul und Umgebung zeigt. Normalerweise findet dieses multimediale Projekt im Sommer statt. Doch dieses Mal wollte Stadtgalerist Alexander Lange den Kunstschaffenden im Frühjahr ein Podium bieten - daher die Vogelstimmen.

Vorwiegend Arbeiten aus den Jahren 2020 und 2021

Als die Idee im vorigen Jahr reifte, war es als ein Aufbruch der Kunst, für den das Frühjahr steht, gedacht. Doch mit der nicht enden wollenden Coronakrise wandelte sich das Motto zwischen den Wellen sowie den nicht nur von Künstlern erlebten Welten, mit der ersten Isolation und den Kontaktbeschränkungen im vorigen Frühling, den Öffnungen über die Sommermonate hinweg und dem erneuten Lockdown seit vergangenem November. „Zwischen den Well(lt)en“ lautet nun der Titel der Schau, zu der 56 Kunstschaffende Werke beigetragen haben. Vorwiegend sind die Arbeiten 2020 und 2021 entstanden. Und in der Zeit haben sich ihre Schöpfer mit der Corona-Pandemie auseinandergesetzt. Denn, auch wenn sich ihnen kaum bis keine Möglichkeiten boten, auszustellen, sind sie nicht untätig geblieben.

So vielseitig die Genres, so unterschiedlich sind die Sichtweisen auf die vergangenen Monate. Einige Werke vermitteln eine Aufbruchstimmung, die Hoffnung, dass bald die Pandemie überstanden ist. Andere zeugen von Ängsten und Sorgen. In manchen ist beides vereint. Im Holzschnitt „Im Fluss“ von Friederike Curling-Aust beispielsweise sitzt eine Frau in einem Boot. Sie scheint Flussfahrt und Sommerfrische zu genießen - so wie es viele an einem Wochenende oder im Urlaub tun und bald wieder machen werden. Und dennoch ruft die Szene beim Betrachter eine gewisse Melancholie hervor. Denn die Frau sitzt allein, nur das sie umgebende Wasser ist zu sehen, kein Ufer, kein Horizont. Wohin wohl die Bootsfahrt, die Reise, geht?

Neben Malerei gibt es auch Keramiken und Skulpturen zu sehen.
Neben Malerei gibt es auch Keramiken und Skulpturen zu sehen. © Arvid Müller

Bis 13. Juni 2021 ist die Ausstellung zu sehen. Besuchstermine sind montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr auf der Internetseite buchbar. Dort ist zudem ein virtueller 3-D-Rundgang zu finden. Am 12. Juni ist um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) eine Finissage mit Künstlerfest geplant.

www.radebeul.de/stadtgalerie

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