Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Meißen
Merken

Läuft in Boxdorf

Eine Oberschule in Boxdorf avanciert zum Magnet für Hospitanzen. Der „Moritzlauf“ der Kurfürst-Moritz-Schule in Friedewald ist nur ein Grund dafür.

 4 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Moritzlauf in Boxdorf.
Moritzlauf in Boxdorf. © Beatrice Fischer

Von Beatrice Fischer

Moritzburg. „Hier auf dem Dorf kommen Sie ohne Auto nicht vorwärts.“ Die Frau, die eben noch an der Parkplatzsituation unweit des Dippelsdorfer Teiches verzweifelte, nimmt mich ein Stück mit und schimpft, aber nur ein wenig - das sei nicht optimal gewesen mit den Parkplätzen. Für diesen Samstag habe sie genug.
Bereits vormittags fand sich keine Lücke mehr in Friedewald. Autos mit Signets und Logos regionaler Unternehmen standen dicht an dicht. Es galt, Equipment und Gaumenfreude aufs Gelände am Dippelsdorfer Teich zu bringen; ohne Umwege, ohne Mühsal. 800 Würste, Kuchen, Senfkübel, Brauseflaschen, ebenso technisches Gerät, wie man es für Feste sowie einen für Kinder und Jugendliche geplanten Spenden-Lauf benötigt.

Am See wachte ein Einsatzfahrzeug der Malteser, in der Nähe des Löschfahrzeuges der Freiwilligen Feuerwehr Reichenberg tummelten sich Neugierige, lugten hinter dem Lenkrad hervor, löcherten Rettungskräfte mit Fragen. Auf dem Podest am Roten Haus, einst Rückzugsort der Brücke-Künstler, übernahm „DJ Auguszt“ Moderation und Musikauswahl, Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) begrüßte Kinder und Eltern persönlich.

Fröhliches Gewimmel

Als 10 Uhr der erste Staub aufwirbelt und Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen der Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf, ausgestattet mit Transpondern zur Zeiterfassung, den Moritzlauf eröffnen, herrscht fröhliches Gewimmel auf dem Gelände, Eltern sorgen für reibungslosen Ablauf, sogar einstige Schüler haben sich eingefunden. Diese Oberschule sei nicht allein aufgrund guter Abiturabgänge speziell, so munkelt man im Umland und weit darüber hinaus.

Fördervereine mit dem Ziel, über Spenden zusätzliche Kosten abzudecken, existieren heute an fast jeder Schule. Elternräte und selbst Direktionen aber zieren sich oft, sich zu konstituieren, um sich keine zusätzlichen Aufgaben aufzubürden. Auch der seit 2016 zum dritten Mal ausgetragene Spendenlauf der Kurfürst-Moritz-Schule ist initiiert von Förderverein, Eltern- und Schülerrat. 800 Meter pro Runde, keinesfalls länger als eine Stunde, nicht über Erschöpfung hinaus, damit Spaß in der Übermacht bleibt.

Mit 15 Kilometern wird Malek Hätscher, Klasse 6, Tagessieger am vergangenen Samstag. Mindestens 10.000 Euro seien so bei den ersten beiden Moritzläufen vor Corona zusammengekommen, auch diesmal ist Schulleiter Heiko Vogel sicher, dass dem vom Schülerrat beschlossenen Ziel, 60 Prozent der Einnahmen für Optimierung der Frühstücksversorgung aufzuwenden, nichts im Wege steht.

Zehn Prozent würden für ein örtliches Projekt vorbehalten, 30 Prozent gingen in die Klassenkassen. Das finanzierte zum Beispiel Erlebnisse auf Schulausflügen, erklärt Schülerratssprecherin Emely König, als sie die Entscheidungsfindung aufschlüsselt. Nachhaltig seien Ideen fürs Spendenziel oft, sagt sie. So habe es Vorschläge zur Bepflanzung des Daches oder zur Energiegewinnung per Solarmodulen gegeben. Der Gedanke der Nachhaltigkeit eint alle Beteiligten, das bestätigen die vielen Eltern, die den Lauf mit Sachspenden und zeitlichem Einsatz unterstützen.

Über Kapazität

Jede Neuanschaffung verbessert den Lernalltag späterer Schülergenerationen. Dass die integrative Einrichtung heute ein hervorragendes WLAN nutzen kann und u.a. damit während der Pandemie, als viele sächsische Schulen am noch dürftig entwickelten Programm LernSax scheiterten, den Unterricht fast ohne Unterbrechung fortsetzen konnte, ist Ergebnis dieser Grundhaltung und auch der Tatsache, dass Schulleiter Heiko Vogel allen Beteiligten vertraut. In Berlin studierte Heiko Vogel einst Musik, arbeitete dann an wechselnden Orten als Musiklehrer und scheint in Boxdorf mit seiner Berufung, den Kindern Freude an selbst ermächtigtem Lernen ermöglichen zu wollen, recht glücklich.

Wie das funktioniert, davon machen sich immer wieder Delegationen ein Bild, demnächst hat sich Besuch aus Schweden angekündigt. „Hier arbeiten Kinder, Eltern und Lehrer als „Dreigestirn“ zusammen, schätzt Schulsozialarbeiter Ronny Keil ein. Mit zum Beispiel 22 Schülerbands wird auch das musisch-künstlerische Potenzial in Boxdorf als Chance begriffen. Das Schulkonzept unter Einbeziehung neuer pädagogischer Erkenntnisse fordere zwar vertieftes Engagement, wissen seine Kollegen, die große Nachfrage bei Aufnahme von Schulanfängern bestätigt dies allerdings ebenso wie das Lob von Kindern, die in die Schule wechseln und „mehr Freude und Unterstützung“ erfahren.

Mit derzeit 500 Schülern hat die Einrichtung ihre Kapazitäten jedoch längst überschritten und hofft auf Genehmigung für einen Anbau. Und wird zukünftig die ebenfalls vorgeschlagene Überdachung der Fahrradständer als Spendenziel auserkoren, der Zweiradverkehr zwischen Boxdorf und Friedewald erlebt vielleicht glatt seine Blütezeit.