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Lesen, Schreiben, Rechnen, früh Aufstehen

Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb: Die Bäckerei Claus in Coswig wurde von der Handwerkskammer ausgezeichnet.

Lutz und Steffi Claus von der Bäckerei und Konditorei Claus in Coswig mit Lehrling Tony Eifrich. Zusammen haben sie es soweit gebracht, dass sie von der Handwerkskammer als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet worden sind.
Lutz und Steffi Claus von der Bäckerei und Konditorei Claus in Coswig mit Lehrling Tony Eifrich. Zusammen haben sie es soweit gebracht, dass sie von der Handwerkskammer als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet worden sind. © Arvid Müller

Das Schild liegt auf dem Tisch im Restaurant der Bäckerei und Konditorei Claus in Coswig: „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ steht darauf und mitgebracht hat es Andreas Brzezinski, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Jedes Jahr zeichnet die Kammer 30 Handwerksbetriebe im Bezirk Dresden aus. Im Landkreis Meißen sind das genau zwei. Und neben der Bäckerei Claus wird auch die Stahl- und Maschinenbau Graf GmbH Weinböhla das begehrte Schild ans Firmengebäude schrauben.

Was zeichnet einen vorbildlichen Ausbildungsbetrieb aus, geht die Frage an Andreas Brzezinski. Zuerst natürlich die Leistungen der Lehrlinge. Liegen diese an der Spitze, engagiert sich ihr Ausbildungsbetrieb in der Ausbildung und sind die Lehrlinge gut in die Firma integriert - dann gibt es die Auszeichnung. All das trifft auf die Bäckerei und Konditorei Claus zu. Das Familienunternehmen ist 1985 - also noch in DDR-Zeiten - durch Bäcker- und Konditormeister Lutz Claus und seine Frau Steffi gegründet worden. Heute zählt das Unternehmen etwa 70 Vollbeschäftigte und ein Netz von sieben Filialen, neben dem modernen, 2019 bezogenen Stammsitz im Gewerbegebiet EWS Neusörnewitz. Das Besondere am Stammsitz: Es gibt nicht nur eine Schaubäckerei, sondern auch einen Drive-in für frühe und eilige Kunden.

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Derzeit gibt es fünf Auszubildende in den Berufen Bäcker, Konditor, Systemgastronom und Verkäufer. Hinzu kommen zwei Studenten an der Berufsakademie, die im Lebensmittel- bzw. Handelsmanagement ausgebildet werden. Lutz Claus macht darauf aufmerksam, dass es nicht einfacher geworden ist, geeignete Lehrlinge zu finden. Aber seine Erfahrung sagt: „Wer Leistung bringt, der wird auch von den anderen, meist älteren und erfahreneren Kollegen akzeptiert.“ Steffi Claus ist es wichtig, dass die Lehrlinge ihre soziale Kompetenz schulen können, denn die sei nicht nur im Arbeitskollektiv wichtig, sondern auch im Umgang mit den Kunden. Was im Bäckerhandwerk gefordert ist und nicht nur dort, bringt Kammerchef Andreas Brzezinski salopp auf den Punkt. „Es nützt nichts, wenn jemand auf dem Zeugnis eine 1,0 hat, aber im Betrieb nicht die Arbeit sieht und nicht mit anpacken kann. Und außerdem brauchen wir vier Kulturtechniken: Lesen, Schreiben, Rechnen und früh Aufstehen.“

Was Letzteres betrifft, so geht es auch bei Claus in Coswig für einige Mitarbeiter schon vor zwei Uhr morgens los. „Aber wir haben feste Schichten, wir müssen ja Rücksicht auf diejenigen Mitarbeiter nehmen, die ihre Kinder morgens in den Kindergarten oder zur Schule bringen müssen“, erklärt Firmenchef Lutz Claus. Und seine Frau Steffi ergänzt: „Wir sind ein Familienbetrieb, in dem die Mitarbeiter wie in einer Familie behandelt werden.“

Karsten Liebscher von der gleichnamigen Bäckerei im benachbarten Weinböhla ist nach Coswig gekommen, um seinen Kollegen mit einer Flasche Sekt zur Auszeichnung zu gratulieren. Er ist der Innungsobermeister für das Bäckerhandwerk im Landkreis Meißen und er hat die Clauses mit für die Auszeichnung vorgeschlagen. Er sieht nicht, dass das Angebot an Lehrlingen besser wird. Im Gegenteil, viele wüssten nicht, was sie wollen. Umso wichtiger sei es, ihnen mit einer guten Ausbildung zu helfen. „Wenn sie den ersten selbst gebackenen Kuchen mit nach Hause bringen, oder ihre Freunde beim Grillabend mit ein paar Broten überraschen, dann macht sie das stolz.“ Auch, dass, wie in der Bäckerei Claus, ältere Lehrlinge jüngere mit ausbilden, stärke ihr Selbstwertgefühl. Und Lutz Claus bringt aus Sicht des Chefs das Ganze auf den Punkt: „Es macht einem als Unternehmer Spaß, wenn man sieht, wie die Lehrlinge mitziehen.“

Was die aktuelle Ausbildungssituation im Handwerkskammerbezirk Dresden für alle Berufe betrifft, so hat Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski Gutes zu vermelden: „Wir haben jetzt schon 700 unterschriebene Ausbildungsverträge, das sind 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.“

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