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8,3 Millionen Liter Trinkwasser in der Spitze

Der Trinkwasserverbrauch steigt. Die anhaltende Trockenheit sorgt für neue Herausforderungen bei der Absicherung der Versorgung.

Im Coschützer Wasserwerk in Dresden wird Talsperrenwasser auch für Radebeul aufbereitet. Das Rohwasser kommt über eine 20 Kilometer lange Verbindung aus der Talsperre Klingenberg.
Im Coschützer Wasserwerk in Dresden wird Talsperrenwasser auch für Radebeul aufbereitet. Das Rohwasser kommt über eine 20 Kilometer lange Verbindung aus der Talsperre Klingenberg. © René Meinig

Radebeul. Der Trinkwasserverbrauch nimmt in Radebeul zu. Besonders in den beiden Dürrejahren 2018 und 2019 ist er gestiegen. Im vorigen Jahr war sogar der bisherige Rekordverbrauch an einem Tag zu verzeichnen. Doch Regen fällt deutlich zu wenig, um die Wasserspeicher im Boden wieder aufzufüllen. Der Grundwasserstand ist kräftig abgesackt, Bäche trocknen aus, der Elbepegel ist niedrig. Andernorts in Deutschland wurde bereits Trinkwasser knapp. Ortschaften mussten per Tankwagen versorgt werden. Ist die zuverlässige Trinkwasserversorgung in Radebeul für die Zukunft gesichert? Die SZ analysiert die Lage und gibt einen Überblick.

Wie viel Trinkwasser verbrauchen die Radebeuler im Jahr insgesamt?

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Rund 1,472 Millionen Kubikmeter Wasser floss im Jahr 2010 durch Wasserhähne, Brauseköpfen in Duschen und Wannen sowie durch Toilettenspülungen. Fünf Jahre später betrug der Verbrauch in Radebeuler Haushalten und Betrieben 1,488 Millionen Kubikmeter. In 2018 war der Jahresverbrauch auf 1,696 Millionen Kubikmeter gestiegen. Im vorigen Jahr lag er bei 1,685 Millionen Kubikmeter. Das teilt Olaf Terno, Geschäftsführer der Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul GmbH (WSR) mit.

Wie viel Liter verbrauchen alle Einwohner der Stadt Radebeul täglich?

Ein Kubikmeter entspricht 1.000 Liter. Damit haben die Radebeuler im Jahr 2010 an einem Tag im Durchschnitt 4,019 Millionen Liter (4.019 Kubikmeter) verbraucht. 2015 waren es 4,007 Millionen Liter (4.077 Kubikmeter) im Schnitt täglich, 2018 lag der Durchschnittswert bereits bei 4,647 Millionen Liter (4.647 Kubikmeter) und 2019 bei 4,619 Millionen Liter (4.619 Kubikmeter) pro Tag.

Warum steigt der Wasserverbrauch im Stadtgebiet?

Für den Verbrauchsanstieg gibt es mehrere Gründe. „Zuerst ist der zurückgehende Niederschlag, der dadurch sinkende Grundwasserpegel und damit ein erhöhter Verbrauch für die Gartenbewässerung zu nennen“, informiert Terno. Andererseits spielen aber auch Bevölkerungsentwicklung, Industrie- und Gewerbeverbräuche sowie das sich ändernde Verbrauchsverhalten der Bevölkerung eine Rolle.

Wie viel Wasser verbrauchen die Radebeuler im Tagesschnitt künftig?

Das hänge von der weiteren Klimaentwicklung, der Entwicklung der Einwohnerzahl und auch von Art und Umfang der im Territorium vorhandenen Industrie und Landwirtschaft ab. „Wir gehen davon aus, dass sich in näherer Zukunft im Durchschnitt ein täglicher Trinkwasserbedarf von 4.700 Kubikmeter einstellen wird“, so Terno. Das wären 4,7 Millionen Liter.

Ab welchen Tagen wird der höchste Verbrauch in der Stadt gemessen?

An heißen Sommertagen, wenn der Durst groß ist, schwitzende Leiber sich nach einer Abkühlung sehnen, Hobbygärtner ihre Pflanzen gießen und Rasensprenger laufen, ist der Trinkwasserverbrauch am höchsten. So wurde am 1. Juli 2010 der Spitzenverbrauchswert in jenem Jahr von 6.805 Kubikmeter (6,805 Millionen Liter) gemessen. 2015 war der Höchstwert am 7. August und betrug 7.256 Kubikmeter beziehungsweise 7,256 Millionen Liter. In 2018 betrug er 7.415 Kubikmeter (7,414 Millionen Liter) und wurde am 1. August registriert. 2019 wurde dieser Wert am 26. Juni mit 8.325 Kubikmeter (8,325 Millionen Liter) getoppt. „Das ist gleichzeitig der höchste gemessene Verbrauch“, berichtet Terno. An jenem Tag kletterte das Thermometer auf 35 Grad Celsius, wie den Daten der Wetterstation am Bismarckturm zu entnehmen ist.

Wann ist der Trinkwasserverbrauch am geringsten?

Der niedrigste Tagesverbrauch ist immer im Monat Januar zu verzeichnen. Folgende Daten teilt Terno mit: 6. Januar 2010: 2.882 Kubikmeter; 2015: 3.414 Kubikmeter; 17. Januar 2018: 3.710 Kubikmeter; und 13. Januar 2019: 3.653 Kubikmeter.

Woher bezieht die WSR das Trinkwasser für Radebeul?

„Der Bezug aus dem Wasserwerk Coschütz liegt bei 70 bis 80 Prozent der jeweils benötigten Menge“, berichtet Terno. Das Werk in Dresden wird aus dem Talsperrensystem Lehnmühle/Klingenberg im Osterzgebirge gespeist. „Die restlichen 20 bis 30 Prozent werden vom Wasserwerk Rödern bezogen“, erklärt Terno. Dieses Werk erhält sein Rohwasser aus der Fassung Rödern bei Radeburg. Die Bezugsmengen seien abhängig von den jeweiligen Betriebszuständen der Wasserwerke und der Fahrweise des Gesamtversorgungssystems. Weitere durch die öffentliche Wasserversorgung erschließbare Quellen für Trinkwasser in Radebeul gibt es nicht.

Wie wirkt sich die anhaltende Dürre auf diese Wasserquellen aus?

„Natürlich nicht vorteilhaft!“, betont Terno. Aufgrund der langanhaltenden Trockenheit seien die im Talsperrensystem vorgehaltenen Mengen deutlich geringer als noch vor zehn Jahren und auch bei der Fassung Rödern sei davon auszugehen, dass der steigende Bedarf nicht so einfach durch Erhöhung der Fördermengen auszugleichen ist.

Wie kann die Trinkwasserversorgung gesichert werden?

„Natürlich machen auch wir uns Gedanken über die Sicherung der Wasserversorgung in näherer und fernerer Zukunft. Es gibt dazu bei uns auch Konzepte und Überlegungen“, teilt Terno mit, ohne weitere Details zu verraten. „Allerdings erfordert deren weitere Umsetzung schon ein Umdenken in Hinsicht des Stellenwertes und auch des Wertes des Lebensmittels Trinkwasser auf allen gesellschaftlichen Ebenen“, führt Terno weiter aus. Drewag- und Enso-Chef Frank Brinkmann in der Nachbarstadt Dresden klagt über eine „Strukturzersplitterung“ der Wasserversorgung auf dem Lande. 48 Wasserversorgungsunternehmen gibt es allein in Ostsachen. Dies kritisiert Konzernchef Brinkmann, der gerade dabei ist Drewag und Enso mit ihren jeweils 1.600 Beschäftigten zu fusionieren, als „Kleinteiligkeit“ und appelliert an die Landespolitik, sich um neue Strukturen zu kümmern, und zwar nicht erst 2030. Wenn Weißeritz und Grundwasser weniger Nachschub für die Wasserwerke bringen, müsse eben künftig das Tiefenwasser genutzt werden, das zwischen Riesengebirge und Hamburg in mehr als 100 Metern Tiefe ströme, so Brinkmann.

Ist die „Strukturzersplitterung“ der Wasserversorgung ein Problem?

„Die Kleinteiligkeit bringt schon eine Anzahl technischer und organisatorischer Probleme mit sich und eine engere Kooperation hat oftmals viel Potenzial zur Hebung von Synergien“, meint auch Terno. Dazu bedarf es aber nicht unbedingt einer Fusion. „Seit 2018 haben wir ja mit der neu gegründeten Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Radebeul+Coswig mbH schon einen erfolgreichen Schritt in diese Richtung vollzogen und diesen Weg wollen wir auch weitergehen“, führt Terno weiter aus. Unter der WAB R+C, wie die Dachgesellschaft kurz heißt, sind die Kräfte zur Wasserver- und Abwasserentsorgung in den beiden Nachbarstädten Radebeul und Coswig gebündelt. „Wichtig ist dabei vor allem, eine von Beginn an partnerschaftliche Zusammenarbeit an der Realisierung gemeinsamer Ziele“, so Terno.

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