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Altes E-Werk: Tage des Schornsteins gezählt

Die Stadt Radebeul will das Dach der Halle des Gebäudekomplexes im Lößnitzgrund sanieren. Für die Backsteinesse gibt es dagegen keine Rettung mehr.

Von außen sieht die Lagerhalle des Alten E-Werks und der Schornstein noch ganz chic aus. Jedoch das Dach ist undicht und die Backsteine der Esse bröckeln.
Von außen sieht die Lagerhalle des Alten E-Werks und der Schornstein noch ganz chic aus. Jedoch das Dach ist undicht und die Backsteine der Esse bröckeln. © Norbert Millauer

Radebeul. Seit zwei Jahren ist die Stadt Radebeul Eigentümer des einstigen Elektrizitätswerks samt dem rund 25.000 Quadratmeter großen Grundstück im Lößnitzgrund. Nun steht die erste große Investition in das Gebäudeensemble an. Das Dach der zweischiffigen Lagerhalle des alten E-Werks muss saniert werden. Bereits 180 Reparaturstellen hat Bauamtsleiter Jan Pötschke auf der Eindeckung mit Bahnen aus Synthetikkautschuk gezählt. „Flicken geht nicht mehr“, sagte er im jüngsten Bauausschuss, „die Dachhaut muss komplett erneuert werden.“

Pötschke erinnerte daran, dass die erforderlichen Sanierungsarbeiten bereits in den Gutachten über Verkehrswert und Bauzustand, die im Rahmen der Verkaufsverhandlungen mit der damaligen Enso, heute Sachsen-Energie, erstellt wurden, Erwähnung fanden. Die Abdeckung mit den für Flachdächer typischen Kunststoffbahnen weist etliche undichte Stellen auf. Durch in das Gebäude eindringendes Regenwasser wird das Mauerwerk durchnässt. „Das wird keine de-Luxe-Sanierung. Sondern wir lassen nur das Notwendigste machen“, betonte Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos).

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Fast 373.000 Euro an Baukosten

Dass der zweite Mann an der Rathausspitze dies ausdrücklich erwähnte, hat seinen Grund. Denn die Stadtratsfraktion Bürgerforum/Grüne/SPD war von Anfang an gegen den Erwerb des Industriedenkmals und ist es bis heute geblieben. „Wir wollen kein Geld verschwenden“, meinte Fraktionsvize Thomas Gey und verwies auf die angespannte Haushaltslage durch die Coronakrise. Fast 373.000 Euro sollen die Baukosten nach derzeitigem Stand betragen. Die drei Räte der grün-roten Bündnisfraktion stimmten im Bauausschuss gegen das Vorhaben, dagegen sieben Stadträte bei einer Enthaltung dafür.

Neben dem Dach wird auch der Blitzschutz erneuert. Zudem verschwindet der Schornstein. Dieser wird nicht mehr benötigt. „Er hat keinerlei Funktion mehr“, informierte Bauamtschef Pötschke. Daher wird die Esse abgerissen. Schon jetzt nagt der Zahn der Zeit an dem Backsteinriesen. „Nicht nur der Kranz ist kaputt, auch das Mauerwerk bröckelt“, berichtete Pötschke. Bis unter das Dach erfolgt der Abbruch. Danach wird die Öffnung verschlossen.

Lager für Feste und Märkte

Laut Baubeschluss sollen die Bauarbeiten im kommenden Mai beginnen und bis Dezember dieses Jahres abgeschlossen sein. Allen Mietern der Halle bis auf den Traditionsbahnverein wurde zum 31. März 2021 gekündigt. Die Traditionsbahner dürfen auch in Zukunft unter dem sanierten Hallendach an historischen Loks und Waggons der Schmalspurbahn schrauben und basteln. An die Stelle der anderen Mieter zieht dagegen nach der Dachsanierung das Lager für die städtischen Feste und Märkte in die Halle ein.

Ein neues und sicheres Domizil für das Feste- und Marktlager war einer der Gründe, warum die Lößnitzstadt das alte E-Werk der Enso für fast 700.000 Euro Ende Februar 2019 abgekauft hat. Bislang sind Dekorationsartikel und Verkaufsstände sowie weitere Utensilien für Karl-May-Festtage, Kasperiade, Herbst- und Weinfest sowie den Weihnachtsmarkt Lichterglanz und Budenzauber in einer Halle beim Jugendtreff Weißes Haus an der Kötzschenbrodaer Straße untergebracht. Auch diese Lagerstätte, die einst landwirtschaftlichen Zwecken diente, ist baufällig.

Areal für Karl-May-Festtage gesichert

Die einstige Agrarhalle sei keine Dauerlösung für das Feste- und Marktlager, meinte Bauamtsleiter Pötschke. Das ehemalige E-Werk kann dies dagegen bieten. Um eine Dachsanierung kommt die Stadt eh nicht herum. Wenn die Ausschussmitglieder gegen die Bauarbeiten an der Halle im Lößnitzgrund gestimmt hätten, dann müsste Pötschke ihnen ein Konzept für die Instandsetzung der jetzigen Lagerräume vorlegen. Diese Halle entspricht unter anderem nicht mehr den heutigen Brandschutzauflagen.

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Zunächst sind für ein einfaches Herrichten 1,75 Millionen Euro vonnöten. Für eine Vollsanierung muss die Stadt Radebeul noch einige Millionen Euro drauf legen.

Neben dem Feste- und Marktlager soll das alte E-Werk als zentrales Katastrophenschutzlager sowie zum Abstellen und Reparieren von Straßenverkehrszeichen wie Umleitungsschildern dienen. Des Weiteren konnten durch den Erwerb die Karl-May-Festtage für die Zukunft gesichert werden. Vom orientalischen Basar über Fort Henry bis zur Westernstadt Little Tombstone finden zentrale Schauplätze für Veranstaltungen auf dem einstigen Enso-Grundstück statt. Früher musste die Stadt die Flächen mieten. Seit zwei Jahren gehören sie ihr.

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