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Arevipharma investiert und stellt ein

Die neuen südkoreanischen Besitzer des Radebeuler Pharmaunternehmens halten die beim Eigentümerwechsel versprochenen Zusagen.

So sieht der S-Bahnfahrer die Werksanlagen des letzten großen Pharmabetriebs im Kreis Meißen, Arevipharma an der Meißner Straße 35 in Radebeul.
So sieht der S-Bahnfahrer die Werksanlagen des letzten großen Pharmabetriebs im Kreis Meißen, Arevipharma an der Meißner Straße 35 in Radebeul. © Arvid Müller

Radebeul. Es ist erst reichlich ein halbes Jahr her, dass das letzte große Radebeuler Pharmaunternehmen der ehemaligen Chemischen Fabrik von Heyden den Besitzer gewechselt hat. Damals gab es mehrere Begehrlichkeiten für die Anlagen, dicht an der Stadtgrenze zu Dresden, an der Meißner Straße 35. Dem möglichen Ansinnen, chinesische oder indische Großkonzerne könnten das Werk aufkaufen, um eine verlängerte Produktlinie für ihre Weltmarktherrschaft in Deutschland zu haben, stellten sich damals Belegschaft und Werksleitung entgegen.

Letztlich wurden auch die Vorbesitzer, die ehemaligen Hexal-Gründer Andreas und Thomas Strüngman und deren Nachfahren davon überzeugt, dass es für den Weiterbestand besser ist, auch einem kleineren Unternehmen zu verkaufen, wenn Investitionen und damit Fortbestand gesichert werden. Das ist gelungen, mit im Vertrag festgehaltenen Zusagen der neuen Besitzer von Arevipharma, der südkoreanische Yonsung-Gruppe.

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Und wie zu Jahresbeginn versprochen, wollen die neuen Eigentümer jetzt auch Geld in das Werk stecken. Wie Geschäftsführer Dirk Jung auf SZ-Nachfrage informiert, besteht die Absicht, ein neues unterirdisches Tanklager für die flüssigen Rohstoffe zur Arzneimittelherstellung zu bauen. Der Bauantrag ist gerade fertiggestellt und wird eingereicht. Es werde mit einer Genehmigungsphase von etwa einem Jahr gerechnet, bis gebaut werden kann. Rund vier Millionen Euro, so die Planung, müssen dafür aufgewendet werden.

Die Südkoreaner planen ebenso Investitionen in neue Technologien. Heißt, hier sollen auch Wirkstoffe in einer Produktlinie hergestellt werden, die in Südkorea entwickelt worden sind und dort auch produziert werden. Dafür müssen neue Maschinen und Aggregate gekauft werden. Verschiedene Arzneimittel für die Augenheilkunde sollen dabei entstehen. In kleinen, aber preisintensiven Chargengrößen von 600 bis 700 Gramm. Produkte, die es bisher in der Palette der Radebeuler nicht gibt.

Die Flaggen vor dem Werkseingang weisen auf die Eigentümer hin.
Die Flaggen vor dem Werkseingang weisen auf die Eigentümer hin. © Norbert Millauer

Weiterhin hergestellt werden in der Synthese Wirkstoffe gegen Herzkreislauf-Beschwerden, Narkotika und Psychopharmaka. Beliefert werden große Pharmakonzerne wie die Novartis-Gruppe.

Für mehr Produktion werden auch neue Mitarbeiter gebraucht. In diesem Jahr, so Jung, sind 15 neue eingestellt worden. Weitere sollen für die Produktion hinzukommen. Damit nähert sich das Werk wieder einer Belegschaftsgröße von 200. 2013 war massiv abgebaut worden, um durch ein wirtschaftliches Tal zu kommen. Damals wurde sogar die Entwicklungsabteilung stark reduziert, was unter der anschließenden Werksführung wieder umgekehrt wurde.

Die Auftragsbücher für Arevipharma sind seit letztem Jahr wieder richtig gut gefüllt. Es gibt reichlich Arbeit bis in Richtung 2023. Für dieses Jahr werde mit einem Umsatz von über 40 Millionen Euro gerechnet. Mit einem solchen guten Ergebnis sollen auch unterschiedliche Löhne der Mitarbeiter einander angeglichen werden. Das bedeutet für etwa ein Drittel der Belegschaft aktuell bis zu 8,5 Prozent mehr Lohn, im nächsten Jahr wieder bis zu acht Prozent Plus. Damit sollen Ungerechtigkeiten ausgeglichen werden, die durch die wirtschaftliche Schieflage vor acht Jahren entstanden sind.

Der Aufwärtstrend von Arevipharma fußt wesentlich auf Entscheidungen, die schon vor dem Verkauf getroffen worden sind - nämlich sich unabhängiger von asiatischen Lieferketten zu machen. In Europa aufgetretene Engpässe in den letzten Monaten bestätigen den Radebeulern dieses Vorgehen. Zu den gerade nachgefragten Wirkstoffen zählen beispielsweise solche gegen Herzkreislauf-Beschwerden und gegen Harnprobleme.

Und wer sich über die Schweizer Fahne neben der deutschen und der koreanischen am Eingang zum Werk wundert, dem erklärt der Geschäftsführer, dass die Eigentümer der Yonsung-Gruppe schon vor Jahren bei den Eidgenossen eine kleine Niederlassung gegründet haben, die auch als Käufer zum Jahreswechsel agiert hat, aber eben immer Yonsung aus Südkorea sind.

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Ein Pharmaunternehmen, welches als Yonsung Fine Chemicals Co. Ltd. 2000 als Ausgründung der Sungkyunkwan Universität in Seoul entstand. Die Gründungsmitglieder um Professor Won-Hun Ham sind heute noch in der Unternehmensführung aktiv. Yonsung ist einer der größten Anbieter der Wirkstoffgruppe der Prostaglandine und ist fokussiert auf hochaktive Substanzen, besagt die interne Beschreibung. Prostaglandine sind Gewebshormone, die in der Augenheilkunde genutzt werden.

Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es hier.

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