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Augusts Bergparade auf Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg hat wieder Räume für Sonderausstellungen. Die Erste befasst sich mit einem gleichermaßen glanzvollen wie auch heiklen Thema.

Margitta Hensel, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Schloss Moritzburg, mit einer kostbar verzierten Paradebergbarde mit der Jahreszahl 1719. Diese gehört zu den Exponaten der neuen Sonderausstellung, die jetzt zu sehen ist.
Margitta Hensel, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Schloss Moritzburg, mit einer kostbar verzierten Paradebergbarde mit der Jahreszahl 1719. Diese gehört zu den Exponaten der neuen Sonderausstellung, die jetzt zu sehen ist. © Arvid Müller

Moritzburg. Seit dem Wochenende kann das Museum im Schloss Moritzburg wieder besucht werden. Das Haus startet damit zum zweiten Mal in diesem Jahr durch.

Bereits Anfang April war coronabedingt verspätet der erste Saisonauftakt erfolgt. Nach nicht einmal anderthalb Wochen folgte mit der Bundes-Notbremse dann aber eine erneute Zwangspause. Nun, da die Inzidenzwerte deutlich zurückgehen, unternimmt das einstige Jagdschloss der Wettiner einen erneuten Versuch. Wenn auch sehr vorsichtig. Denn nach diesem Wochenende bleiben die Türen erst einmal wieder geschlossen und werden ab 4. Juni vorerst auch nur Freitag bis Sonntag geöffnet.

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Auch wenn derzeit die Voraussetzungen für einen Rundgang durch das Museum ein zuvor online gebuchtes Zeitfensterticket und die Vorlage eines tagesaktuellen negativen Schnelltests aus einem offiziellen Testzentrum sind, lohnt es sich auf jeden Fall, einen Besuch zu planen. Denn wie bereits im April kann das Schloss auch bei der zweiten Öffnung mit einer Neuerung punkten. Die Erste - ein sogenanntes Histopad - kommt den Gästen dauerhaft zugute. Mit dem Tablet-Guide, der bereits im Eintritt enthalten ist, können die Besucher in der brocken Dauerausstellung auf eine unterhaltsame virtuelle Zeitreise gehen und dabei sogar Schätze suchen.

Legendäre Hochzeitsfeier

Die Zweite ist dagegen nur temporär zu erleben. In den kürzlich fertig sanierten und restaurierten neuen Sonderausstellungsräumen wird ab Freitag die erste Schau zu sehen sein. Ganz neu ist diese allerdings nicht. Vor zwei Jahren gehörte sie zu den zahllosen Ausstellungen in Sachsen, die das 300. Jubiläum der sogenannten Jahrhunderthochzeit beleuchteten. Mit dieser hatte August der Starke seinen Sohn und Nachfolger mit der Habsburgerin Maria Josepha vermählt und damit den Anspruch Kursachsens auf die Kaiserkrone verdeutlicht.

Der 1930 in Dresden geborene Christian Kott hat in seiner Freizeit diese barocke Bergparade geschaffen.
Der 1930 in Dresden geborene Christian Kott hat in seiner Freizeit diese barocke Bergparade geschaffen. © Arvid Müller

In der Schau „Unter dem Saturn - Die große Bergparade Augusts des Starken und die Folgen für die Volkskunst“ erfahren die Besucher mehr über die Geschichte und die Hintergründe des legendären Saturnfestes am 26. September 1719 im Plauenschen Grund bei Dresden. Das Saturnfest war der krönende Abschluss einer Reihe von höfischen Festen anlässlich der prunkvoll zelebrierten Vermählung, bei dem August der Starke seiner erlesenen Gästeschar aus ganz Europa die mineralischen Reichtümer Sachsens präsentierte. Mehr als 1.400 Bergleute aus dem Erzgebirge nahmen in neu erschaffenen Paradeuniformen daran teil und trugen die Erlebnisse bei diesem schillernden Fest zurück in ihre Heimatorte.

Bedeutende Ausstellungsstücke

Margitta Hensel, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Schloss Moritzburg, hat die Schau indes um einige bedeutende Exponate ergänzt, die 2019 nicht zu sehen waren. Dazu gehört ein prunkvoller Tafelaufsatz zum Thema Bergbau aus Meissener Porzellan. Er ist das größte jemals erschaffene Porzellandenkmal für die schwere Arbeit unter Tage. Er gehört zur Sammlung von Dr. Achim Middelschulte, der im vergangenen Jahr für sein Engagement für die weitere erfolgreiche Entwicklung der traditionsreichen TU Bergakademie Freiberg sowie sein Wirken für Kunst und Kultur in Sachsen mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt wurde. Er hat auch ein weiteres Punkstück zur Verfügung gestellt: eine prächtige Paradebergbarde mit der historischen Jahreszahl 1719 auf dem reich verzierten Stiel.

August der Starke blickt auf einen prunkvollen Tafelaufsatz zum Thema Bergbau aus Meissener Porzellan.
August der Starke blickt auf einen prunkvollen Tafelaufsatz zum Thema Bergbau aus Meissener Porzellan. © Arvid Müller

Mit der von ihm kuratierten Ausstellung hatte Igor Jenzen, Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst in Dresden, für reichlich Diskussionen gesorgt. Er leitete daraus neue Interpretationsmöglichkeiten ab, wie das höfische Fest die Lichterkultur im Erzgebirge bis heute beeinflusste. Jenzen sagt: „Bergmänner aus dem Erzgebirge waren bei diesem Fest ein zentrales Element. 1.400 von ihnen marschierten, erstmals in schicke Uniformen gesteckt, in einer Parade vor den Saturntempel, Vorbild aller heutigen Bergparaden und auch der Bergmannsfigur.“ Den Tempel zierten mit Fackeln bestückte Arkaden und mit Lampen geschmückte Obelisken, die damals Pyramiden genannt wurden. Erstere sind nach Jenzens Überzeugung Vorbild für den Schwibbogen, Letztere für die Pyramiden.

Widerspruch aus dem Erzgebirge

Aus dem Erzgebirge erntete er dafür Widerspruch. Formen von Schwibbögen und Pyramiden habe es dort schon vor 1719 gegeben, lautete eines der Argumente. Zudem seien die Quellen der erzgebirgischen Weihnachtskunst sehr vielfältig.

Das sieht Margitta Hensel ähnlich und schließt damit aber auch nicht die Wirkung des höfischen Festes auf die Bergleute und ihre späteren Traditionen aus.

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Schließlich würde das möglicherweise auch erklären, warum zeitgleich mit Bergmannsfiguren auch Türken in die Weihnachtsstuben im Erzgebirge kamen. Denn das Fest wurde von als Janitscharen verkleideten Soldaten bewacht, die vor allem dafür zu sorgen hatten, dass die von Bergleuten bei der Parade getragenen Stufen mit kostbaren Edelmetallen und Edelsteinen danach ins Grüne Gewölbe zurückkamen und nicht im Dunkel der Nacht verschwanden. (mit uf)

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