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Aussichtsturm soll Blick ins Elbtal ermöglichen

Seit rund einem Jahr ist der Aussichtspunkt am Wasserturm gesperrt. Sportfreunde haben die Idee für eine Alternative.

Vor dem Aussichtspunkt König-Friedrich-August-Höhe: Mit dem verschlossenen Tor können sich Frank Paschka, Wolfgang Jacobi und Tassilo Schmalfeld (v.l.n.r.) definitiv nicht anfreunden.
Vor dem Aussichtspunkt König-Friedrich-August-Höhe: Mit dem verschlossenen Tor können sich Frank Paschka, Wolfgang Jacobi und Tassilo Schmalfeld (v.l.n.r.) definitiv nicht anfreunden. © Norbert Millauer

Radebeul. Mauer und Stacheldraht sollten ein Relikt der Vergangenheit sein, könnte man angesichts des Jubiläums 30 Jahre deutsche Wiedervereinigung am morgigen Sonnabend denken. Doch unterhalb des Radebeuler Wasserturms sind beide Realität. Seit rund einem Jahr ist der Zugang zur König-Friedrich-August-Höhe versperrt.

Die Mauer steht schon viele Jahre. Durch ein Tor und einen Durchlass konnten Wanderer und Spaziergänger vom Waldpark aus das Areal an der Weinbergs-kante des Steinrückens im Stadtteil Kötzschenbroda-Oberort betreten und den Ausblick ins Elbtal genießen. Benannt ist das kleine Plateau nach dem letzten sächsischen König aus dem Haus Wettin, Friedrich August III., und war seit 1908 öffentlich zugänglich.

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Doch seit Oktober 2019 ist den Radebeulern und ihren Gästen der Zutritt verwehrt. Erst waren es nur Eisengitter, inzwischen versperrt den Mauerdurchbruch eine schwere Metalltür. Das Tor ist durch eine Gittertür verbarrikadiert samt Bretterwand dahinter, die den Blick hindurch auf den Aussichtspunkt unmöglich macht. Wenige Meter entfernt steht eine Holzwand mit demselben Ziel. Über der Mauerkrone ist Stacheldraht gespannt.

Bei der Plattform handelt es sich um ein Privatgrundstück, zu dem noch darunter ein bisschen Wald, ein Weinberg und das Mundloch eines früheren Wasserstollens gehören. Seit vorigem Jahr gibt es neue Eigentümer und noch vor dem Erwerb hat der Alteigentümer den Pachtvertrag mit der Stadt gekündigt. Als Gründe für die Absperrung nannten die neuen Besitzer unter anderem den Schutz ihres Eigentums. Immer wieder mussten sie Müll wie zerschlagene Flaschen, Essensreste und sogar Mobiliar wegräumen. Vieles davon sei den Hang hinabgeworfen worden. Zudem machten sie geltend, dass sie persönlich haften würden, wenn jemandem etwas auf ihrem Grund und Boden passiert. Im Februar dieses Jahres hatten Unbekannte die verschlossenen Gittertore abgeschraubt.

Den Ausführungen über größere Müllmengen kann Tassilo Schmalfeld keinen Glauben schenken. Er ist ehrenamtlicher Wanderwegewart und Orientierungsläufer beim SSV Planeta Radebeul. Mindestens einmal pro Woche ist der 80-Jährige im Waldpark und am Wasserturm unterwegs. Ein Müllproblem hat er an dem Aussichtspunkt nicht feststellen können, als dieser noch offen war. Auch von Ruhestörungen durch feiernde Jugendlichen kann er nicht berichten. Über den Aufwand, mit dem die König-Friedrich-August-Höhe jetzt versperrt ist, kann er nur den Kopf schütteln. „Ich weiß nicht, was man dahinter klauen soll“, meint Schmalfeld. Das Bollwerk gleicht einem Hochsicherheitstrakt.

„Die Eigentümer wollen die Aussicht nur für sich haben“, mutmaßt Schmalfeld. Damit meint er alle, die ein Grundstück an der Hangkante besitzen. Denn wer den Weg Am Wasserturm entlang läuft, schaut die ganze Strecke entweder auf Steinmauern oder hohe Zaunwände.

Im Sonnenlicht gut zu erkennen, Stacheldraht über der Mauerkrone.
Im Sonnenlicht gut zu erkennen, Stacheldraht über der Mauerkrone. © Norbert Millauer

„Zwischen Spitzhaus und Sternwarte gibt es keinen Aussichtspunkt mehr, von dem man ins Elbland schauen kann“, beklagt auch Sportsfreund Frank Paschka. Dem 66-Jährigen ist daher die Idee zu einer Plattform, einen kleinen Aussichtsturm, gekommen. Das Türmchen müsste gar nicht sehr hoch sein. Drei, vielleicht sogar nur zwei Meter, reichen seiner Meinung nach aus, um über die Mauern auf Radebeul hinunter schauen zu können. Mit einem Geländer und einer Treppe ist die Ausstattung komplett. Als Standort hat er eine Stelle rund 50 Meter östlich vom Wasserturm direkt am Wanderweg auserkoren. Dort steht derzeit eine Bank. Für das Ausheben der Fundamente oder Löcher für die Stützen sowie das Bauen der Plattform bieten die Sportsfreunde ihre Arbeitskraft an. Ihr Ansinnen unterstützt CDU-Stadtrat Wolfgang Jacobi.

Die Stadtverwaltung reagiert auf den Vorschlag noch zurückhaltend. Von der Idee hat die Stadtspitze bislang nur mündlich im Stadtrat erfahren. „Eine schriftliche Darlegung dazu hat uns bisher nicht erreicht“, heißt es aus dem Rathaus auf SZ-Anfrage. Deshalb kann die hauptamtliche Verwaltung auch keine Aussagen zu den Chancen und Möglichkeiten, ob und wie eine Aussichtsplattform dort errichtet werden könnte, treffen. Bei derartigen Bauwerken hat unter anderem der Tüv ein gewichtiges Wort mitzureden. Außerdem sind Belange des Natur- und Landschaftschutzes zu beachten.

Mit den Eigentümern des gesperrten Aussichtspunkts hat die Verwaltung das Gespräch gesucht, um die Öffnung der König-Friedrich-August-Höhe zu erreichen, beispielsweise durch Abschluss eines neuen Pachtvertrages - doch ohne Erfolg. „Es konnte bisher kein gemeinsamer Nenner bezüglich der Rahmenbedingen gefunden werden. Eine Öffnung der Aussicht bleibt dem Willen der Eigentümer vorbehalten und ist derzeit nicht absehbar“, teilt die Stadt mit.

Doch ein Hoffnungszeichen für einen neuen Aussichtspunkt gibt es. Die Verwaltung konzentriert sich derzeit darauf, den in unmittelbarer Nähe befindlichen Weinwanderweg zwischen Bodelschwinghstraße und Oberer Burgstraße im kommenden Jahr wieder zu eröffnen. „Dabei wird es auf dem obersten Plateau unmittelbar unterhalb der Friedensburg eine sehr schöne Aussichtsmöglichkeit geben“, so die Stadt.

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