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Bauverbot beim Weißen Roß zementiert

Auf dem Areal zwischen Paradiesstraße und Mühlweg möchte die Stadt Radebeul keine weiteren Häuser sehen. Das schmeckt den Anwohnern nicht.

Auf dem Grünstreifen am Mühlweg mit Blick zum Haltepunkt "Weißes Roß" wollten zwei Häuslebauer ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen.
Auf dem Grünstreifen am Mühlweg mit Blick zum Haltepunkt "Weißes Roß" wollten zwei Häuslebauer ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen. © Norbert Millauer

Radebeul. Viel Grün hat der Eingangsbereich in den Lößnitzgrund hinter dem Haltepunkt „Weißes Roß“ zu bieten. Und dennoch liegt das Areal zwischen Paradiesstraße, Mühlweg und An der Jägermühle sehr zentral mitten in der Stadt, nur wenige Gehminuten von der Straßenbahn-Haltestelle an den Landesbühnen entfernt. Der Wunsch, auf den freien, noch unbebauten Flächen ein Häuschen in die Idylle zu setzen, ist durchaus verständlich.

Jedoch hat die Lößnitzstadt diesem Ansinnen nun einen Riegel vorgeschoben. Bereits seit Frühjahr 2018 hängt über dem Gebiet ein befristetes Bauverbot. Mit dem sogenannten Abwägungs- und Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan (kurz: B-Plan) mit der Nummer 47 hat der Stadtrat dies nun zementiert. Der Plan regelt, wo in dem Areal noch gebaut werden darf.

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Ein Haus muss abgerissen werden

Vereinfacht zusammengefasst, gelten als allgemeines Wohngebiet nur die schon bebauten Grundstücke entlang der Paradiesstraße. Die Grenze bildet der Lößnitzbach. Alles was östlich von ihm bis zum Mühlweg liegt, ist als Grün- beziehungsweise Freifläche festgelegt. Dort dürfen keine Wohnhäuser errichtet werden. Ausnahmen bilden nur die Lößnitztalschänke, die Grundstücke links und rechts davon sowie der Zipfel an der Ecke Mühlweg, Lößnitzgrundstraße östlich der Schmalspurgleise des Lößnitzdackels. In der Bauverbotszone steht bereits ein Wohnhaus. Ihm droht perspektivisch der Abriss.

Auch auf diesem Grundstück, das an der durch das Areal quer durchlaufenden Nizzastraße liegt, ist Bauen nicht mehr erlaubt.
Auch auf diesem Grundstück, das an der durch das Areal quer durchlaufenden Nizzastraße liegt, ist Bauen nicht mehr erlaubt. © Arvid Müller

„Es ist ein wichtiger Bereich des Lößnitztales. Er dient als Frisch- und Kaltluftschneise“, sagte Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) auf der Ratssitzung. Deshalb soll in dem Gebiet der Natur und Landschaft ein Vorrang vor einer weiteren baulichen Verdichtung gegeben werden. So regelt dies die Stadt auch in ihrem Flächennutzungsplan.

Stadtrat steht hinter der Verwaltung

„Wir teilen das Ziel, den Lößnitzgrund vor einer weiteren Bebauung frei zu halten“, sagte Thomas Gey von der Fraktion Bürgerforum/Grüne/SPD. CDU-Stadtrat Jens Baumann sieht dies im Namen seiner Fraktion ebenfalls so. Er betonte zudem, dass für dieses Gebiet ein Satzungs- und Planungsrecht besteht. „Wir können als Stadt darauf einwirken, was gebaut werden darf.“ Auch von FDP und Linke gab es Zustimmung.

Schließlich votierten 28 Stadträte bei keiner Gegenstimme für den Bebauungsplan. Drei Enthaltungen gab es. Sie kamen einerseits von der AfD-Stadtratsfraktion. „Wir tun uns schwer mit Eingriffen ins private Baurecht“, sagte AfD-Stadtratsfraktionschef René Hein. Andererseits stimmte die Fraktion Freie Wähler nicht geschlossen für den B-Plan. Deren Fraktionschefin Eva-Maria Schindler sagte weiteren Ärger angesichts der vielen Einsprüche der betroffenen Grundstücksbesitzer voraus.

Klagen vor Gericht drohen

Ein juristisches Nachspiel in Form eines Normenkontrollverfahrens erwartet auch das Stadtoberhaupt. „Alles andere wäre ein Wunder angesichts der Stellungnahmen“, sagte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) im Vorfeld der Stadtratssitzung. Im Rahmen der vorgeschriebenen Beteiligung der Öffentlichkeit bei dem B-Plan-Verfahren gingen 14 Hinweise, meist kritisch und ablehnend, aus der Bevölkerung im Rathaus ein.

Einige Betroffene sehen durch das Bauverbot ihre Wohnhauspläne vereitelt. So lagen der Stadt bereits zwei Bauanträge vor. Und zwar wollten Häuslebauer auf dem Grünsteifen hinter dem einstigen Gasthaus „Weißes Roß“ zwischen Haltestelle Lößnitzgrundbahn und Mühlweg ihren Traum von den eigenen vier Wänden realisieren.

Andere sind gegen den B-Plan, da sie nun keine Möglichkeit mehr sehen, dass ihre Kinder in unmittelbarer Nachbarschaft bauen können. Manch einer befürchtet, dass der Wert seines Grunds und Bodens deutlich sinkt, wenn darauf nur noch Gartenbau zulässig ist.

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„Es war auch bisher kein Bauland“, verteidigt Baubürgermeister Müller den B-Plan. Zudem ist er überzeugt, dass der öffentliche Belang der Frischluftschneise höher wiege als die privaten Interessen. Die Stadt ist den Anrainern am Lößnitzbach sogar entgegengekommen. Von der Idee, entlang des Ufers einen Wanderweg anzulegen, hat die Verwaltung sich verabschiedet.

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