merken
PLUS Radebeul

"Das bedeutet das Aus für die Geschäfte"

Der Plan, die Parkplätze an der Bahnhofstraße in Radebeul ersatzlos zu streichen, sorgt für Entsetzen bei Händlern. Sie befürchten ein Ladensterben.

Wenn es nach den Händlern geht, sollen Kunden ihre Autos auch künftig auf dem Gehweg abstellen können.
Wenn es nach den Händlern geht, sollen Kunden ihre Autos auch künftig auf dem Gehweg abstellen können. © Norbert Millauer

Radebeul. Ein Aufschrei geht durch die Händlerschaft am mittleren Abschnitt der Bahnhofstraße in Radebeul-West. „Wenn die Parkplätze wegfallen, bedeutet das das Aus für die Geschäfte“, sagt Gudrun Ast, Inhaberin der gleichnamigen Parfümerie. Diesen Standpunkt vertritt auch Gabriele Förster vom Uhren- und Schmuckgeschäft Fahlbusch: „Ein Wegfall der Stellplätze geht gar nicht.“

„Das wäre furchtbar“, meint auch Theresa Rueter, stellvertretende Leiterin der Stadtapotheke. Zu ihr kommen Kunden, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Schon jetzt haben sie Schwierigkeiten, einen freien Platz in unmittelbarer Nähe zu finden. „Wir sind auf die Stellflächen angewiesen“, so die Apothekerin.

Anzeige
Fit und ohne Erkältung durch den Winter
Fit und ohne Erkältung durch den Winter

Nicht nur ein gesunder Lebensstil, auch ein Griff in die Phytothek kann dabei helfen, den Körper zu stärken. Professionelle Beratung gibt es in den StadtApotheken.

Stadtrat entscheidet über künftige Verkehrsregelung

Ein ersatzloses Streichen des Kurzzeitparkens befürwortet auch Andreas Rieß, Inhaber der Apollo-Optik, nicht: „Das kann für die Bahnhofstraße nicht gut ausgehen. Es hat viel Sinn, wenn die Parkplätze bleiben. Was soll denn an ihrer Stelle hin?“, fragt er in Richtung Rathaus.

An diesem Mittwoch steht im Stadtrat die Grundsatzentscheidung zur künftigen Verkehrsführung auf der mittleren Bahnhofstraße an. Drei Varianten stehen zur Auswahl: Fußgängerzone, Einbahnstraße oder aber, es bleibt, wie es ist, und Autos rollen wie bisher zwischen Sparkasse und Bahnhofsvorplatz in beide Richtungen. Letztgenannte Option fand eine deutliche Mehrheit bei der Bürgerbefragung im Sommer dieses Jahres. Die Verwaltung schlägt daher den Stadträten vor, diese zur Grundlage der weiteren Planung zu machen. Allerdings sieht diese auch Variante 0 genannte Lösung künftig kein Parken mehr auf dem Gehweg vor. Besucher und Kunden sollen dann die Parkplätze auf der Festwiese und an der Güterhofstraße nutzen und bis zur Bahnhofstraße laufen.

Parkplätze an Güterhofstraße und Festplatz sind kein Ersatz

Die Parkplätze westlich des Bahnhofsgebäudes seien schon frühmorgens fast komplett von Pendlern belegt. „Zu mir kommen oft ältere Leute, die Regulatoren und Großuhren zur Reparatur vorbeibringen. Ihnen kann ich nicht zumuten, diese vom Festplatz bis hier ins Geschäft zu tragen“, sagt Juwelierin Förster. Die Kurzzeitparkplätze müssen bleiben, fordert nicht nur sie.

Seit die Parkdauer auf eine Stunde begrenzt wurde, habe sich die Situation verbessert. Laut Förster blockieren nicht mehr wie früher viele Langzeitparker die Stellflächen, die immer wieder an der Parkscheibe drehen. Sondern sie werden von Kunden genutzt, die kurz halten und in den Läden wie ihrem Schmuckgeschäft ihre Besorgungen machen.

Vor allem zum Feierabend gegen 16 oder 17 Uhr halten viele Kunden auf ihrem Nachhauseweg kurz an, wie Parfümhändlerin Ast berichtet. Wenn für sie künftig keine Stellplätze vor den Geschäften zur Verfügung stehen und sie im näheren Umfeld keine Parkmöglichkeit finden, fahren sie einfach durch. „Fürs Kurzzeitparken sind die Stellflächen ganz wichtig. Warum sollen sie jetzt hier weg?“, fragt Ast. An der Hauptstraße in Ost gibt es doch auch welche und sie bleiben bestehen.

Alle Händler, mit denen die SZ gesprochen hat, haben Variante 0 so verstanden, dass alles wie bisher bleibt, auch in puncto Parken. „Sonst hätten wir dieser nicht zugestimmt“, sagen sie unisono. Auch Stadtteilmanagerin Astrid Hadan und die Kultur- und Werbegilde Altkötzschenbroda sind über die Parkplatzpläne entsetzt.

Für Fußgängerzone fehlen Restaurants und Cafés

In der Güterhofstraße wird die Stadt Grundstücke entlang der Bahnstrecke für Parkplätze erwerben - maximal 300 Meter Fußweg zu den Läden in der Bahnhofstraße.
In der Güterhofstraße wird die Stadt Grundstücke entlang der Bahnstrecke für Parkplätze erwerben - maximal 300 Meter Fußweg zu den Läden in der Bahnhofstraße. © Norbert Millauer

Bei Juwelierin Förster ist auch eine gewisse Müdigkeit über die endlose Diskussion zu spüren. Seit drei Jahren dauere sie bereits an. 2017 standen schon einmal drei Optionen zur Wahl. Die Diskussion spitzte sich damals auf Erhalt der Baumallee oder Wochenmarkt und Parken zu. Damals fand man keine Lösung. Die Händler erarbeiteten daraufhin ein Leitbild, in dem sie ihre Ziele für eine Belebung der Haupteinkaufsmeile in Kötzschenbroda formulierten. Die Stadt ließ das Verkehrskonzept mit drei möglichen Vorschlägen zu künftigen Verkehrsregelung erstellen.

„Für einen Boulevard fehlen entsprechende Cafés und Restaurants“, meint Juwelierin Förster. Deshalb seien Flächen für Außengastronomie wie in einer Fußgängerzone nicht erforderlich. Deshalb votierte sie für das Beibehalten der jetzigen Regelung, das Kurzeitparken mit inbegriffen. Nicht nur sie gab ihre Stimme mittels der durch die Stadt vorbereiteten Abstimmungskarte ab. Auf diesen waren jedoch keine Aussagen zum Parken zu finden.

„Auf den Karten war nicht ersichtlich, dass die Parkplätze wegfallen sollen“, berichtet auch die frühere Stadtgaleristin Karin Baum. Sie hat sich unter anderem bei der Organisation von Festen auf der Bahnhofstraße engagiert und war sehr erschrocken, als sie in der SZ vom Streichen der Parkplätze las. „Ohne Stellflächen bleiben erst die Kunden fern. Später sind auch die Geschäfte weg“, meint Baum. Das Gegenteil von einer Belebung würde man damit erreichen. An der Hauptstraße in Radebeul-Ost hätte die Stadt mit den straßenbegleitenden Parkplätzen eine gute Lösung gefunden, findet Baum. Auch die Nachbarstadt Coswig ermögliche Kurzzeitparken am Straßenrand in ihrem Zentrum.

Ersatzparkplätze gleich um die Ecke

Von Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) heißt es dazu: „Für die Variante hat es von allen Seiten eine eindeutige Mehrheit gegeben. Das ist für uns der Auftrag, so zu planen. Am Fahren in beide Richtungen wird nicht gerüttelt.“ Auf der Grundlage dieser gewollten Planung werde es wiederum Varianten geben, die dann erneut eine öffentliche Beteiligung finden sollen.

Weiterführende Artikel

Was ist vor dem Bahnhof in West geplant?

Was ist vor dem Bahnhof in West geplant?

In Radebeul-West spielt der Bahnhofsvorplatz bislang eine stiefmütterliche Rolle. Dabei gilt es zu klären, ob er nur eine Durchgangsstation sein soll.

Wie weiter mit Autos auf Bahnhofstraße?

Wie weiter mit Autos auf Bahnhofstraße?

Seit Jahren wird über die Verkehrslösung auf der Haupteinkaufsmeile in Radebeul-West diskutiert. Nun soll der Stadtrat entscheiden.

Die Stadt stehe kurz vor dem Erwerb der Grundstücke entlang der Güterhofstraße. Dort sollen Parkplätze für die Autos entstehen, deren Fahrer in der Bahnhofstraße einkaufen gehen. Und Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos): „Es ist schwierig, von den Händlern, also allen Händlern, zu sprechen, die gegen eine solche Verlagerung der Parkplätze sind.“ Ziel sei es in jedem Fall, die neuen Parkplätze fertig zu haben, bevor die bestehenden in der Mitte der Bahnhofstraße wegfallen. 2021 die Planungen, 2022 die erneute Beteiligung der Betroffenen und 2023 dann bauen, so Jörg Müller.

Mehr zum Thema Radebeul