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Das dritte Schloss von Moritzburg

Nordöstlich von Schloss Moritzburg steht das beinahe vergessene Hellhaus. Jetzt wird dort im Auftrag des staatlichen Sachsenforsts saniert.

Im neuen Dachstuhl des Hellhauses von Moritzburg: Forstbezirksleiter Markus Biernath bedankt sich bei Zimmermannsmeister Joachim Grätz aus Coswig.
Im neuen Dachstuhl des Hellhauses von Moritzburg: Forstbezirksleiter Markus Biernath bedankt sich bei Zimmermannsmeister Joachim Grätz aus Coswig. © Peter Redlich

Moritzburg. Schloss Moritzburg kennt jeder. Das Fasanenschlösschen östlich davon am Niederen Großteich, nahe am Leuchtturm, haben auch viele schon mal abgewandert. Doch das Hellhaus? Vorbeigegangen ist sicher mancher an der Anhöhe nordöstlich von Schloss Moritzburg. Doch das Gebäude ist stark beschädigt, mit einem Notdach obendrauf.

Jetzt ändert sich daran einiges. Rund um das Gebäude steht ein Gerüst. Bis vor wenigen Tagen gab es hier noch einen Kran, der elf Meter lange und je 300 Kilogramm schwere Balken in die Höhe hievte. Erst Maurer, dann Zimmerleute sind am Hellhaus zugange.

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Hellhaus heißt das dritte Schloss von Moritzburg, weil „Hell“ Kuppe bedeutet. Eine helle Stelle im Wald. Rund um Schloss Moritzburg sollte an dem Ort alles der Jagd der sächsischen Kurfürsten dienen. August der Starke (1670-1733) ließ auf der Anhöhe die Bäume roden und einen Turm errichten. Rund um die Höhe gab es acht Schneisen. In diese ritten die Jäger aus. Auf dem Turm platzierten sich die sogenannten Schwanenwärter mit Fahnen und zeigten den Jägern an, wohin die Hirsche, Rehe und Wildschweine gerade auswichen, erzählt der Moritzburger Revierleiter Marko Groß. Parforcejagd nannte sich das, bei der die Reiter von Hunden begleitet wurden.

So sehen Waldspaziergänger derzeit das Hellhaus, ein kleines Schloss, ähnlich dem Fasanenschlösschen. Eingerüstet für die Arbeiten am Dach, soll bis zum Winter das Gebäude gesichert sein.
So sehen Waldspaziergänger derzeit das Hellhaus, ein kleines Schloss, ähnlich dem Fasanenschlösschen. Eingerüstet für die Arbeiten am Dach, soll bis zum Winter das Gebäude gesichert sein. © Arvid Müller

Friedrich August III. (1696-1763), Sohn August des Starken, ließ die Anlage auf der Helle, der Kuppe, ausbauen und ein kleines Schloss mit Räumen zum Ausruhen, Übernachten und Feiern errichten. Rund ums Hellhaus gab es eine Art Garten mit einem Rundweg und die abgehenden acht Schneisen, jede etwa 20 Meter breit.

Vieles davon ist heute zugewachsen, aber noch zu erkennen. Vor allem aber ist das Hellhaus, heute im Besitz des staatlichen Sachsenforsts, noch da. Beinahe wäre es anders gekommen. Denn vor 32 Jahren gab es hier einen Brand, erläutert Forstbezirksleiter Markus Biernath. 

Zwingerbaumeister Ulrich Aust und dessen Sohn, der Radebeuler Winzer Friedrich Aust, haben sich drum gekümmert, dass das Gebäude ein Notdach bekam und so die völlige Zerstörung verhindert. Ulrich Aust, früherer Zwingerbaumeister in Dresden, war es auch, der mit Studenten aus Dresden die Aufmaße für das Gebäude erstellt hat.

In den letzten Wochen geht es wieder aufwärts mit dem Hellhaus. Im Auftrag von Sachsenforst und unter der Aufsicht des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement bekommt das Schloss wieder einen neuen Dachstuhl samt Dachdeckung. 

Die Zimmerleute vom Coswiger Holzbaubetrieb Grätz haben Ende August mit den Arbeiten in ihrer Werkstatt begonnen. Joachim Grätz, dessen Männer sich immer wieder an Baudenkmalen beweisen: „Das ist wirklich kein normaler Dachstuhl. Auf dem Betriebshof haben wir die Balken angepasst und das gesamte Gebälk sogar zur Probe aufgebaut, damit dann in der Höhe alles sitzt.“

Es passt. Kleinigkeiten nur mussten gerichtet werden, berichtet der Zimmermannsmeister am Donnerstagnachmittag beim Richtfest. Der Statiker, die Geldgeber, die Männer vom Sachsenforst und der Landschaftsarchitekt sind übers Gerüst mit obendrauf geklettert. Meister Grätz zeigt auf die Maurerarbeiten, auf denen die Balken aufsitzen. Ein Ringanker aus Beton, der die obere Kante des Hellhauses sicher zusammenhält. Daran befestigt sind Sandsteinplatten als äußere und gefällige Abdeckung.

So sah das Schlösschen als Aussichtspunkt und Herberge für die Jagdgesellschaften zu Zeiten von Friedrich August III. aus, einem Enkel von August dem Starken, der das Gebäude errichten ließ.
So sah das Schlösschen als Aussichtspunkt und Herberge für die Jagdgesellschaften zu Zeiten von Friedrich August III. aus, einem Enkel von August dem Starken, der das Gebäude errichten ließ. © Zur Verfügung gestellt von Sachsenforst

Michael Simonsen ist der Freianlagenplaner im Auftrag von Sachsenforst. Der Landschaftsarchitekt und Gartenhistoriker, der sich auch schon mit der Anlage um das Fasanenschlösschen beschäftigt hat, zeigt von oben auf die Schneisensicht. Diese solle weitgehend wieder so hergestellt werden, dass Blickbeziehungen bis hin zu Schloss Moritzburg erneut möglich werden. Vor allem aber ist ihm die Aufgabe gestellt, rund um das Hellhaus die Landschaft auf der Kuppe wieder mit einem Rundweg so herzustellen, dass Jahreszeiten, Tageszeiten von der Helle wie von einer Insel im Wald wahrgenommen werden können.

Forstbezirksleiter Biernath und Revierchef Groß sind froh, dass Gelder für den Start zum Sanieren des dritten Schlosses von Moritzburg beim Finanz- und beim Umweltministerium aufgetrieben werden konnten. Nicht wenig Geld: Maurerarbeiten, Dachstuhl und Dach werden mit rund 760.000 Euro veranschlagt. 

Wie es mit dem weiteren Sanieren vorangehen kann, ist sicher eine Geldfrage, aber der erste Schritt ist getan, das Hellhaus erst einmal vor Regen und Schnee von oben gesichert.

Das Gebäude ist es allemal wert. Bundesweit gibt es wenige solcher Schlösschen aus dem Spätbarock, die noch erhalten sind, sagt Markus Biernath.

Ein vollständiges Wiederherstellen des Hellhauses hängt sicher auch davon ab, wie das Gebäude künftig sinnvoll genutzt werden könnte. Biernath: „Das haben wir bislang bewusst offen gelassen, um Geldgeber nicht unter Druck zu setzen.“ Aber Hoffnung habe der Forstchef schon, dass es keine allzu lange Pause nach dem Dachdecken gibt. Und der Moritzburger Revierleiter Groß hat auch eine Idee: „Ich könnte mir hier für Schulen ein Klassenzimmer im Grünen vorstellen, in dem tageweise mitten im Wald unterrichtet wird.“

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