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Das „Knast“-Wartehäuschen von Radebeul

Fenster und Türen sind beim Unterstand an der Station „Weißes Roß“ vergittert. Die SDG will damit Ruhestörer vom Bahnsteig fernhalten.

Das Wartehäuschen an der Bahnstation "Weißes Roß" hat nun schwedische Gardinen.
Das Wartehäuschen an der Bahnstation "Weißes Roß" hat nun schwedische Gardinen. © Norbert Millauer

Radebeul. Hat Radebeul nun ein eigenes kleines Gefängnis, oder ist bereits die erste Kulisse für die nächsten Karl-May-Festtage aufgebaut? Diese Frage kommt einem sofort in den Sinn, wenn man auf dem Bahnsteig des Haltepunkts „Weißes Roß“ des Lößnitzdackels steht. Tür und Fenster des Wartehäuschens sind an der Bahnstation mit Gittern versehen.

Eigentlich sollen in dem Unterstand Fahrgäste, die am Tor zum Lößnitzgrund auf den Dampfzug warten, bei schlechtem Wetter und kaltem Wind Schutz suchen können. Jahrzehntelang war dies zumindest möglich und auch der Sinn und Zweck des Wartehäuschens. Doch nun ist der Zugang versperrt.

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Auch die Eingangstür ist mit einer Gittertür verschlossen.
Auch die Eingangstür ist mit einer Gittertür verschlossen. © Norbert Millauer

Das Holzhäuschen erinnert mit seinen neuen schwedischen Gardinen an den Knast in der Westernstadt Little Tombstone. Während des Karl-May-Festes atmet dort immer wieder Halunke Locci gesiebte Luft und liefert sich mit Kindern eine Wasserschlacht, während er dahinter und die Kinnings vor den Eisenstäben stehen. Doch diesmal steckt keiner für den Schabernack hinter den Gittern. Das Häuschen ist leer. Zudem ist die jetzige Jahreszeit auch viel zu kalt, um mit Wasserpistolen aufeinander zu schießen.

Die Eisengitter ließ die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG), die die Schmalspurstrecke zwischen Radebeul und Radeburg betreibt, Ende November dieses Jahres anbringen. Und dies nicht zum Spaß. „Wir haben seit einiger Zeit mit unerlaubtem Aufenthalt, Ruhestörung der Anwohner und leider auch Vandalismus zu kämpfen“, teilt SDG-Sprecherin Kati Schmidt auf SZ-Anfrage mit. Hinweise auf die Hausordnung sowie Verweise hätten leider keinen Erfolg erzielt. „So sahen wir uns zu diesem Schritt gezwungen“, so Schmidt.

Beliebter Treffpunkt von Jugendlichen

Es sind zumeist Jugendliche, die sich in dem Unterstand getroffen haben. Und das betrifft nicht nur die Station „Weißes Roß“. Größere Probleme gibt es laut Schmidt auch am Bahnhof Radebeul-Ost, dem Haltepunkt im Friedewald sowie in Moritzburg. Das Wartehäuschen auf dem Bahnsteig „Weißes Roß“ ist jedoch bislang das einzige mit Vergitterung. Bei den anderen Problem-Haltepunkten musste die SDG noch nicht zu diesem drastischen Mittel greifen. „An den anderen Stationen haben wir vor allem Ruhestörung zu kämpfen“, berichtet Schmidt. Daher richtet sie die Bitte an Anwohner, selbstständig und immer wieder die Polizei zu informieren. „Wir sind ja jeweils nur kurz vor Ort und meist sind die Ruhestörungen später am Abend, wenn kein Zug mehr zu erwarten ist“, so Schmidt.

Die Wartehalle „Weißes Roß“ bleibt laut SDG bis auf Weiteres geschossen, insbesondere auch deshalb, weil Jugendliche permanent gegen die Maskenpflicht auf dem Bahnsteig verstoßen und sich dauerhaft in der Wartehalle aufgehalten haben. Und wo können Fahrgäste dort an eisigen Tagen Schutz suchen? „Am Haltepunkt „Weißes Roß“ hat zu den Zeiten des Zugverkehrs die Fahrkartenagentur geöffnet. Hier besteht für die Fahrgäste die Möglichkeit, sich im Bedarfsfall unterzustellen“, informiert Schmidt. Zu allen anderen Tages- und Nachtzeiten ist der Aufenthalt auf dem Bahnhofsgelände nicht gestattet.

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