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Deichläufer gesucht

Weil die schützende Grasnarbe immer wieder zertreten wird, soll jetzt jemand aufpassen und die Bürger aufklären. Die Bewerbungen sind bisher rar.

Der Deich vor Altkötzschenbroda, direkt am Elberadweg: Trotz gut lesbarer Hinweisschilder, die dies untersagen, gehen immer wieder Bürger auf der Deichkrone.
Der Deich vor Altkötzschenbroda, direkt am Elberadweg: Trotz gut lesbarer Hinweisschilder, die dies untersagen, gehen immer wieder Bürger auf der Deichkrone. © Norbert Millauer

Radebeul. An der Elbe in Radebeul-Kötzschenbroda befindet sich der sogenannte Sommer-Deich. Er wurde in der Vergangenheit von den Bewohnern der Stadt selbst errichtet und sollte insbesondere landwirtschaftliche Flächen vor häufigen kleineren Hochwassern bis zu einem Pegelstand von 7,40 Meter (Pegel Dresden) schützen. Mittlerweile schützt der Deich aber auch Kleingärten und Wohnbebauung.

Nach dem Hochwasser 2002 wurde auch dieser Deich in den Jahren 2010/2011 wieder instand gesetzt. Ob nun aus Gewohnheit oder der schönen Aussicht wegen – der Deich wird auch seit seiner 2019 erfolgten aufwendigen Neuansaat der Grasnarbe häufig begangen, nicht ohne Folgen für den Deich und damit für den Hochwasserschutz. Aus diesem Grund sucht die Große Kreisstadt Radebeul einen sogenannten Deichläufer auf ehrenamtlicher Basis. Eine monatliche Aufwandsentschädigung werde gezahlt, 40 Euro, hieß es auf Nachfrage der SZ.

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Die Aufgabenschwerpunkte der Tätigkeit umfassen das Erkennen und Melden von Schäden am Deich sowie das Aufklären der Bürgerinnen und Bürger direkt vor Ort über die Notwendigkeit des Deiches. Der oder die Ehrenamtliche sollte ein freundliches Auftreten haben und bereit sein, sich in die Thematik Deich- sowie Hochwasserschutz näher einzuarbeiten, heißt es in dem Aufruf im Amtsblatt der Stadt.

Die Landestalsperrenverwaltung - zuständig für die Deiche - hat gerade für 15.000 Euro die Grasnarbe neu hergestellt. Hinweisschilder sagen den Bürgern, warum hier nicht gelaufen werden soll.
Die Landestalsperrenverwaltung - zuständig für die Deiche - hat gerade für 15.000 Euro die Grasnarbe neu hergestellt. Hinweisschilder sagen den Bürgern, warum hier nicht gelaufen werden soll. © Norbert Millauer

Viola Mojssetschuk, Betriebsleiterin in der für die Deiche zuständigen Landestalsperrenverwaltung Oberes Elbtal, sagt, warum der Deichschutz so wichtig ist: Ist kein Gras vorhanden, können durch das Wasser bereits an kleinen unregelmäßigen Stellen im Deich Verwirbelungen auftreten, an denen es dann zum Ausspülen von Erde kommen kann. Wird viel Erdstoff ausgespült, bildet sich an solchen Stellen eine Bresche im Deich und das Wasser strömt auf die zu schützende Landseite. Durch die Kraft des fließenden Wassers wird die Bresche größer und der Deich selbst, aber auch Nutzungen im Hinterland werden stark beschädigt.

In einer aufwendigen Aktion wurde 2020 die zertretene Grasnarbe auf der Deichkrone wieder neu hergestellt. Ein Gartenbaubetrieb war beauftragt, auf rund 200 Metern Länge - dem wichtigsten Abschnitt vor Altkötzschenbroda - neue Muttererde aufzutragen. Holzschnitzel sind in der Erde mit drin, damit Wasser gespeichert wird. Der Deichzugang wurde abgesperrt. Der neue Grassamen ging auf. Rund 15.000 Euro werden für die Grasnarbenreparatur aufgewendet.

Der Regen der letzten Wochen hat das Gras auf der Deichkrone wieder wachsen lassen. Zuvor war alles niedergetrampelt.
Der Regen der letzten Wochen hat das Gras auf der Deichkrone wieder wachsen lassen. Zuvor war alles niedergetrampelt. © Peter Redlich

Deutlich sichtbare Hinweisschilder

Am Deichaufgang, nahe dem Elberadweg, stehen deutlich sichtbare Hinweisschilder, warum der Schutzwall nicht betreten werden soll. Dennoch halten sich immer wieder Bürger nicht daran. Derzeit hilft der Regen und lässt das sonst niedergetretene Gras trotzdem wachsen. Aber sobald es trockner wird, schwindet die Grasnarbe.

Früher gab es einen Deichverantwortlichen als Wächter. Dieser hat die Leute, die auf dem Schutzwall herumtrampelten, verjagt oder gar angezeigt. Das gibt es heute nicht mehr. Allerdings besteht nach wie vor die Möglichkeit, Unbelehrbare auch beim Ordnungsamt anzuzeigen, heißt es von der Landestalsperrenverwaltung.

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Seitens der Stadtverwaltung schreibt Pressesprecherin Ute Leder: „Die Idee der regelmäßigen Kontrolle der Deiche besteht schon seit Längerem, um den Hochwasserschutz zu unterstützen. Da die LTV personell nicht alle Deiche abdecken kann und unsere Gemeindlichen Vollzugsbediensteten auch mit vielen anderen Aufgaben betreut sind, kam die Idee einer ehrenamtlichen Unterstützung.“ Ehrenamtler und geringfügig Beschäftigte seien auch an anderen Stellen im Einsatz, etwa am Bismarckturm. Geplant sei, dass der Deichläufer oder die Deichläuferin noch im September mit dem Begehen starte.

Die Stadt Radebeul schreibt: Bei Interesse und zur Klärung von Fragen wenden Sie sich bitte an das Rechts- und Ordnungsamt, Sachgebiet Ordnung und Sicherheit, Frau Böhme – Telefon 0351 8311712 oder E-Mail:[email protected]

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