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„Der Lößnitzgrund ruft jedes Jahr“

Der Spielbetrieb an den Landesbühnen in Radebeul ruht derzeit. Im Sommer soll es wieder Freilufttheater geben. Über die Pläne spricht Intendant Manuel Schöbel.

Manuel Schöbel blickt aus dem großen Glasfoyer des Stammhauses der Landesbühnen in Richtung Meißner Straße. An Radebeuls Hauptverkehrsader liegt der Eingang des Theaters, wo hoffentlich bald wieder Zuschauer ein- und ausgehen.
Manuel Schöbel blickt aus dem großen Glasfoyer des Stammhauses der Landesbühnen in Richtung Meißner Straße. An Radebeuls Hauptverkehrsader liegt der Eingang des Theaters, wo hoffentlich bald wieder Zuschauer ein- und ausgehen. © René Jungnickel

Herr Schöbel, bis Ende Februar ruht der Spielbetrieb an den Landesbühnen. Wie optimistisch sind Sie, dass Sie bald wieder Vorstellungen geben können?

Wir Theaterleute sind von Berufs wegen optimistisch. Deshalb sind wir zuversichtlich, in absehbarer Zeit unsere Zuschauer wieder empfangen zu können.

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Wie ist die Stimmung unter Schauspielern, Tänzern und Sängern? Müssen sie nun tatenlos zu Hause sitzen?

Sänger, Tänzer und Schauspieler sind nie tatenlos. Sie bereiten sich immer auf neue Rollen vor, trainieren ihre Stimmen und Körper. Sie lesen Textbücher und üben Lieder ein. Derzeit läuft viel über Videokommunikation. Insofern gibt es keinen Stillstand, auch wenn die Theater geschlossen sind. Dennoch sehnen sich alle nach der Begegnung mit dem Publikum.

Kann das Ensemble auch proben?

Im Moment proben wir nicht. Inwieweit wir im Stammhaus Stücke einstudieren, wird immer wieder neu entschieden, je nachdem, wie sich die Situation entwickelt. Derzeit sind wir darauf konzentriert, uns zu Hause gut vorzubereiten.

An welchen Stücken arbeitet das Ensemble zu Hause; welche Premieren sind geplant, wenn das Stammhaus wieder öffnen darf?

Das Schauspielensemble arbeitet derzeit an „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist. Die Opernsänger bereiten Verdis „Rigoletto“ vor. Das Tanztheater beschäftigt sich mit einem Stück, das „Schumann“ heißt. Die Puppenspieler haben „Die Schwalbenchristine“ nach dem Kinderbuch von Fred Rodrian einstudiert. Das sind vier Beispiele für Inszenierungen, die auf die Premiere warten. Als Repertoiretheater haben wir viel mehr Stücke auf unserem Spielplan stehen. Und in jeder Spielzeit kann sich das Publikum auf neue freuen. Wir haben einen Strauß von spannenden und neuen Inszenierungen, die wir den Zuschauern zeigen können und zeigen wollen. Wir halten uns alle in Bereitschaft, damit wir sofort wieder spielen können, sobald wir dürfen.

Ein kleiner Blick zurück auf das Jahr 2020: Wie waren die Besucherzahlen?

Es können sich sicher alle Menschen denken, dass wir aufgrund der Unterbrechungen des Spielbetriebs wegen der Corona-Pandemie weniger Zuschauer hatten als in den Vorjahren. Es hat uns daher sehr gefreut, als wir im Sommer allein 5.000 Besucher zu den Vorstellungen von Aschenbrödel in Moritzburg begrüßen konnten.

Schauspieler Michael Berndt-Cananá wird als Winnetou im Lößnitzgrund auf der Bühne stehen.
Schauspieler Michael Berndt-Cananá wird als Winnetou im Lößnitzgrund auf der Bühne stehen. © Matthias Schumann

Im vorigen Juni wollten die Landesbühnen Freilufttheater im Lößnitzgrund bieten. Coronabedingt war dies nicht möglich. Wird in diesem Jahr nun endlich der Lößnitzgrund rufen?

Wir bereiten unsere Veranstaltungen im Lößnitzgrund vor. Ich bin sehr optimistisch, dass wir im Sommer 2021 im Freien Theater spielen können.

Auf welche Programmpunkte kann sich das Publikum im Lößnitzgrund freuen?

Am Sonnabend, 29. Mai 2021, ist die Premiere von unserer für den Lößnitzgrund konzipierten Fassung von „Winnetou I“. Insgesamt wird es bis 13. Juni zehn Vorstellungen geben. Darüber hinaus arbeiten wir mit verschiedenen Partnern, wie dem Karl-May-Museum, dem Bäderbetrieb und einer Reihe von engagierten Bürgern, an weiteren Programmpunkten. So soll beispielsweise das Bilzbad als Schauplatz von Filmvorführungen dienen.

Der Lößnitzgrund dient als Ausweichspielstätte, weil die Naturbühne in Rathen umgebaut wird. So entstehen dort ein neues Funktionsgebäude und ein moderner Bühnenbereich. Im Jahr 2022 möchten die Landesbühnen dort wieder spielen. Wie ist der Arbeitsstand?

Die Bauarbeiten schreiten sehr gut voran. Der Rohbau steht. Das Dach ist drauf. Wir sind sehr begeistert von den Bauleuten, die mit einer hohen Qualität und großer Plantreue zugange sind. Alle Arbeiten liegen im Zeitplan.

Wird es eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe der „Lößnitzgrund ruft“ auch im Jahr 2022 geben, auch wenn die Felsenbühne Rathen wieder bespielt werden kann?

Der Lößnitzgrund ruft jedes Jahr. Das möchten wir mit den Vorstellungen im kommenden Frühsommer bewusst machen. Wenn sie Erfolg haben, wollen wir künftig jedes Jahr unseren Beitrag leisten, dass der Lößnitzgrund belebt und bespielt wird. Wie dieser Beitrag künftig aussehen wird, hängt von der Resonanz der Zuschauer ab, davon, wie sie das Angebot annehmen. Die Landesbühnen sind nicht die Einzigen, die das Tal, diesen wunderbaren Ort, als Bühne und Schauplatz für Freiluftveranstaltungen entdeckt haben. Mit allen Beteiligten wollen wir dieses Jahr einen Auftakt geben und dazu anregen, dass sich neue und weitere Partner finden, die das Veranstaltungsformat „Der Lößnitzgrund ruft“ in den Folgejahren mit Leben füllen. Es soll nicht bei einer einmaligen Sache bleiben, sondern sich eine nachhaltige Wirkung entfalten.

Eine weitere Ausweichspielstätte ist Schloss Moritzburg. Was ist dort dieses Jahr geplant?

Auf der Nordterrasse des Schlosses bringen wir wieder das Musical „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zur Aufführung. Ab 3. Juli dieses Jahres steht das Stück 20 Mal auf dem Programm.

In Rathen wird sicher wieder ein Theaterzelt an der Elbe aufgebaut. Wie ist es, in einem Zelt zu spielen?

Schön! Ein Zelt ist ein romantischer Ort. Deshalb dient es schon seit Jahrhunderten als Ort für Theater, Unterhaltung und Zirkus. Mit den gesammelten Erfahrungen des Vorjahres werden wir das Theaterzelt mit all seinen Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten, die es bietet, noch besser beherrschen. Ich freue mich darauf, dort wieder zu spielen.

Welche Stücke werden in Rathen zu sehen sein?

Die Spielzeit im Theaterzelt eröffnen wir am 22. Mai mit der Premiere des Schauspiels „Peter Pan“. Ebenfalls zur Premiere bringen wir dort am 2. Juli „Annie Get Your Gun“. Darüber hinaus werden aus unserem Repertoire die Kinderoper „Der Frosch muss weg“, das Theaterstück „Pettersson und Findus“, das Musical „Kiss me, Kate“ sowie der Liederabend „Ja, so warn’s die alten Rittersleut“ geboten. Über die Sommermonate bis 29. August 2021 werden wir in Kurort Rathen unser Zelt aufschlagen.

Das Interview führte Silvio Kuhnert.

Theater im Lößnitzgrund

  • Gespielt wird: „Winnetou I“ von Olaf Hörbe nach Karl May
  • Inszenierung: Manuel Schöbel
  • Premiere: Sonnabend, 29. Mai 2021
  • Weitere Termine: Sonntag, 30. Juni; Donnerstag, 3. Juni; Freitag, 4. Juni; Sonnabend, 5. Juni 2021; Sonntag, 6. Juni; Donnerstag, 10. Juni; Freitag, 11. Juni; Sonnabend, 12. Juni; Sonntag, 13. Juni
  • Beginn: jeweils 19.30 Uhr
  • Ort: Westernstadt Little Tombstone, Lößnitzgrundstraße, nahe des Haltepunkts „Lößnitzgrund“ der Lößnitzgrundbahn
  • Weitere Infos: www.landesbuehnen-sachsen.de;
    www.der-loessnitzgrund-ruft.de

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