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Der Ofen ist aus

Seit Dezember war der Brennofen bei Keramikerin Ines Hoferick nicht mehr in Betrieb. Nun will sie mit einem neuen Angebot dem Lockdown etwas entgegensetzen.

Carola und Emilia Mertens wollen die Keramikkünstlerin Ines Hoferick unterstützen, damit sie ihren Brennofen bald wieder einschalten kann.
Carola und Emilia Mertens wollen die Keramikkünstlerin Ines Hoferick unterstützen, damit sie ihren Brennofen bald wieder einschalten kann. © Norbert Millauer

Von Beate Erler

Radebeul. Der kleine Raum im Untergeschoss des Wohnhauses auf der Makarenkostraße in Radebeul ist vollgestellt mit fertigen und halbfertigen Keramiken. Einige sind von der Künstlerin Ines Hoferick selbst und andere von ihren Kursteilnehmern. Hier gibt die Radebeulerin sonst bis zu acht Leuten Keramikkurse. Mittlerweile ist es für sie der fünfte Monat im Lockdown, ohne Kurse und ohne Geld.

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Ihre Kursleute haben sie auf die Idee gebracht, die sie nun umsetzt: „Einige Familien haben angerufen und erzählt, dass ihre Kinder neue Beschäftigungen brauchen“, sagt sie. Sie hätten gefragt, ob sie das Material bei Ines Hoferick abholen und zu Hause selbst ihre Stücke formen können. Unter dem Motto „Ein Hubel Ton gegen die Langeweile“ bietet die in Radebeul bekannte Künstlerin nun Keramikkurse für daheim an: „Die Leute können mich anrufen und mir sagen, wann sie vorbeikommen wollen, denn ich bin gerade arbeitslos und immer hier“, sagt sie.

Für die, die noch nie mit Ton gearbeitet haben, gibt es eine Kurzanleitung und Tipps von Ines Hoferick dazu. Man sollte den Ton höchstens daumendick machen, ist zum Beispiel so ein Hinweis. Für zehn Euro gibt es einen Hubel Ton mit nach Hause. Das sind zehn Kilo und daraus können die Familien schon eine Menge Schüsseln und Kerzenständer herstellen. Auch Werkzeuge und andere Arbeitsmaterialien verleiht Ines Hoferick an ihre Kunden.

Gerade ist Carola Mertens mit ihrer Tochter Emilia kurz da, um sich eine neue Ladung Ton abzuholen: „Ich bin sonst bei den Kursen dabei“, sagt die Radebeuler Mutter von insgesamt vier Töchtern. In den letzten Wochen des Lockdowns hätten sie schon alles Mögliche gemalt und gebastelt: „Wir brauchen immer wieder neue Ideen für die Beschäftigung der Kinder“, sagt Carola Mertens. Tochter Emilia geht in die vierte Klasse der Schillerschule: „Wenn ich mit den Schulaufgaben fertig bin, räumen wir den Tisch leer und töpfern los“, sagt sie. Mit dem Ton, den sie heute abholen, will Emilia Teelichthäuschen und einen Rapunzelturm formen. „Mir macht am meisten Spaß, dass man einem einfachen Klumpen Ton eine Form geben kann“, sagt Carola Mertens.

An Material fehlt dafür es Ines Hoferick nicht. Jedes Jahr bestellt sie zwei Tonnen Ton und davon hat sie vom letzten Jahr noch eine Menge übrig. Trotzdem wird es wohl noch bis mindestens Februar dauern, bis sie ihren Brennofen wieder einmal hochheizen kann: „Der läuft mit Starkstrom und ist dann zwei Tage an“, sagt sie, „das lohnt sich nur, wenn ich Tonware von mindestens zehn Leuten zusammen habe.“

Von der versprochenen Novemberhilfe von 75 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Vorjahr hat sie bisher erst einen Abschlag erhalten: „Das waren gerade einmal um die 370 Euro, aber meine Kurse kann ich schon seit fünf Monaten nicht mehr geben“, sagt sie. Jammern will sie aber trotzdem nicht und hofft, dass viele auf ihr neues Angebot aufmerksam werden: „Jeder Sack Ton ist eine Hilfe“, sagt sie.

Interessenten können sich hier melden: Keramikstudio Hoferick, Makarenkostraße 3, in Radebeul, Kontakt: [email protected] oder unter 0176 66617006.

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